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Mittwoch, 30. Januar 2008
Dienstag, 31. Juli 2007
Die BVG, dein Freund und Lehrer
Ach ja, die BVG. Immer für einen Scherz gut...
Neu ist aber, dass sie sich offenbar der sprachlichen Bildung der "Fahrgäste" verpflichtet fühlt, und ihnen komplizierte zusammengesetzte deutsche Begriffe, wie etwa "mutwillige Zerstörung", durch klar verständliche und formschöne Fremdworte nahebringt.
Neu ist aber, dass sie sich offenbar der sprachlichen Bildung der "Fahrgäste" verpflichtet fühlt, und ihnen komplizierte zusammengesetzte deutsche Begriffe, wie etwa "mutwillige Zerstörung", durch klar verständliche und formschöne Fremdworte nahebringt.
Mittwoch, 4. Juli 2007
The bill, please! - äh - Zahlen, bitte.
"'Zahlen' im Kopf haben. Das heißt, man muß die quantitative Seite einer Situation oder eines Problems beachten, muß eine grundlegende quantitative Analyse vornehmen. Jede Qualität drückt sich in einer bestimmten Quantität aus, ohne Quantität gibt es keine Qualität. Viele unserer Genossen verstehen bis jetzt noch immer nicht, die quantitative Seite der Dinge zu beachten, nämlich die grundlegenden Statistiken, die wichtigsten Prozentanteile und die quantitativen Grenzen, welche die Qualität der Dinge bestimmen; für nichts haben sie 'Zahlen' im Kopf und machen infolgedessen unvermeidlich Fehler."Folgen wir dem Großen Vorsitzenden und beleuchten wir die quantitative Seite, in diesem Fall des Denglishen, denn darum geht es ja schließlich.
Damit sind wir allerdings schnell fertig, denn Zahlen gibt es eigentlich kaum welche.
Erstens weiß man gar nicht genau, was ein Fremdwort eigentlich ist. Es gibt zwar einige Kriterien (Schreibweise, Wortbestandteile, Aussprache, seltener Gebrauch), aber die sind unzuverlässig. Zur Häufigkeit von Fremdworten weiß der Duden folgendes zu sagen:
In fortlaufenden Zeitungstexten liege der Fremdwortanteil bei 8–9%. Zählt man nur die Substantive, Adjektive und Verben, liegt er bei 16–17%. Wie viele Fremdwörter es im Deutschen insgesamt gibt, weiß man nicht, was kein Wunder ist, weil man auch nicht weiß, wieviele deutsche Wörter es im Deutschen gibt. "Veranschlagt man das gesamte deutsche Vokabular auf etwa 300.000 bis 500.000 Wörter, so dürfte der absolute Fremdwortanteil bei schätzungsweise 100.000 Wörtern liegen. Der mit rund 2800 Wörtern aufgestellte deutsche Grundwortschatz enthält etwa 6% fremde Wörter." Die Verwendungshäufigkeit von Fremdwörtern ist aber weniger hoch als die der echten deutschen Originalwörter. Bezüglich Anglizismen ist nur soviel bekannt: "Der Anteil beispielsweise von englischen Fremdwörtern an der Gesamtheit aller verwendeten Wörter lag selbst bei Untersuchung fremdwortintensiver, nämlich werbesprachlicher Textsorten lediglich bei 4%."
Puh. Bei dieser traurigen Zahlenlage braucht man sich ja nicht zu wundern, wenn selbsternannte Sprachschützer und -putzer unvermeidlich Fehler machen. Und im übrigen lässt dies nur eine einzige Schlussfolgerung zu, nämlich die: Die deutsche Sprache ist noch immer viel zu deutsch. Da gäbe es noch einiges zu tun, auch für mich, wie ich gleich zugebe, bevor sich jemand beschwert.

"'Weniger Truppen, aber bessere, und eine einfachere Verwaltung'. Reden, Vorträge, Artikel und Resolutionen sollen einfach und klar sein und den Kern der Sache treffen. Man soll auch nicht zu lange Sitzungen abhalten."
Da hat er mal wieder Recht und mir wird das hier jetzt auch zu lang. Also beschließe ich den post mit einer klaren message, die alles sagt was nötig ist, und übergebe im übrigen an die Fachleute und Experten.
Sonntag, 1. Juli 2007
Das muss aufhören!
Wenn es schon um die deutsche Sprache geht, wollte ich mal noch ein weiteres wichtiges Thema ansprechen, das ich aus gegebenem Anlass schon einmal erwähnte.
