Nachfolgend ein wirrer, assoziativer Gedankenstrom, der sich gestern durch mein Gehirn wand, während vor dem Fenster Menschenmassen mit deutschen Fahnen die Straße verstopften (siehe Video-Beweis unten) - und das in Kreuzberg! Gibt es denn keinen sicheren Ort mehr?:
Nicht dass die Fußball-EM es wirklich wert wäre, sich darüber aufzuregen - obwohl, eigentlich schon. Ich meine, WAS IST DAS? Was ist passiert? Was tun diese Leute da unten auf der Straße? die stundenlang, ja die ganze Nacht lang in ihren Autos sitzen, Fahnen schwenken und während sie in endlosen Staus stehen (leider vor meiner Haustür) pausenlos auf die Hupe drücken, gar Raketen abfeuern, winken und wedeln, rufen, gröhlen und vor allem: hupen, hupen, hupen. Und das ganze STUNDENLANG! Was ist passiert? Hab ich was verpasst? Ich meine, mein naives Intellektuellengehirn kriegt das nicht so richtig zusammen, wie man stundenlang enthusiastisch jubeln kann, irgendwann muss einem doch die Puste ausgehen, so ein kurzer Freudentanz, ok, aber stundenlang?? Ist das noch *real*? Oder ist das mehr so eine Art Leistungszwang: "Wir müssen jetzt durchhalten, die Ehre unserer Nation steht auf dem Spiel, sonst lachen die Türken uns aus, wenn wir jetzt nicht mindestens noch drei Stunden weiterhupen."
Demonstrativ einen SIEG zu feiern, während andere (in der Natur der Sache liegend) verloren haben: das ist sowieso barbarisch und natürlich auch völlig kindisch: "Bähbäh, ich hab gewonnen, und duu hast verloren, bähbäh, und das sage ich jetzt den ganzen Tag, damit du dich den ganzen Tag ärgerst. Und du kannst gar nicht sagen, dass es dir egal ist, weil ich dich die ganze Zeit damit nerven werde, so dass es dir nicht egal sein KANN, bähbäh!"
Oder noch schlimmer als kindisch, nämlich latent gewalttätig und Wir-gegen-die-Schema und böse usw. - eh klar. Das ist so offensichtlich und trotzdem machen alle mit, zumindest gucken alle mit.
Sich überhaupt über einen Sieg als Sieg an sich, nicht als Sieg für eine bestimmte Sache, die man wertschätzt, zu freuen, ist eigentlich komplett absurd - oder ist die Sache, um die es da unten geht, tatsächlich die deutsche Nation? Wo kommt nur dieses beschissene neue deutsche Wir-Gefühl her? Ist das nicht sogar schlimmer als vor zwei jahren bei der WM? Steigert sich das jetzt immer weiter, ist bei Olympia diesen Sommer womöglich Ähnliches zu befürchten?? Wann ist das eigentlich? Wo kann ich hinflüchten?
Waahh, ich verstehe ja schon nicht, wie man sich über etwas derart Dämliches wie den Sieg ein nationalen Fußballteams tatsächlich freuen kann, ich meine, so richtig freuen, als hätte man selbst etwas tolles erlebt oder erreicht... - das ist doch irgendwie seltsam: ganz NORMALE Leute, mit denen man zuvor noch über ganz normale Dinge geredet hat, die man beim Bäcker trifft oder in der U-Bahn, die man vielleicht SOGAR KENNT, ticken plötzlich völlig aus, entpuppen sich als komische Freaks, die sich bunte Farben ins Gesicht malen. Ein seltsames Sportereignis, das im Fernsehen kommt und mit bunt angezogenen Männchen zu tun hat, die über einen grünen Platz rennen, löst nie dagewesene Emotionen aus, Jubelschreie, genervte Ausrufe des Unmuts, Anteilnahme, Ärger, Wut, Euphorie - obwohl doch diese Spiel mit diesen Menschen keinerlei Verbindung hat! Ich meine, das sind ja Leute, deren Lebensinhalt besteht sonst auch nicht aus Fußball oder sonstigen Sportereignissen, die interessieren sich überhaupt nicht dafür, normalerweise - doch dann plötzlich packt sie der kollektive Wahnsinn.
Wie auf Kommando gerät die ganze Stadt (wahrscheinlich das ganze Land) in Aufregung und Menschen tanzen auf der Straße (!) als wäre Revolution oder Weltuntergang oder zumindest eine ordentliche Lohnerhöhung für alle. Ist aber nicht. Sondern der Anlass ist: ein Fußballspiel - ein F-U-S-S-B-A-L-L-S-P-I-E-L!
Wenn wenigstens jeder von diesen Verrückten da draußen einen EIGENEN bescheuerten und äußerlichen Anlass hätte, um grundlos freudige Emotionen in die Welt zu schreien: dass dieses Jahr ein Schaltjahr war oder dass der Nachrichtensprecher eine gestreifte Krawatte anhat oder so - aber dazu sind dann alle zu feige, das traut sich dann keiner, wenn nicht alle mitmachen. Es braucht halt den Anstoß von außen, die offizielle Erlaubnis, aus der Reihe zu tanzen und hemmungslos zu sein, weil sonst ist das ja vielleicht peinlich und außerdem käme man gar nicht auf die IDEE. Auf die Idee kommt man ja nur, weil alle das so machen, weil man das so macht, weil das von allen offiziellen Seiten propagiert und gehypet wird - Fussball-EM gucken schließlich alle - vom Manager über den Bundestagabgeordneten, zum Angestellten, Arbeiter, Schüler, Studenten - sogar Frauen! Warum abseits stehen? Warum SPIELVERDERBER und MIESMACHER sein? Warum als einziger traurig und schlechtgelaunt sein, wenn sich alle freuen (die gewonnen haben)? - Ist doch toll! Alle zusammen, freuen sich gemeinsam, weinen gemeinsam Freudentränen, singen Fußballieder - welch pathetisches und erhebendes Gefühl, ach jaaaa.....
WAAAAHHHHH!
