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Mittwoch, 4. Februar 2009

Projekt Eichhörnchen, Traviata und Thymian

Der Blogger von netzpolitik.org hat ein internes Memo des Berliner Landesdatenschutzbeauftragten veröffentlicht, das ein Gespräch mit Vertretern der Deutschen Bahn AG dokumentiert, in dem es um Praxis der Bahn zur Mitarbeiterüberprüfung zwecks Korruptionsbekämpfung geht. Der Blogger ist deshalb inzwischen von der Deutschen Bahn aufgefordert worden, eine Unterlassungserklärung zu unterzeichnen und das Memo aus dem Netz zu nehmen. Was natürlich erst recht zur weiten Verbreitung des Memos beigetragen hat. Es steht immer noch online bei netzpolitik, inzwischen aber auch bei weiteren Bloggern und bei wikileaks.

Toll, was für klingende Namen sich die Bahn da für ihre Überprüfungsprojekte ausgedacht hat!

Samstag, 19. Januar 2008

Ich gehe nicht gern tanzen (und offensichtlich bin ich der albernen Meinung, das sei von öffentlichem Interesse)

Ich möchte mich an dieser Stelle rechtfertigen. Denn immer wieder (was nicht heißen soll, dass es oft wäre) stoße ich insbesondere bei meinen Freundinnen (was nicht heißen soll, dass ich viele hätte) auf - wenn auch verhaltenes - Unverständnis über meiner Abneigung gegen das Tanzengehen.
"Aber Du weißt doch", so musste ich mir neulich vorhalten lassen, "dass Nietzsche gesagt hat, er könnte nur an einen tanzenden Gott glauben." (Denn natürlich schätze ich ihn, den großen Vordenker des Übermenschentums in seiner individualistischen und philosemitischen Spielart, den Mann, der nur deshalb einen so grotesken Schnauzbart trug, um diese behaarungspolitische Todsünde durch die bewusst überzeichnete Katastrophalität seines Beispiels ein für allemal zu diskreditieren, auf dass wir nie wieder Schnauzbärte sehen müssten - eine äußerst noble Form der Martyriums, zu der nur besonders feine Seelen fähig sind, ungeachtet der Tatsache, dass der kluge Plan - noch - nicht aufging.)
"Das ist schon richtig", sagte ich (natürlich nicht, weil es mir erst später einfallen ist, dass dies die einzig richtige Antwort ist), "das ist schon richtig, aber Nietzsche sagte auch: Wäret ihr Götter, so würdet ihr euch eurer Kleider schämen."
Das will natürlich nicht bedeuten, dass man zwingend nackt zu tanzen habe; obwohl man beim Tanzen durchaus viel häufiger nackt sein sollte, als dies in unserer noch immer total verklemmten Kultur üblich ist. Es will vielmehr besagen, dass es mit dem Tanzen etwas auf sich hat; es liegt etwas Göttliches im Tanzen (wenn ich als eingefleischte Atheistin mal so reden darf), aber wo kann mensch schon göttlich sein, in dieser tristen Welt? Vielleicht allein im Wohnzimmer, aber jedenfalls nicht in der Öffentlichkeit, wo man unvermeidlich von einer Mehrheit dummer und unangenehmer Menschen umgeben ist, mit denen man weder Bett noch Brot teilen möchte.
Bekannter als Nietzsches Worte sind unter Linken jene Emma Goldmans, die - falsch zitiert - sagte: If I can't dance, it's not my revolution. Ich würde eher sagen, dass ich erst da tanzen kann, wo die Revolution schon stattgefunden hat.
Oder, um es zum Ende doch noch auf meine eigenen Worte zu bringen: Ich möchte nicht in der Öffentlichkeit tanzen, aus demselben Grund, aus dem manche Menschen in der Öffentlichkeit keinen Sex haben wollen - es ist mir zu intim, und außerdem sehe ich bestimmt dämlich dabei aus.