Für die Überleitung hole ich ein bisschen aus:
"Die Lust am Übersetzen ist den Deutschen treu geblieben: Nach der Statistik der Unesco wird in keine andere Sprache so viel übersetzt wie in die deutsche – mehr als ins Spanische und Französische, mehr als doppelt so viel wie ins Englische."
Das schreiben die im letzten Beitrag genannten Sprachschützer von der Stiftung Deutscher Sprache ebenfalls auf ihrer Homepage, und GENAU DAS ist das Schlimme an den Deutschen: ihre Übersetzungsmanie! Ich schmeiß hier jetzt mal bewusst undifferenziert alles in den selben Topf, was zusammengehört, und sage: das Schlimmste am Deutschen ist diese zwanghafte Neurose, alles übersetzen und synchronisieren zu müssen. Wobei ich am mich hauptsächlich interessierenden Punkt angekommen wäre: Dem SYNCHRONISIEREN VON FILMMATERIAL ALLER ART.
(Fast) kein vernünftiges Land dieser Welt hat es nötig, restlos alles - Filme, Serien, Sitcoms, Werbespots - synchronisiert auszustrahlen. (Die Wikipedia bestätigt mich in dieser Vermutung. Außer in Deutschland scheint es nur in Italien noch ganz schlimm zu sein.) Aber im deutschen Fernsehen und sogar Kino kriegt man alles immer nur auf deutsch! Ein Kulturbanausentum sondergleichen! Und sowas schimpft sich Geistes- und Kulturnation oder so ähnlich!
Zum Beispiel in einem kultur- und geschichtslosen Land wie Australien gibt es im Kino französische Werbespots OHNE Untertitel, im Fernsehen läuft "Komissar Rex" im Originalton (obwohl dort wahrscheinlich weitaus weniger Menschen deutsch verstehen als hierzulande englisch). Sogar im Schweizer Fernsehen und Kino wird weniger synchronisiert - obwohl man es dort andererseits fertigbringt, deutsche Werbung mit diesem komischen Dialekt, den man nicht Dialekt nennen darf, nämlich Schwyzerdütsch, nachzuvertonen! (Das ist wirklich schlimm und das will ich keinesfalls gutheißen, aber das gehört jetzt nicht hierher.)
Abb.: Ein seltenes Exemplar einer nicht übersetzten Essanleitung. Ob das auch verstanden wird?
Hiermit plaidiere ich für ein boycott des deutschen Übersetzungs- und Synchronisierungswahns! Wie auch immer das zu bewerkstelligen wäre! Aber NOTWENDIG wäre es jedenfalls!
Für die Überleitung hole ich ein bisschen aus:
"Die Lust am Übersetzen ist den Deutschen treu geblieben: Nach der Statistik der Unesco wird in keine andere Sprache so viel übersetzt wie in die deutsche – mehr als ins Spanische und Französische, mehr als doppelt so viel wie ins Englische."
Das schreiben die im letzten Beitrag genannten Sprachschützer von der Stiftung Deutscher Sprache ebenfalls auf ihrer Homepage, und GENAU DAS ist das Schlimme an den Deutschen: ihre Übersetzungsmanie! Ich schmeiß hier jetzt mal bewusst undifferenziert alles in den selben Topf, was zusammengehört, und sage: das Schlimmste am Deutschen ist diese zwanghafte Neurose, alles übersetzen und synchronisieren zu müssen. Wobei ich am mich hauptsächlich interessierenden Punkt angekommen wäre: Dem SYNCHRONISIEREN VON FILMMATERIAL ALLER ART.
(Fast) kein vernünftiges Land dieser Welt hat es nötig, restlos alles - Filme, Serien, Sitcoms, Werbespots - synchronisiert auszustrahlen. (Die Wikipedia bestätigt mich in dieser Vermutung. Außer in Deutschland scheint es nur in Italien noch ganz schlimm zu sein.) Aber im deutschen Fernsehen und sogar Kino kriegt man alles immer nur auf deutsch! Ein Kulturbanausentum sondergleichen! Und sowas schimpft sich Geistes- und Kulturnation oder so ähnlich!