Mit wackeliger Hand gefilmter Beweis des Grauens (zum Glück zu dunkel, um all die Menschen und all die Fahnen zu sehen)
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Donnerstag, 26. Juni 2008
Sonntag, 1. Juni 2008
Der Fluch der Nähmaschine
Die Firma Microsoft hat bekanntlich viel in das ehrgeizige Vorhaben investiert, den PC auf der Rangliste der meistbefluchten Haushaltsgeräte ganz weit nach oben zu bringen. Und zugegebenermaßen hat sie auf diesem Gebiet beeindruckende Erfolge erzielt. Da ist einiges geleistet worden, muss die Konkurrenz der Videorecorderproduzenten, Stereoanlagenbauer und Waschmaschinenhersteller neidvoll zugeben. Dabei wird gern vergessen, das Microsoft es nicht geschafft hat, ein simples und traditionsreiches Gerät vom ersten Platz zu verdrängen: die Nähmaschine. Generationen von (meistens) Frauen brachten ihre Zeit fluchend und vor Wut heulend vor Nähmaschinen zu. Sie förderten aus der Maschine gigantische, komplexe Faden- und Stoffverknäuelungen zu Tage, die sie dann von Hand in stundenlangen Prozeduren dicht unter Lampenschirmen klebend auftrennten. Dann wurde der lädierte Stoff erneut unter die Nähmaschine gelegt, und nach einigen stotternden und seltsam klappernden Geräuschen der Stoff komplett in die Maschine eingezogen, so dass diese aufgeschraubt werden musste und der Stoff in neuerlich stundenlanger Fitzelarbeit vorsichtig daraus entfernt werden. Und so weiter. Soweit ich erkennen kann, hat sich an diesem Sachverhalt in den letzten hundert Jahren nicht viel geändert. Die schwierigen Auftrenntechniken wurden von Generation zu Generation weitergegeben, weil sie für den Umgang mit der Nähmaschine essentiell waren und sind. Vor diesem Hintergrund ist es wirklich ein Wunder, dass tatsächlich Kleidungsstücke überhaupt existieren! Man muss sich einmal den Aufwand vorstellen, der in einem jeden von ihnen liegt!
Neuerdings haben Nähmaschinen eingebaute Computer mit Nähprogrammen, damit ist wahrscheinlich erneut ein für die PC-Branche unerreichbarer Vorsprung erzielt worden. Wenn Microsoft jetzt allerdings anfangen würde, Betriebssysteme für Nähmaschinen herzustellen, hätte zusammengefunden, was historisch eigentlich zwangsläufig zusammengehört.
Neuerdings haben Nähmaschinen eingebaute Computer mit Nähprogrammen, damit ist wahrscheinlich erneut ein für die PC-Branche unerreichbarer Vorsprung erzielt worden. Wenn Microsoft jetzt allerdings anfangen würde, Betriebssysteme für Nähmaschinen herzustellen, hätte zusammengefunden, was historisch eigentlich zwangsläufig zusammengehört.
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Mittwoch, 14. Mai 2008
Bitte gehen sie weiter, es gibt hier nichts zu sehen.
Aus Mangel an sonstigen Ideen lasse ich euch mal an den Highlights meiner Schopenhauer-Lektüre teilhaben. Auch wenn das jetzt keine so großartigen Neuigkeiten sind, weil das bestimmt die meisten so ungefähr kennen - dennoch interessant, wo nicht albern oder sogar blöd, es im Originalwortlaut zu lesen:
Zuerst: gegen Hegel (das ist natürlich bei weitem nicht die einzige Stelle, aber dafür eine mit einem schönen Fremdwort):
Das schöne Fremdwort bedeutet laut Duden übrigens dies:
Ni|ai|se|rie ‹lat.-vulgärlat.-fr.› die; -, ...ien: (veraltet) Albernheit, Dummheit, Einfältigkeit
Schopenhauers Begründung, warum das Judentum ein ungeeigneter Gegenstand der Kunst ist:
Schopenhauer plaidiert für den Beinahe-Nudismus (für "sehr schöne" Menschen):
Und zuletzt, warum der Mensch eine opportunistische und verlogene Decksau ist und Bescheidenheit eine blöde Tugend:
(Zitiert nach: Artur Schopenhauers Werke in fünf Bänden. Nach den Ausgaben letzter Hand, hrsg. von Ludger Lütkehaus, Zürich: Haffmanns 1988)
Zuerst: gegen Hegel (das ist natürlich bei weitem nicht die einzige Stelle, aber dafür eine mit einem schönen Fremdwort):
"Jedoch die größte Frechheit im Auftischen baaren Unsinns, im Zusammenschmieren sinnleerer, rasender Wortgeflechte, wie man sie bis dahin nur in Tollhäusern vernommen hatte, trat endlich im Hegel auf und wurde das Werkzeug der plumpesten allgemeinen Mystifikation, die je gewesen, mit einem Erfolg, welcher der Nachwelt fabelhaft erscheinen und ein Denkmal Deutscher Niaiserie bleiben wird." (Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung I, Anhang, S.548.)
Das schöne Fremdwort bedeutet laut Duden übrigens dies:
Ni|ai|se|rie ‹lat.-vulgärlat.-fr.› die; -, ...ien: (veraltet) Albernheit, Dummheit, Einfältigkeit
Schopenhauers Begründung, warum das Judentum ein ungeeigneter Gegenstand der Kunst ist:
"Entschieden nachtheilig wirken historische Vorwürfe nur dann, wann sie den Maler auf ein willkürlich und nicht nach Kunstzwecken, sondern nach anderen gewähltes Feld beschränken, vollends aber wann dieses Feld an malerischen und bedeutenden Gegenständen arm ist, wenn es z.B. die Geschichte eines kleinen, abgesonderten, eigensinnigen, hierarchisch d.h. durch Wahn beherrschten, von den gleichzeitigen großen Völkern des Orients und Occidents verachteten Winkelvolks ist, wie die Juden." (Ibid., §48, S. 309 f.)
Schopenhauer plaidiert für den Beinahe-Nudismus (für "sehr schöne" Menschen):
"Nämlich, wie die schöne Körperform bei der leichtesten, oder bei gar keiner Bekleidung am vortheilhaftesten sichtbar ist, und daher ein sehr schöner Mensch, wenn er zugleich Geschmack hätte und auch demselben folgen dürfte, am liebsten beinahe nackt, nur nach Weise der Antiken bekleidet, gehen würde; - ebenso nun wird jeder schöne gedankenreiche Geist sich immer auf die natürlichste, unumwundenste, einfachste Weise ausdrücken, bestrebt, wenn es irgend möglich ist, seine Gedanken Andern mitzutheilen, um dadurch die Einsamkeit, die er in einer Welt wie diese empfinden muß, sich zu erleichtern [...]" (Ibid., §47, S. 306.)
- Was meint er überhaupt mit "nach Weise der Antiken"? Togen? Und das soll unter "beinahe nackt" fallen? - Da hat der Nudismus doch gewisse Forschritte gemacht seit Schopenhauer.
- Was meint er überhaupt mit "nach Weise der Antiken"? Togen? Und das soll unter "beinahe nackt" fallen? - Da hat der Nudismus doch gewisse Forschritte gemacht seit Schopenhauer.
