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Freitag, 22. Juni 2007

Unser (d. h. euer) Wald muss deutscher werden!

Ich bin gerade wieder für einige Zeit in Deutschland zu Besuch. Und da so schönes Wetter war, bin ich auch mal in den Wald gegangen. Das macht man hier ja so, wenn die Sonne scheint, dass man in der Freizeit auch mal im Wald spazieren geht. Auf Kap Verde haben wir das nicht, Wald, oder so gut wie nicht, weil die meisten von unseren Inseln so klein und hügelig sind, und dann ist es da ja auch so heiß und trocken die meiste Zeit des Jahres. Ich dachte, ich sollte mich schon ein bisschen anpassen, wenn ich hier zu Gast bin. Es ist ja nicht richtig, immer eine Extrawurst zu wollen. Also sagte ich zu mir, gut, geh ich eben in den Wald.
Ich muss leider sagen, dass es mir nicht gefallen hat. Der Wald hier, und ich würde sagen: der Wald generell, ist einfach keine schöne Sache. Warum ist es da nur so unordentlich? Ich meine jetzt nicht den ganzen Dreck auf dem Boden, das habe ich bei mir zu Hause ja auch. Nein, ich meine die Art, wie die Dinge nicht sortiert sind. Nicht etwa die Blätter hier auf einem Haufen, oder besser: in einer Kiste, und die Zweige dort, ordentlich aufgereiht oder gestapelt. Sondern die Zweige sind raumgreifend in die Luft gespannt und die Blätter gleichmäßig über das ganze Geäst verteilt. Das ist vollkommen ineffizient! Mit meinem System könnte man den Wald problemlos auf einem Hundertstel seiner jetzigen Fläche unterbringen.
Das gilt natürlich auch für die Tiere, oder vielmehr, da ist es am allerschlimmsten. Ich habe mindestens fünf, wenn nicht sogar zehn Tiere gesehen, jedes mit locker ein oder zwei Dutzend völlig verschiedenen Organen. Kann man nicht die Lebern in der einen Ecke des Waldes ansiedeln und die Milzen in der anderen? Was soll dieses Durcheinander? Was zum Teufel hat das Herz mit dem Dickdarm zu tun, so dass beide in denselben Sack gehörten? Kurz: Chaos pur. Ein Wunder, dass bewaldete Länder nicht in Anarchie versinken. Daher habe ich mir Gedanken gemacht, wie ich zum Wohle meines Gastlandes beitragen kann, und folgenden Aktionsplan ausgearbeitet, den ich den Eingeborenen ans Herz legen möchte, zumal er auch eine hervorragende Gelegenheit für das hierzulande so hochgeschätzte ehrenamtliche Engagement bietet und somit dazu beitragen kann, Bürgersinn, Heimatverbundenheit und Leistungsbereitschaft zu fördern. Also, liebe Deutschländerinnen und Deutschländer, hinaus in die Wälder, die Tiere einfangen und dann folgendermaßen vorgehen:

1. Schritt: Organe durchnumerieren

2. Schritt: Organe sortieren und in praktischen Behältnissen verstauen

Freitag, 16. März 2007

Home, not very sweet home

Ja, es ist schrecklich, aber wahr, ich bin wieder in Berlin, zu Hause sozusagen.
Ich weiß, mein wieder-da-Blogeintrag kommt etwas spät, aber ankommen dauert eben manchmal ein wenig.

Und es ist schon seltsam, wieder in Deutschland zu sein - dem Land, das mich als erstes mit Zigarettenqualm, Bratwurstgeruch und Easy Listening-Klassik empfängt (verflucht sei der Hamburger Hauptbahnhof!), wo sich deutsche Urlauber über das tolle Preis-Leistung-Verhältnis und den freundlichen Service in Bankok unterhalten, und wo leider immer noch Winter ist.














Ja, Deutschland: Im Verkaufsfernsehen wird für Produkte geworben, die Bindegewebe "umverteilen" dank "Kompressionsstrickzonen", in den Nachrichten ist die Rede von "Kamingesprächen und Strandspaziergängen" und der Swingerclub um die Ecke wirbt mit "Dauertiefstpreisen".

Ach ja, seufz, - es ist so wunderschön, die deutsche Sprache zu hören!

Freitag, 23. Februar 2007

Nacktes Feuer und Giraffenstreifen

Hier in Australien ist übrigens alles down under, also verkehrtrum, verdreht und steht auf dem Kopf.

So gibt es beispielsweise nackte oder sich ausziehende Bäume, dafür sind die Leute hier alle angezogen. Ein seltsames Land!

Statt Zebrastreifen gibt es Giraffenstreifen.






Und das Wasser läuft linksrum ab, wie man hier eindeutig erkennen kann:

Kann mal jemand für mich nachschauen, wie das in der nördlichen Hemisphäre ist? - Danke.(Und was passiert auf dem Äquator? (Das ist jetzt posten auf dem Niveau von Kinderbüchern, aber was soll's))

Und: They drive "on the goddam wrong side of the road" (W. Allen)! Das ist gefährlich, sag ich euch!

Reisen bildet

Mit einiger Verzögerung hier mein erster Interkontinentaler Post.
Ich fange mal mit einer Auflistung von ein paar Beobachtungen an - es ist ja so enorm
beeindruckend, was man alles für spannende Sachen lernt, wenn man reist. Da will ich euch natürlich teilhaben lassen...

1) Als erstes muss ich mal diese Tastatur hier durchtesten, was für Zeichen man hier so machen kann...§1234567890'^qwertzuiopèäsdfghjkléà$<>YXCVBNM ;:_¦@#°§¬¢´~€[]{}\ - aha, interessant, also ein scharfes s scheint nicht zur Verfügung zu stehen. Auch schon mal eine Erkenntnis.

2) Der Flughafen in Dubai ist gar nicht besonders schick, luxuriös, ästhetisch beeindruckend, kitschig und goldglänzend. Sondern fällt durch einen eklatanten Mangel an einem einheitlichen Konzept auf und ist eigentlich mehr eine gigantische Einkaufsmeile, was zugegebenermassen auch irgendwie ins Bild passt.Nach wie vor steht also auf meiner (nicht sehr umfangreichen) Liste der schönsten Flughäfen der Flughafen Zürich ganz oben.

3) Seit kurzem gibt es ALDI auch in Melbourne, und das Tolle ist, dass sie es geschafft haben, exakt die Ästhetik deutscher Supermärkte hier zu reproduzieren. Dieses trostlose Flair von Billigprodukten in einem neonbeleuchteten Raum mit braun gefliesstem Boden, der zugleich leer und vollgestopft wirkt. Faszinierend. Dass das in Deutschland funktioniert ist ja seltsam genug, aber dass man sowas auch noch exportieren kann!

4) Meine vorerst letzte Bemerkung ist diese: Das Nachtleben ist hier genauso eklig wie überall anders auch. Vielleicht ein wenig ekliger als in Berlin. (Ups, jetzt habe ich mich geoutet.) Und "Wodka Lemon" scheint keine international verständliche Bezeichnung für ein bestimmtes Getränk zu sein. "Wodka Lemonade?" sagt die Barkeeperin und schenkt mir daraufhin sowas Ähnliches wie Wodka mit Sprite ein. War auch ok.

- Kleines Update hierzu: Ich habe festgestellt, auch im Supermarkt gibt es hier zwar alle möglichen Schweppes-Produkte, aber kein Bitter Lemon. Also trinkt man hier vielleicht deshalb keinen Wodka Lemon, weil es kein Bitter Lemon gibt.