Zum Beispiel in einem kultur- und geschichtslosen Land wie Australien gibt es im Kino französische Werbespots OHNE Untertitel, im Fernsehen läuft "Komissar Rex" im Originalton (obwohl dort wahrscheinlich weitaus weniger Menschen deutsch verstehen als hierzulande englisch). Sogar im Schweizer Fernsehen und Kino wird weniger synchronisiert - obwohl man es dort andererseits fertigbringt, deutsche Werbung mit diesem komischen Dialekt, den man nicht Dialekt nennen darf, nämlich Schwyzerdütsch, nachzuvertonen! (Das ist wirklich schlimm und das will ich keinesfalls gutheißen, aber das gehört jetzt nicht hierher.)
Abb.: Ein seltenes Exemplar einer nicht übersetzten Essanleitung. Ob das auch verstanden wird?Hiermit plaidiere ich für ein boycott des deutschen Übersetzungs- und Synchronisierungswahns! Wie auch immer das zu bewerkstelligen wäre! Aber NOTWENDIG wäre es jedenfalls!
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Denglish!
Ich weise hiermit nur mal auf die großartige, tolle, ganz supertolle Idee des "Internationalen Day des Denglish" hin, eine Initiative, die, soweit ich das verstanden habe, maßgeblich von dem Blog Greasepaint Mustache ausgeht - ein sehr schöner Name anyway.
Dieser Tag, er findet am 4. Juli statt - zum allerersten Mal in der Geschichte der Denglishen Sprache! Hups, das ist ja schon in drei Tagen, also schnell noch ein bisschen Denglish lernen. Anti-Denglish-Seiten gibt es übrigens wie Sand am Meer, der kuriose Verein für deutsche Sprache und die Stiftung deutsche Sprache (gehören die zusammen? letzterer "Startseite" bzw. "Netzauftritt" ist jedenfalls weniger hässlich designt) sind bei weitem nicht allein in ihrem Kampf für den "Erhalt" der deutschen Kultur-Geist-Orgelsprache.
Die sind natürlich ein dankbares Opfer mit ihrem Wettbewerb, für englische Wörter deutsche Entsprechungen zu finden. - Soeben, in diesen Minuten, hat die Jury eine Entsprechung für "Happy Hour" ausgewählt - ähhh - "Blaue Stunde". Ich nehme an, das war Absicht, die Assoziation mit blau...? - Hmm, fast lustig, diese Explizitheit.
Weitere schöne Beispiele finden sich hier, eine Fundgrube des unfreiwilligen Humors. Ach, welch dankbares Opfer!
Ein schönes, fast poetisches Beispiel: "Prallkissen". Sehr vielsagend: "Denkrunde" für "brainstorming". Sie wollen zu "flatrate" "Pauschale" sagen, bitte, wenn sie wollen, dass sie niemand versteht... Auch sehr gut: "Meidezone". Jemand 'ne Idee, was damit gemeint sein könnte?
Bild: Gute Gelegenheit, mal mein Lieblings-T-Shirt zu verwenden (backside says: "Horizont Elektrozaun").
Dieser Tag, er findet am 4. Juli statt - zum allerersten Mal in der Geschichte der Denglishen Sprache! Hups, das ist ja schon in drei Tagen, also schnell noch ein bisschen Denglish lernen. Anti-Denglish-Seiten gibt es übrigens wie Sand am Meer, der kuriose Verein für deutsche Sprache und die Stiftung deutsche Sprache (gehören die zusammen? letzterer "Startseite" bzw. "Netzauftritt" ist jedenfalls weniger hässlich designt) sind bei weitem nicht allein in ihrem Kampf für den "Erhalt" der deutschen Kultur-Geist-Orgelsprache.
Die sind natürlich ein dankbares Opfer mit ihrem Wettbewerb, für englische Wörter deutsche Entsprechungen zu finden. - Soeben, in diesen Minuten, hat die Jury eine Entsprechung für "Happy Hour" ausgewählt - ähhh - "Blaue Stunde". Ich nehme an, das war Absicht, die Assoziation mit blau...? - Hmm, fast lustig, diese Explizitheit.Weitere schöne Beispiele finden sich hier, eine Fundgrube des unfreiwilligen Humors. Ach, welch dankbares Opfer!
Ein schönes, fast poetisches Beispiel: "Prallkissen". Sehr vielsagend: "Denkrunde" für "brainstorming". Sie wollen zu "flatrate" "Pauschale" sagen, bitte, wenn sie wollen, dass sie niemand versteht... Auch sehr gut: "Meidezone". Jemand 'ne Idee, was damit gemeint sein könnte?
Bild: Gute Gelegenheit, mal mein Lieblings-T-Shirt zu verwenden (backside says: "Horizont Elektrozaun").