Und zuletzt, warum der Mensch eine opportunistische und verlogene Decksau ist und Bescheidenheit eine blöde Tugend:
"Zwar lassen auch die Plattesten die anerkannt großen Werke auf Autorität gelten, um nämlich ihre eigene Schwäche nicht zu verrathen: doch bleiben sie im Stillen stets bereit, ihr Verdammungsurtheil darüber auszusprechen, sobald man sie hoffen läßt, daß sie es können, ohne sich bloß zu stellen, wo dann ihr lang verhaltener Haß gegen alles Große und Schöne, das sie nie ansprach und eben dadurch demüthigte, und gegen die Urheber desselben, sich freudig Luft macht. Denn überhaupt um fremden Werth willig und frei anzuerkennen und gelten zu lassen, muß man eigenen haben. Hierauf gründet sich die Nothwendigkeit der Bescheidenheit bei allem Verdienst, wie auch der unverhältnißmäßig laute Ruhm dieser Tugend, welche allein, aus allen ihren Schwestern, von Jedem der es wagt einen irgendwie ausgezeichneten Mann zu preisen, jedenmal seinem Lobe angehängt wird, um zu versöhnen und den Zorn der Werthlosigkeit zu stillen. Was ist denn die Bescheidenheit Anderes, als geheuchelte Demuth, mittelst welcher man, in einer von niederträchtigem Neide strotzenden Welt, für Vorzüge und Verdienste die Verzeihung Derer erbetteln will, die keine haben? Denn wer sich keine anmaaßt, weil er wirklich keine hat, ist nicht bescheiden, sondern nur ehrlich." (Ibid., §49, S. 312 f.)
(Zitiert nach: Artur Schopenhauers Werke in fünf Bänden. Nach den Ausgaben letzter Hand, hrsg. von Ludger Lütkehaus, Zürich: Haffmanns 1988)
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Montag, 12. November 2007
Unkritische Jubelarie auf haltlosen Konsum von überflüssigen Produkten
Die ZIA (Zentrale Intelligenz Agentur), die wir alle verehren und lieben, hat ein neues Spielzeug hervorgebracht. Nachdem wir ihr schon die Riesenmaschine, die Lesemaschine, Bachmannpreisunterwanderungen und -börsenspekulationen, Unwissensbücher sowie allerhand anderen Unsinn verdanken (ich glaube auch, das großartige, superschlaue Supatopcheckerbunny und das dazugehörige ein bisschen weniger schlaue Hilfscheckerbunny sind irgendwie auf deren Mist gewachsen oder zumindest desselben Geistes Kind, wie man so oder so ähnlich sagt...)... ähm... Jedenfalls, die ZIA, die wir alle verehren und lieben, hat also wiedermal die Welt bereichert. Und zwar diesmal mit einem ganz und gar dem heutigen individuell-konsumistischen Selbstverständnis der urbanen Bohème (die haben sie auch erfunden, hieß dann digitale Bohème und war irgendwas mit Arbeit...) entsprechenden Dingens: dem SHOPOSKOP - ein Persönlichkeitstypentest, der die idealen Konsumprodukte für den jeweiligen willigen Popkultursklaven herausfindet und sofort zum Internet-Kauf anbietet.
Super, das. Haben wir alle drauf gewartet. Die Welt krankt ja eigentlich nur daran, dass die tollen bunten Produkte, die der erfindungsreiche Kapitalismus so hervorbringt, nicht individuell genug zugeschnitten sind (genau das meinten ja auch schon Adorno und Horkheimer, als sie in der Dialektik der Aufklärung schrieben: "Für alle ist etwas vorgesehen, damit keiner ausweichen kann, die Unterschiede werden eingeschliffen und propagiert. [...] Der Schematismus des Verfahrens zeigt sich daran, daß schließlich die mechanisch differenzierten Erzeugnisse als allemal das Gleiche sich erweisen." (DdA, S. 131)) und man außerdem in all dem Produktgewirr und Konsumchaos sich gar nicht zurechtfindet. Also DANKE, liebe ZIA, die wir dich alle verehren und lieben, ich denke, wir alle sind uns einig, das dies der finale Schritt zur Weltverbesserung war! Eine Konsumententypisierung, der sich endlich auch alle alternativen urbanen Media-Bohème-Linken uneingeschränkt und ohne Zögern enthusiastisch hingeben werden, und die somit endlich und endgültig die (westliche, poplinke, urbane) Menschheit unter dem Banner der Kulturindustrie vereinigt!
Jetzt kann man also mit nur ein paar kleinen lustigen Reglern und Ankreuzfeldern feststellen, was für jemand man ist - in Bezug auf zu erwerbende Gegenstände; etwa: fasst man lieber an oder betrachtet man lieber? - und schon bekommt man lauter tolle Gegenstände zum Kauf angezeigt, die man sofort haben will, weil sie genau perfekt ideal passen, also genau DAS, was man SCHON IMMER haben wollte, von dem man aber bisher noch nicht wusste, was es ist; das Produkt, das quasi wie die fehlende zweite Hälfte ist, die einen komplett macht; das ideale Spielzeug, das ewiges Glück verheißt und so - Nun ja, so stellt man sich das jedenfalls vor, als leidenschaftlicher Anhänger, aber ganz so ist es leider doch nicht. Denn irgendwie ist es ein gewisser, nicht zu übersehender Mangel, dass die Produkte, die einem nachher angedreht werden, genau dieselben langweiligen Produkte sind, die es überall gibt und die man eh schon kennt und die kein bisschen originell und persönlich sind.
Vielleicht hätte die ZIA die Produkte gleich mitentwickeln sollen, anstatt einfach die bei Shopping.com (der Kooperationspartner, für dessen Webseite die famose Apparatur entwickelt wurde) vorhandenen zu nehmen...
Vielleicht liegt dieser Eindruck, den ich gewonnen habe, aber auch nur daran, dass ich bisher bei meinen Typisierungsversuchen immer irgendein "Kitschkopf" war und dementsprechenden Tand angedient bekam, wie Kaschmirschals und Single-Kaffee-Sets und Granatarmbänder... bestimmt nur, weil ich Sport nicht mag (und also Kunst wählen musste) und nichts "mit Tieren" machen wollte... wahrscheinlich liegt es also nur daran, dass ich mich dem Testungsmechanismus noch nicht genügend angepasst habe um ihn optimal zu benutzen.
Super, das. Haben wir alle drauf gewartet. Die Welt krankt ja eigentlich nur daran, dass die tollen bunten Produkte, die der erfindungsreiche Kapitalismus so hervorbringt, nicht individuell genug zugeschnitten sind (genau das meinten ja auch schon Adorno und Horkheimer, als sie in der Dialektik der Aufklärung schrieben: "Für alle ist etwas vorgesehen, damit keiner ausweichen kann, die Unterschiede werden eingeschliffen und propagiert. [...] Der Schematismus des Verfahrens zeigt sich daran, daß schließlich die mechanisch differenzierten Erzeugnisse als allemal das Gleiche sich erweisen." (DdA, S. 131)) und man außerdem in all dem Produktgewirr und Konsumchaos sich gar nicht zurechtfindet. Also DANKE, liebe ZIA, die wir dich alle verehren und lieben, ich denke, wir alle sind uns einig, das dies der finale Schritt zur Weltverbesserung war! Eine Konsumententypisierung, der sich endlich auch alle alternativen urbanen Media-Bohème-Linken uneingeschränkt und ohne Zögern enthusiastisch hingeben werden, und die somit endlich und endgültig die (westliche, poplinke, urbane) Menschheit unter dem Banner der Kulturindustrie vereinigt!Jetzt kann man also mit nur ein paar kleinen lustigen Reglern und Ankreuzfeldern feststellen, was für jemand man ist - in Bezug auf zu erwerbende Gegenstände; etwa: fasst man lieber an oder betrachtet man lieber? - und schon bekommt man lauter tolle Gegenstände zum Kauf angezeigt, die man sofort haben will, weil sie genau perfekt ideal passen, also genau DAS, was man SCHON IMMER haben wollte, von dem man aber bisher noch nicht wusste, was es ist; das Produkt, das quasi wie die fehlende zweite Hälfte ist, die einen komplett macht; das ideale Spielzeug, das ewiges Glück verheißt und so - Nun ja, so stellt man sich das jedenfalls vor, als leidenschaftlicher Anhänger, aber ganz so ist es leider doch nicht. Denn irgendwie ist es ein gewisser, nicht zu übersehender Mangel, dass die Produkte, die einem nachher angedreht werden, genau dieselben langweiligen Produkte sind, die es überall gibt und die man eh schon kennt und die kein bisschen originell und persönlich sind.
Vielleicht hätte die ZIA die Produkte gleich mitentwickeln sollen, anstatt einfach die bei Shopping.com (der Kooperationspartner, für dessen Webseite die famose Apparatur entwickelt wurde) vorhandenen zu nehmen...Vielleicht liegt dieser Eindruck, den ich gewonnen habe, aber auch nur daran, dass ich bisher bei meinen Typisierungsversuchen immer irgendein "Kitschkopf" war und dementsprechenden Tand angedient bekam, wie Kaschmirschals und Single-Kaffee-Sets und Granatarmbänder... bestimmt nur, weil ich Sport nicht mag (und also Kunst wählen musste) und nichts "mit Tieren" machen wollte... wahrscheinlich liegt es also nur daran, dass ich mich dem Testungsmechanismus noch nicht genügend angepasst habe um ihn optimal zu benutzen.
Freitag, 12. Oktober 2007
Hässlicher Wohnen
Manchmal ist die Hässlichkeit der Stadt schon schockierend. Vor allem die neu gemachte Hässlichkeit, weniger die alte und verfallende Hässlichkeit. Die ist ja meistens gar nicht so hässlich, weil Hässlichkeit mit dem Verfall schön wird. (So meine These jetzt mal.)
Dieses Haus zum Beispiel ist vielleicht nicht besonders schön, das wollte ich nicht behaupten, aber irgendeinen Charme hat es doch noch.

Vor allem, wenn man es mit diesem bald fertiggestellten Exemplar an der Ecke gegenüber vergleicht. Hier wollte man wohl etwas ästhetisch besonders wertvolles produzieren, aber herausgekommen ist (das ist schon vor Fertigstellung überdeutlich zu sehen) Augenkrebs, ein ästhetisches Verbrechen, eine Geschmacklosigkeit sondergleichen, eine Frechheit! Ein Haus in den Lieblingsfarben einer alternden Friedensaktivistin mit Doppelnamen, so sieht das aus. Pädagogisch wertvoll, für eine fröhlichere und "lebendige" Stadt. Genau so.

Eine Geschmacksverirrung, die um sich greift, wie ich feststellen muss, wenn ich mich so umsehe...
Ich bin dagegen! Ich will graue, trostlose, heruntergekommene, verfallende, bröckelnde, öde, langweilige Häuser und keine Belästigung durch bunte Gebäude schon am frühen Morgen, oder zu jeder anderen Tageszeit! BUNT, das ist einfach nicht richtig für ein Haus!
Dieses Haus zum Beispiel ist vielleicht nicht besonders schön, das wollte ich nicht behaupten, aber irgendeinen Charme hat es doch noch.

Vor allem, wenn man es mit diesem bald fertiggestellten Exemplar an der Ecke gegenüber vergleicht. Hier wollte man wohl etwas ästhetisch besonders wertvolles produzieren, aber herausgekommen ist (das ist schon vor Fertigstellung überdeutlich zu sehen) Augenkrebs, ein ästhetisches Verbrechen, eine Geschmacklosigkeit sondergleichen, eine Frechheit! Ein Haus in den Lieblingsfarben einer alternden Friedensaktivistin mit Doppelnamen, so sieht das aus. Pädagogisch wertvoll, für eine fröhlichere und "lebendige" Stadt. Genau so.

Eine Geschmacksverirrung, die um sich greift, wie ich feststellen muss, wenn ich mich so umsehe...
Ich bin dagegen! Ich will graue, trostlose, heruntergekommene, verfallende, bröckelnde, öde, langweilige Häuser und keine Belästigung durch bunte Gebäude schon am frühen Morgen, oder zu jeder anderen Tageszeit! BUNT, das ist einfach nicht richtig für ein Haus!
Sonntag, 26. August 2007
Oh, jetzt hab ich die Überschrift vergessen -na, hat wahrscheinlich eh keiner gemerkt.
.
Ein Menschheitstraum geht in Erfüllung! Nie wieder das Bett verlassen müssen. Nie wieder aufstehen, nie wieder bewegen, einfach liegenbleiben. Für immer.
Sowas ähnliches müssen sich die Leute in der Werbeagentur wohl gedacht haben.
Andererseits: SOWAS denken Leute in Werbeagenturen nicht. Leute in Werbeagenturen denken:
Das moderne Individuum will seine Finanzen immer und überall im Griff haben, ganz besonders im Bett. Da will es seine Rechnungen zahlen, weil das durchkapitalisierte Individuum das braucht um sich als Mensch zu fühlen, besonders im Bett. Schon morgens vor dem Aufstehen will es wissen, was das Bankkonto sagt, und abends, bevor es das Licht ausknipst, über den Kontostand meditieren. Das Bankkonto ist sein Intimstes, mit dem es das Bett teilt.
Wenn das moderne Individuum das nicht kann, dann fühlt es sich einsam.