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Freitag, 1. Juni 2007
Mittwoch, 28. März 2007
Bad Writing Contest
Dies ist ein Abschiedspost, denn ich begebe mich auf Reisen und werde vielleicht nicht lebend zurückkehren. Wir sind halt ein abenteuerlustiges Globetrotter-blog. ich persönlich verreise in eine Stadt, die in der Geschichte mehrfach negativ aufgefallen ist. Nicht nur war sie vor dem Zweiten Weltkrieg ein wichtiges intellektuelles Zentrum des europäischen Antisemitismus, sie ist auch, was weniger bekannt ist, daran schuld, dass wir noch nicht im Kommunismus leben. Und das geht so: Als die Türken 1453 Konstantinopel, eine Stadt, die zu gründen an sich schon eine der schlechtesten Ideen in der Geschichte des Römischen Imperiums darstellte, endlich eroberten, lösten sie dadurch im Abendland den Anbruch der Neuzeit aus. Und nun stelle man sich vor, was erst passiert wäre, wenn die von mir bald bereiste Stadt wenigstens ihre zweite Chance genutzt hätte und 1683 unter osmanische Herrschaft sich begeben hätte! Eben, wir würden Weltfrieden und universellem Wohlstand genießen und uns den ganzen Tag nur dem hehren Kunstgenuss und der freien Liebe hingeben. Nämlich.
Hier noch ein Zitat der Woche. Jene Freundin, die ich alsbald besuchen werde, war so liebenswert, mich auf den Bad Writing Contest des Department of Philosophy der University of Miami aufmerksam zu machen, dessen winner hier mit seinem prämierten Satz zitiert werden soll:
"Indeed dialectical critical realism may be seen under the aspect of Foucauldian strategic reversal--of the unholy trinity of Parmenidean/Platonic/Aristotelean provenance; of the Cartesian-Lockean-Humean-Kantian paradigm, of foundationalisms (in practice, fideistic foundationalisms) and irrationalisms (in practice, capricious exercises of the will-to-power or some other ideologically and/or psycho-somatically buried source) new and old alike; of the primordial failing of western philosophy, ontological monovalence, and its close ally, the epistemic fallacy with its ontic dual; of the analytic problematic laid down by Plato, which Hegel served only to replicate in his actualist monovalent analytic reinstatement in transfigurative reconciling dialectical connection, while in his hubristic claims for absolute idealism he inaugurated the Comtean, Kierkegaardian and Nietzschean eclipses of reason, replicating the fundaments of positivism through its transmutation route to the superidealism of a Baudrillard."
aus: Roy Bhaskar: Plato etc: The Problems of Philosophy and Their Resolution (Verso, 1994)
Hier noch ein Zitat der Woche. Jene Freundin, die ich alsbald besuchen werde, war so liebenswert, mich auf den Bad Writing Contest des Department of Philosophy der University of Miami aufmerksam zu machen, dessen winner hier mit seinem prämierten Satz zitiert werden soll:
"Indeed dialectical critical realism may be seen under the aspect of Foucauldian strategic reversal--of the unholy trinity of Parmenidean/Platonic/Aristotelean provenance; of the Cartesian-Lockean-Humean-Kantian paradigm, of foundationalisms (in practice, fideistic foundationalisms) and irrationalisms (in practice, capricious exercises of the will-to-power or some other ideologically and/or psycho-somatically buried source) new and old alike; of the primordial failing of western philosophy, ontological monovalence, and its close ally, the epistemic fallacy with its ontic dual; of the analytic problematic laid down by Plato, which Hegel served only to replicate in his actualist monovalent analytic reinstatement in transfigurative reconciling dialectical connection, while in his hubristic claims for absolute idealism he inaugurated the Comtean, Kierkegaardian and Nietzschean eclipses of reason, replicating the fundaments of positivism through its transmutation route to the superidealism of a Baudrillard."
aus: Roy Bhaskar: Plato etc: The Problems of Philosophy and Their Resolution (Verso, 1994)
Freitag, 23. März 2007
Namen sind Schall und Rauch, aber Rauchen ist hier verboten (bald).
Mit diesem Post möchte ich auf Gegenstände aufmerksam machen, die beinahe unbemerkt in unserem alltäglichen Leben auftauchen. Dinge, die äußerst wichtige Funktionen erfüllen, unsere Welt zusammenhalten, Verbindungsstücke, ohne die alles buchstäblich aus den Fugen geraten würde. Dinge, die aber dennoch keinen Namen haben, kein Wort, das sie bezeichnete. Über die deshalb niemals gesprochen wird, die nicht beachtet werden (über die es allerdings auch nicht nötig ist, zu sprechen).