Oder weiß der Geier, was Leute in Werbeagenturen so denken, wahrscheinlich irgendwas anderes, wie zum Beispiel: "Klingt gut, irgendwie gemütlich, denkt ja eh keiner so genau drüber nach.", oder gar nichts, oder: "Wann ist endlich Mittagspause."
- aber ich fürchte, ICH kann nicht verbergen, dass ich soeben das neue Buch von Sibylle Berg - "Die Fahrt" - gelesen habe, das merkt man nämlich an dem Geschreibsel hier - ich jedenfalls merke das. Ich hoffe, der Leser sieht mir das nach, ich bin eben auch nur ein Mensch, leicht zu beeindrucken und formbar wie ein Stück weiche Knete. Blaue Knete. Wäre ich dann gerne, bitte. Danke.
Ein Menschheitstraum geht in Erfüllung! Nie wieder das Bett verlassen müssen. Nie wieder aufstehen, nie wieder bewegen, einfach liegenbleiben. Für immer.Sowas ähnliches müssen sich die Leute in der Werbeagentur wohl gedacht haben.
Andererseits: SOWAS denken Leute in Werbeagenturen nicht. Leute in Werbeagenturen denken:
Das moderne Individuum will seine Finanzen immer und überall im Griff haben, ganz besonders im Bett. Da will es seine Rechnungen zahlen, weil das durchkapitalisierte Individuum das braucht um sich als Mensch zu fühlen, besonders im Bett. Schon morgens vor dem Aufstehen will es wissen, was das Bankkonto sagt, und abends, bevor es das Licht ausknipst, über den Kontostand meditieren. Das Bankkonto ist sein Intimstes, mit dem es das Bett teilt.
Wenn das moderne Individuum das nicht kann, dann fühlt es sich einsam.
Oder weiß der Geier, was Leute in Werbeagenturen so denken, wahrscheinlich irgendwas anderes, wie zum Beispiel: "Klingt gut, irgendwie gemütlich, denkt ja eh keiner so genau drüber nach.", oder gar nichts, oder: "Wann ist endlich Mittagspause."
- aber ich fürchte, ICH kann nicht verbergen, dass ich soeben das neue Buch von Sibylle Berg - "Die Fahrt" - gelesen habe, das merkt man nämlich an dem Geschreibsel hier - ich jedenfalls merke das. Ich hoffe, der Leser sieht mir das nach, ich bin eben auch nur ein Mensch, leicht zu beeindrucken und formbar wie ein Stück weiche Knete. Blaue Knete. Wäre ich dann gerne, bitte. Danke.
Montag, 23. Juli 2007
Ewiger Abschied
Beate Uhse ist ein seriöses Unternehmen. Abgesehen davon, welche Vorstellungen man dort von einem sexy Décolleté und, ähm, "erotischen" "Gesichtern" hat (das kann man so ja fast nicht schreiben, sind das überhaupt Gesichter??), merkt man das vor allem daran, dass jeder neue Katalog mit tollen Gewinnspielen und "Gratis-Überraschungen" oder "Gratis Super-Sex-Überraschungen" oder auch "einer spannenden erotischen Überrraschung extra" wirbt. Das ganze entpuppt sich dann natürlich als irgendein trashiger Nepp. Die versprochenen "9 Gratis-DVD's" zum Beispiel sind bei näherem Hinsehen nur eine DVD mit Zusammenschnitten aus 9 verschiedenen Filmen. Der aktuelle Katalog kam mit der verlockenden Aufforderung: "Ergreifen Sie jetzt mit ihrem Schlüssel die letzte Chance auf ein Traumhaus im Wert von € 60.000.-*?" Das klingt ja schon ein wenig seltsam - ein TRAUMHAUS für 60.000 €?? Und Sternchen machen ja sowieso sofort misstrauisch! Das "Traumhaus" ist dann auch nur eine Ferienwohnung, aber immerhin "auf einer tropischen Insel" und mit "Whirlpool und Schwimmbad".
Vor circa eineinhalb Jahren nahm meine Fernbeziehung zu Beate Uhse († 16. Juli 2001) eine dramatische Wendung, als ich den aktuellen Katalog mit einer mich in großen Schrecken versetzenden Warnung vorne drauf zugeschickt bekam: "WARNUNG: Wenn Sie nicht reagieren, ist dies ihr letzter Katalog, und wir nehmen ABSCHIED voneinander." Ahhhrrrggg, ABSCHIED, wie schrecklich!! Innen wurde ich informiert, ich hätte schon sehr lange nichts mehr bestellt und wenn ich auch diesmal nichts bestellen würde, wäre es leider nicht möglich, mir weiterhin den wertvollen Katalog zuzuschicken, sie würden das sehr bedauern und mich gerne als Kundin halten und deswegen gäbe es auch extra gratis, wenn ich innerhalb von zwei Tagen antworten würde... oder so ähnlich.Zu meiner großen Erleichterung entpuppte sich das jedoch bald als leere Drohung. Der nächste Katalog kam, und seither hat einfach jeder Katalog dieses gelb-rote Warnschild außen dran.
Ich habe mich ja immer gewundert, wieso Beate Uhse (und das gilt für ORION gleichermaßen) es nötig hat, seine Kunden mit derartigen durchschaubaren Super-Gratis-Gewinn-Tricks zu locken,
die man sonst von irgendwelchen Lotteriegesellschaften kennt, die dem als absolut dämlich vorgestellten Kunden den Gewinn als speziell für ihn reserviert suggerieren sollen.Aber sollte Sex nicht von selbst sellen? Ich verstehe das nicht...
Dienstag, 10. Juli 2007
Die BILD - Luthers Vermächtnis?
Heute habe ich mich mal wieder auf die Straße getraut, was ich aus wohlerwogenen Gründen normalerweise vermeide, und naserümpfend festgestellt: Die beliebte Werbekampagne "Jede Wahrheit braucht einen Mutigen, der sie ausspricht" der noch beliebteren sog. BILD-Zeitung ist wieder da.
Schon vor einigen Monaten warb obengenannte Publikation unter diesem Slogan mit den Portraits von Menschen wie Einstein, Galilei, Gandhi, oder Martin Luther King. (Auch an ein Plakat mit Freud meine ich mich zu erinnern, kann das aber momentan nicht verifizieren.) Ich hielt das für Realsatire at its best und fand es überflüssig, das noch zu kommentieren. Dass die abgebildeten Berühmtheiten der beworbenen Gazette geistig, moralisch und politisch denkbar fernstanden, bedarf keiner gesonderten Erwähnung, sondern macht gerade die Pointe der Kampagne aus. Insofern hält sich das aufklärerische Potential von Satiren der Satire - die Käpt'n Blaubär, Goebbels oder meinetwegen auch Dutschke und Walraff in die Plakate einsetzen - meines Erachtens in engen Grenzen. Der Subtext lautet doch gerade: Die sind tot und können sich nicht mehr wehren; unsere Millionenleserschaft andererseits ist tatsächlich so dumm und ungebildet, dass sie sich nicht verhöhnt fühlt, wie sie ja eigentlich müsste. Der Witz besteht gerade darin, dass die BILD, indem sie sich das Renommee dieser Menschen einfach symbolisch aneignet, beweist: Es kommt gar nicht auf die "Wahrheit" an, und ihr könnt sie solange "sagen", wie ihr wollt - es wird euch nichts nützen, denn nicht Wahrheit, sondern Macht setzt Recht. Von der moralischen und aufklärerischen Leistung der Abgebildeten ist nichts geblieben als ein bisschen symbolisches Kapital, das jedem gehört, der in der Lage ist, es einzusetzen, gleich zu welchem Zweck.
Bald darauf begann die zweite Runde. Statt Realsatire gab es nunmehr absurden Humor mit Tendenz zur Antiwerbung. Vom einen Tag auf den anderen wurden Konterfeis der mutigen Männer ersetzt durch brillante und wahrhaft BILDeske aperçus wie "Ja, mein Busen ist gemacht", "Mutti, du kannst nicht kochen" oder "Schatz, ich habe dich betrogen".
Dann war, jedenfalls in meiner Wahrnehmung, eine ganze Weile lang Ruhe - bis heute. Und was sehen meine verwunderten Augen? Es gibt wieder Prominente, aber diesmal der Exegese bedürftige. So wirbt die BILD neuerdings mit Luther und dem berühmten Photo von Kohl und Mitterand beim Händchenhalten in Verdun. Nun fragt man sich natürlich, welche "Wahrheit" die beiden "Mutigen" dort ausgesprochen haben könnten. Oder will BILD mehr auf die moralische Lehre hinweisen, die aus dieser Episode zu ziehen ist - etwas in der Art von: "Franzosen und Deutsche können doch Freunde sein! Oder jedenfalls Franzosen und Rheinländer"? Oder womöglich: "Weltkrieg ist nicht schön, aber vor allem muss man sich nachher wieder vertragen"?
Nun aber Herr Luther... Welche der zahlreichen von ihm markant formulierten Wahrheiten könnte gemeint sein? Vielleicht: "Darumb auch ungehorsam grosser sund ist dan totschlag, unkeuschheit, stelen, betriegen" (Von den guten Werken, 1520)? Oder eher: "Der esel will schlege haben, und der pofel will mit gewalt regirt seyn, das wuste Gott wohl, darumb gab er der oberkeyt nicht eynen fuchsschwantz sondern eyn schwerd ynn die hand" (Ein Sendbrief von dem harten Büchlein gegen die Bauern, 1525)? Vermutlich doch eher der ähnlich gelagerte Bauernkriegs-Klassiker: "Drumb soll hie zuschmeyssen, wurgen und stechen heymlich odder offentlich, wer da kan, und gedencken, das nicht gifftigers, schedlichers, teufflischers seyn kan, denn eyn auffrurischer mensch, gleich als wenn man eynen tollen hund totschlagen muss." (Wider die räuberischen und mörderischen Rotten der Bauern, 1525)
Ziemlich sicher nicht gemeint sind dagegen Luthers Erkenntnisse aus seinen beliebten Schriften "Von den Juden und ihren Lügen" und "Vom Schem Hamphoras". (Eine interessante Zitatensammlung zum Thema "Luthers Antisemitismus" findet sich hier. Es handelt sich um eine Seite von kirchenfeindlich gesonnenen christlichen Eiferern.)
Schon vor einigen Monaten warb obengenannte Publikation unter diesem Slogan mit den Portraits von Menschen wie Einstein, Galilei, Gandhi, oder Martin Luther King. (Auch an ein Plakat mit Freud meine ich mich zu erinnern, kann das aber momentan nicht verifizieren.) Ich hielt das für Realsatire at its best und fand es überflüssig, das noch zu kommentieren. Dass die abgebildeten Berühmtheiten der beworbenen Gazette geistig, moralisch und politisch denkbar fernstanden, bedarf keiner gesonderten Erwähnung, sondern macht gerade die Pointe der Kampagne aus. Insofern hält sich das aufklärerische Potential von Satiren der Satire - die Käpt'n Blaubär, Goebbels oder meinetwegen auch Dutschke und Walraff in die Plakate einsetzen - meines Erachtens in engen Grenzen. Der Subtext lautet doch gerade: Die sind tot und können sich nicht mehr wehren; unsere Millionenleserschaft andererseits ist tatsächlich so dumm und ungebildet, dass sie sich nicht verhöhnt fühlt, wie sie ja eigentlich müsste. Der Witz besteht gerade darin, dass die BILD, indem sie sich das Renommee dieser Menschen einfach symbolisch aneignet, beweist: Es kommt gar nicht auf die "Wahrheit" an, und ihr könnt sie solange "sagen", wie ihr wollt - es wird euch nichts nützen, denn nicht Wahrheit, sondern Macht setzt Recht. Von der moralischen und aufklärerischen Leistung der Abgebildeten ist nichts geblieben als ein bisschen symbolisches Kapital, das jedem gehört, der in der Lage ist, es einzusetzen, gleich zu welchem Zweck.
Bald darauf begann die zweite Runde. Statt Realsatire gab es nunmehr absurden Humor mit Tendenz zur Antiwerbung. Vom einen Tag auf den anderen wurden Konterfeis der mutigen Männer ersetzt durch brillante und wahrhaft BILDeske aperçus wie "Ja, mein Busen ist gemacht", "Mutti, du kannst nicht kochen" oder "Schatz, ich habe dich betrogen".
Dann war, jedenfalls in meiner Wahrnehmung, eine ganze Weile lang Ruhe - bis heute. Und was sehen meine verwunderten Augen? Es gibt wieder Prominente, aber diesmal der Exegese bedürftige. So wirbt die BILD neuerdings mit Luther und dem berühmten Photo von Kohl und Mitterand beim Händchenhalten in Verdun. Nun fragt man sich natürlich, welche "Wahrheit" die beiden "Mutigen" dort ausgesprochen haben könnten. Oder will BILD mehr auf die moralische Lehre hinweisen, die aus dieser Episode zu ziehen ist - etwas in der Art von: "Franzosen und Deutsche können doch Freunde sein! Oder jedenfalls Franzosen und Rheinländer"? Oder womöglich: "Weltkrieg ist nicht schön, aber vor allem muss man sich nachher wieder vertragen"?