(Aber vielleicht sind die Dinge ja depressiv deswegen. - Eine mögliche Erklärung für die Melancholie der Moderne: es gibt zu viele Gegenstände, die namenlos dahinvegetieren, die Welt ist zu voll um jeden / jedes noch persönlich anzusprechen - Anonymität, Identitätsverlust, Ichvergessenheit, Sprachlosigkeit.)
Ich möchte deshalb hiermit auf diese vernachlässigten Gegenstände aufmerksam machen und den geneigten Leser oder die aufrechte Leserin dazu auffordern, sich Namen für diese Dinge einfallen zu lassen (aber gute Namen, bitte!). Die Leserin oder der Leser sei ebenfalls aufgefordert, weitere Dinge vorzuschlagen, für die es ebenfalls keine Bezeichnung gibt, sofern ihr oder ihm welche einfallen. Es soll dabei nicht ausschließlich um materielle Gegenstände gehen, auch namenlose Zustände, Prozesse, Abstrakta, Gefühle, Stimmungen sind unbedingt der Würdigung würdig!
Als ersten Gegenstand in dieser Rubrik möchte ich heute folgendes vorschlagen:

Genau. Nämlich diese kleinen, meistens transparenten, Plastikverbindungsstäbchen, mit denen die Preis- und Markenschilder an neuen Kleidungsstücken befestigt sind. Was wäre die Welt ohne diese Dinger! Kein Preis würde am Kleidungsstück halten, man wüsste nicht mehr, was wieviel kostet - der Kapitalismus würde zusammenbrechen!
Die Welt würde nicht funktionieren ohne sie, und dennoch haben diese essentiellen Plastikteile keinen Namen! Unglaublich!
(Oder irre ich mich da? Falls ein Leser oder eine Leserin einen Namen dafür kennt, sei es in einer anderen Sprache, so sei er oder sie "more than welcome" diesen mitzuteilen!)
(Aber vielleicht sind die Dinge ja depressiv deswegen. - Eine mögliche Erklärung für die Melancholie der Moderne: es gibt zu viele Gegenstände, die namenlos dahinvegetieren, die Welt ist zu voll um jeden / jedes noch persönlich anzusprechen - Anonymität, Identitätsverlust, Ichvergessenheit, Sprachlosigkeit.)
Ich möchte deshalb hiermit auf diese vernachlässigten Gegenstände aufmerksam machen und den geneigten Leser oder die aufrechte Leserin dazu auffordern, sich Namen für diese Dinge einfallen zu lassen (aber gute Namen, bitte!). Die Leserin oder der Leser sei ebenfalls aufgefordert, weitere Dinge vorzuschlagen, für die es ebenfalls keine Bezeichnung gibt, sofern ihr oder ihm welche einfallen. Es soll dabei nicht ausschließlich um materielle Gegenstände gehen, auch namenlose Zustände, Prozesse, Abstrakta, Gefühle, Stimmungen sind unbedingt der Würdigung würdig!
Als ersten Gegenstand in dieser Rubrik möchte ich heute folgendes vorschlagen:

Genau. Nämlich diese kleinen, meistens transparenten, Plastikverbindungsstäbchen, mit denen die Preis- und Markenschilder an neuen Kleidungsstücken befestigt sind. Was wäre die Welt ohne diese Dinger! Kein Preis würde am Kleidungsstück halten, man wüsste nicht mehr, was wieviel kostet - der Kapitalismus würde zusammenbrechen!
Die Welt würde nicht funktionieren ohne sie, und dennoch haben diese essentiellen Plastikteile keinen Namen! Unglaublich!
(Oder irre ich mich da? Falls ein Leser oder eine Leserin einen Namen dafür kennt, sei es in einer anderen Sprache, so sei er oder sie "more than welcome" diesen mitzuteilen!)
Dienstag, 23. Januar 2007
Wörter in der Fremde
Ist nicht die Bezeichnung "Fremdwort" eigentlich ziemlich diskriminierend? Wie man sich zurecht im letzten Jahr über Oskar Lafontaines Bezeichnung "Fremdarbeiter" beschwerte, so sollte man auch über diese Ausdrucksweise einmal nachdenken. Denn das sogenannte "Fremdwort" wird dadurch den "Heimatwörtern", "eingeborenen" oder auch "blutsdeutschen Wörtern" entgegengesetzt und damit ausgegrenzt.