Nun aber Herr Luther... Welche der zahlreichen von ihm markant formulierten Wahrheiten könnte gemeint sein? Vielleicht: "Darumb auch ungehorsam grosser sund ist dan totschlag, unkeuschheit, stelen, betriegen" (Von den guten Werken, 1520)? Oder eher: "Der esel will schlege haben, und der pofel will mit gewalt regirt seyn, das wuste Gott wohl, darumb gab er der oberkeyt nicht eynen fuchsschwantz sondern eyn schwerd ynn die hand" (Ein Sendbrief von dem harten Büchlein gegen die Bauern, 1525)? Vermutlich doch eher der ähnlich gelagerte Bauernkriegs-Klassiker: "Drumb soll hie zuschmeyssen, wurgen und stechen heymlich odder offentlich, wer da kan, und gedencken, das nicht gifftigers, schedlichers, teufflischers seyn kan, denn eyn auffrurischer mensch, gleich als wenn man eynen tollen hund totschlagen muss." (Wider die räuberischen und mörderischen Rotten der Bauern, 1525)
Ziemlich sicher nicht gemeint sind dagegen Luthers Erkenntnisse aus seinen beliebten Schriften "Von den Juden und ihren Lügen" und "Vom Schem Hamphoras". (Eine interessante Zitatensammlung zum Thema "Luthers Antisemitismus" findet sich hier. Es handelt sich um eine Seite von kirchenfeindlich gesonnenen christlichen Eiferern.)
Mittwoch, 4. Juli 2007
Männlichkeit authentisch leben lernen
Eigentlich ist heute ja der 1. Internationale Day des Denglish, ein Anlass, der mit einem thematisch passenden post zu würdigen wäre. Ich muss jetzt aber über etwas ganz anderes schreiben - etwas ausgesprochen Beunruhigendes. Es wird immer offensichtlicher, dass das Raumzeitkontinuum gestört ist und immer mehr Löcher aufweist. Die Gegenwart des beginnenden 21. Jahrhunderts wird in stets zunehmendem Maße infiltriert von hässlichen und übelriechenden Teilen der Vergangenheit.
Schon seit einigen Jahrzehnten bemerken wir dieses bedrohliche Phänomen in der Ökonomie. Unter dem euphemistischen Namen "Neoklassik" feiern gewisse Theorien ein zombieskes revival, über die schon Karl Marx Hohn und Spott ausschüttete, weil sie die Realität gar zu plump zugunsten einer offensichtlich von materiellen und politischen Interessen bestimmten Ideologie verdrehten.
In anderen Bereichen scheint ein immer größer werdendes Zeitloch in die fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts zu führen, eine Periode, die schon in ihrer ersten Auflage eine an die damalige Gegenwart nur geringfügig angepasste Kreuzung aus Biedermeier und Viktorianismus darstellte. Vor kurzem ist ein besonder frappierendes Dokument aus dem Zeitloch geplumpst. Der geneigte Leser und die geneigte Leserin schaue sich doch bitte einmal diese Meldung über die immense Wichtigkeit des "Vaters" an und lese sie aufmerksam und gründlich durch. Die folgenden Zitate stammen von dort.
"Männer sind für Jungs wichtig, damit sie lernen, ihre männliche Rolle in der Gesellschaft authentisch zu leben", erklärt Prof. Hartmut Kasten vom Staatsinstitut für Frühpädagogik in München.
Muss man dazu noch etwas sagen? Kann man dazu überhaupt noch etwas sagen? "Männliche Rolle in der Gesellschaft"??? Nehmen wir einmal zur Kenntnis, dass es sowas überhaupt noch gibt. Wie in drei Teufelsnamen käme aber ein vernünftiger Mensch auf die Idee, dass ein wichtiges Ziel der Kindererziehung darin bestehen könnte, Jungen in die Lage zu versetzen, diese "männliche Rolle" "authentisch zu leben"? Und wieso fühlt sich ein "Staatsinstitut für Frühpädagogik" berufen, so etwas zu propagieren, obwohl derartige sexistische Ideologien mit der im Grundgesetz festgeschriebenen Staatsdoktrin der Gleichberechtigung der Geschlechter offensichtlich unvereinbar sind? Wegen derartiger Äußerungen können heutzutage Anträge auf Einbürgerung abgelehnt werden!
Der nächste Absatz beginnt mit den Worten: "Schon Studien aus den dreißiger Jahren hätten gezeigt..." Hier stellte ich mir erstmals ernsthaft die Frage, ob ich vielleicht einer Persiflage auf den Leim gegangen sein könnte. Würde als nächstes auf Studien aus den frühen vierziger Jahren verwiesen werden, die eindeutig beweisen, dass die jüdische Rasse ein charakteristisches Nebeneinander von effeminierten Männern einerseits und Mannsweibern andererseits hervorzubringen prädisponiert ist, weswegen ihre Angehörigen als Erzieherinnen und Erzieher in Kindergärten und Schulen gänzlich ungeeignet seien?
Vaterlose Söhne zeigten mehr Gewalt. Erlebten die Jungs hingegen, dass der Vater auf die von ihnen gezeigten Aggressionen nicht in gleicher Weise, sondern liebevoll reagiert, sind sie gerührt, so Heinsohn. Sie sehen die beschützende Stärke. "Damit ist ein Hauptstück der männlichen Sozialisation geschafft."
Es war eben von Anfang an ein Fehler, uneheliche Kinder mit ehelichen rechtlich gleichzustellen! Jetzt haben wir den Salat: Die Gesellschaft versinkt in Jugendkriminalität, und schuld sind natürlich die 68er und ihre antimoralische Liberalisierung des Scheidungsrechts unter der sozialliberalen Koalition! Die damaligen Warner und Mahner haben Recht behalten mit ihrer Einschätzung, dass diese Kulturrevolution gegen die Grundfesten der Zivilisation gerichtet war! - Friedliche und wohlintegrierte junge Männer erzeugt man nur mit Hilfe eines Vaters, der seinen Sohn liebevoll tätscheln kann, nachdem dieser ein anderes Kind verprügelt hat. Denn dann erwerben die gerührten Jungen ein Verständnis von "beschützender Stärke", im Gegensatz zur beschützenden Schwäche, die sie bei der Mutter erfahren. Das versetzt sie späterhin auch in die Lage einzusehen, warum der Innenminister unbedingt Recht hat, wenn er die Befugnisse des Staates und seiner Sicherheitsorgane auf Kosten demokratischer Grundrechte ausweiten will. Denn nichts geht über ein mehr an beschützender Stärke! Damit wäre dann ein Hauptstück der Sozialisation, die es ja als solche eigentlich gar nicht geben sollte, sondern nur als "männliche" oder "weibliche" Sozialisation, geschafft.