Dabei sind uns sogenannte "Fremdwörter" ja oftmals gar nicht fremd, sondern eigentlich sehr vertraut. Unsere besten Freunde sind Fremdwörter. Zum Beispiel der schöne Begriff: "repressive Entsublimierung" - ursprünglich ebenfalls nicht-deutscher Herkunft - hätten Sie's geahnt? Viele andere sogenannte "Fremdwörter" habe ich ebenfalls sehr ins Herz geschlossen: zum Beispiel "Reflexion", "Kurkuma", "Monolog" oder "Rakete". Oder "genuin", oder "eskamotieren". Sehr schöne Wörter. Nicht zu vergessen: "Dialektik", die König unter den Wörtern.
Was wäre die deutsche Sprache ohne diese Worte? Ein armselig dünnes Verständigungsmittel, dem es an Grazie und Funktionalität gleichermaßen mangelte. Anstatt die Fremdwörter künstlich auszugrenzen, ist es geboten, endlich ihre enorme Integrationsfähigkeit zu würdigen. Naht- und klaglos passen sie sich in die fremde Sprachkultur ein und bereichern diese. Zugleich erleichtern sie uns damit ganz beträchtlich das Erlernen anderer Sprachen. Damit dienen sie zugleich dem Interkulturellen Dialog, den die Deutschen doch so schätzen. Um dies alles angemessen zu berücksichtigen schlage ich eine neue Bezeichnung für die "Fremdwörter" vor: "zugereiste Sprachbereicherungswörter".
Auch bei anderen diskriminierenden Wortbildungen mit "Fremd-" möchte ich für eine Neubennenung plaidieren:
Statt "Fremdenverkehrsamt" sagt man heute besser "Touristeninformation", statt "fremdgehen" klingt doch "Abwechslung haben" viel schöner, statt "Fremdkörper" wähle man lieber den Begriff "anderes Material" und aus "Fremdherrschaft" wird einfach "Herrschaft".
Noch eine Frage an die Leser: Welche Wörter sind eure besten Freunde? Schreibt uns eure Erfahrungen mit zugereisten Wörtern! Uns interessiert alles! Was macht ihr so am liebsten mit euren Wörter-Freunden, was habt ihr von ihnen gelernt? Schreibt, was euch bewegt!
Dabei sind uns sogenannte "Fremdwörter" ja oftmals gar nicht fremd, sondern eigentlich sehr vertraut. Unsere besten Freunde sind Fremdwörter. Zum Beispiel der schöne Begriff: "repressive Entsublimierung" - ursprünglich ebenfalls nicht-deutscher Herkunft - hätten Sie's geahnt? Viele andere sogenannte "Fremdwörter" habe ich ebenfalls sehr ins Herz geschlossen: zum Beispiel "Reflexion", "Kurkuma", "Monolog" oder "Rakete". Oder "genuin", oder "eskamotieren". Sehr schöne Wörter. Nicht zu vergessen: "Dialektik", die König unter den Wörtern.
Was wäre die deutsche Sprache ohne diese Worte? Ein armselig dünnes Verständigungsmittel, dem es an Grazie und Funktionalität gleichermaßen mangelte. Anstatt die Fremdwörter künstlich auszugrenzen, ist es geboten, endlich ihre enorme Integrationsfähigkeit zu würdigen. Naht- und klaglos passen sie sich in die fremde Sprachkultur ein und bereichern diese. Zugleich erleichtern sie uns damit ganz beträchtlich das Erlernen anderer Sprachen. Damit dienen sie zugleich dem Interkulturellen Dialog, den die Deutschen doch so schätzen. Um dies alles angemessen zu berücksichtigen schlage ich eine neue Bezeichnung für die "Fremdwörter" vor: "zugereiste Sprachbereicherungswörter".
Auch bei anderen diskriminierenden Wortbildungen mit "Fremd-" möchte ich für eine Neubennenung plaidieren:
Statt "Fremdenverkehrsamt" sagt man heute besser "Touristeninformation", statt "fremdgehen" klingt doch "Abwechslung haben" viel schöner, statt "Fremdkörper" wähle man lieber den Begriff "anderes Material" und aus "Fremdherrschaft" wird einfach "Herrschaft".
Noch eine Frage an die Leser: Welche Wörter sind eure besten Freunde? Schreibt uns eure Erfahrungen mit zugereisten Wörtern! Uns interessiert alles! Was macht ihr so am liebsten mit euren Wörter-Freunden, was habt ihr von ihnen gelernt? Schreibt, was euch bewegt!
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