Studien hätten gezeigt, dass Mütter stärker pflegerische, Väter hingegen spielerische Aktivitäten im Umgang mit ihren Kindern entfalten und beide sich in der Art des Spielens unterscheiden, erläutert Prof. Holger Brandes von der Evangelischen Hochschule für Sozialarbeit in Dresden. Mütter spielten sanfter, Väter rauer, und zwar sowohl mit Mädchen als auch mit Jungen. Außerdem sei deutlich geworden, dass Väter häufig herausfordernder sind als Mütter.
Dass dies so ist, beweist natürlich zweifelsfrei, dass es a) auch gut so ist, b) gar nicht anders sein kann, c) auf jeden Fall so bleiben sollte, sowie dass d) auch unbedingt etwas dafür getan werden muss, dass dies so bleibt, weil sonst unvermeidlich das Abendland untergeht. Man sollte z. B. Alleinerziehende in Zwangs-WGs mit Angehörigen des anderen Geschlechts stecken und homosexuelle Paare bloß keine Kinder in die Finger kriegen lassen. Frauen, die Hosen tragen, sollte man darüber aufklären, dass dies nicht nur ihre Gebärfähigkeit beeinträchtigt, sondern auch eine mangelnde Verbundenheit mit ihrer weiblichen Rolle in der Gesellschaft anzeigt. Als überzogen ist jedoch die Forderung anzusehen, behoste Frauen aus dem öffentlichen Dienst auszuschließen, da sie ein gegen den Bestand der Gesellschaft an und für sich gerichtetes Symbol gebrauchen.
Es erscheint mir nur recht und billig, das zuerst angeführte Zitat von Prof. Hartmut Kasten zum Zitat der Woche zu erklären. Herzlichen Glückwunsch, Herr Kasten! Bitte erklären Sie mir meine männliche Rolle in der Gesellschaft! Keinerlei Sinn hat, wie ich dank Ihnen erkenne, die kantische Frage: "Was soll ich tun?", wenn nicht zuvor das Geschlecht des oder der Fragenden geklärt ist!
Schon seit einigen Jahrzehnten bemerken wir dieses bedrohliche Phänomen in der Ökonomie. Unter dem euphemistischen Namen "Neoklassik" feiern gewisse Theorien ein zombieskes revival, über die schon Karl Marx Hohn und Spott ausschüttete, weil sie die Realität gar zu plump zugunsten einer offensichtlich von materiellen und politischen Interessen bestimmten Ideologie verdrehten.
In anderen Bereichen scheint ein immer größer werdendes Zeitloch in die fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts zu führen, eine Periode, die schon in ihrer ersten Auflage eine an die damalige Gegenwart nur geringfügig angepasste Kreuzung aus Biedermeier und Viktorianismus darstellte. Vor kurzem ist ein besonder frappierendes Dokument aus dem Zeitloch geplumpst. Der geneigte Leser und die geneigte Leserin schaue sich doch bitte einmal diese Meldung über die immense Wichtigkeit des "Vaters" an und lese sie aufmerksam und gründlich durch. Die folgenden Zitate stammen von dort.
"Männer sind für Jungs wichtig, damit sie lernen, ihre männliche Rolle in der Gesellschaft authentisch zu leben", erklärt Prof. Hartmut Kasten vom Staatsinstitut für Frühpädagogik in München.
Muss man dazu noch etwas sagen? Kann man dazu überhaupt noch etwas sagen? "Männliche Rolle in der Gesellschaft"??? Nehmen wir einmal zur Kenntnis, dass es sowas überhaupt noch gibt. Wie in drei Teufelsnamen käme aber ein vernünftiger Mensch auf die Idee, dass ein wichtiges Ziel der Kindererziehung darin bestehen könnte, Jungen in die Lage zu versetzen, diese "männliche Rolle" "authentisch zu leben"? Und wieso fühlt sich ein "Staatsinstitut für Frühpädagogik" berufen, so etwas zu propagieren, obwohl derartige sexistische Ideologien mit der im Grundgesetz festgeschriebenen Staatsdoktrin der Gleichberechtigung der Geschlechter offensichtlich unvereinbar sind? Wegen derartiger Äußerungen können heutzutage Anträge auf Einbürgerung abgelehnt werden!
Der nächste Absatz beginnt mit den Worten: "Schon Studien aus den dreißiger Jahren hätten gezeigt..." Hier stellte ich mir erstmals ernsthaft die Frage, ob ich vielleicht einer Persiflage auf den Leim gegangen sein könnte. Würde als nächstes auf Studien aus den frühen vierziger Jahren verwiesen werden, die eindeutig beweisen, dass die jüdische Rasse ein charakteristisches Nebeneinander von effeminierten Männern einerseits und Mannsweibern andererseits hervorzubringen prädisponiert ist, weswegen ihre Angehörigen als Erzieherinnen und Erzieher in Kindergärten und Schulen gänzlich ungeeignet seien?
Vaterlose Söhne zeigten mehr Gewalt. Erlebten die Jungs hingegen, dass der Vater auf die von ihnen gezeigten Aggressionen nicht in gleicher Weise, sondern liebevoll reagiert, sind sie gerührt, so Heinsohn. Sie sehen die beschützende Stärke. "Damit ist ein Hauptstück der männlichen Sozialisation geschafft."
Es war eben von Anfang an ein Fehler, uneheliche Kinder mit ehelichen rechtlich gleichzustellen! Jetzt haben wir den Salat: Die Gesellschaft versinkt in Jugendkriminalität, und schuld sind natürlich die 68er und ihre antimoralische Liberalisierung des Scheidungsrechts unter der sozialliberalen Koalition! Die damaligen Warner und Mahner haben Recht behalten mit ihrer Einschätzung, dass diese Kulturrevolution gegen die Grundfesten der Zivilisation gerichtet war! - Friedliche und wohlintegrierte junge Männer erzeugt man nur mit Hilfe eines Vaters, der seinen Sohn liebevoll tätscheln kann, nachdem dieser ein anderes Kind verprügelt hat. Denn dann erwerben die gerührten Jungen ein Verständnis von "beschützender Stärke", im Gegensatz zur beschützenden Schwäche, die sie bei der Mutter erfahren. Das versetzt sie späterhin auch in die Lage einzusehen, warum der Innenminister unbedingt Recht hat, wenn er die Befugnisse des Staates und seiner Sicherheitsorgane auf Kosten demokratischer Grundrechte ausweiten will. Denn nichts geht über ein mehr an beschützender Stärke! Damit wäre dann ein Hauptstück der Sozialisation, die es ja als solche eigentlich gar nicht geben sollte, sondern nur als "männliche" oder "weibliche" Sozialisation, geschafft.
Studien hätten gezeigt, dass Mütter stärker pflegerische, Väter hingegen spielerische Aktivitäten im Umgang mit ihren Kindern entfalten und beide sich in der Art des Spielens unterscheiden, erläutert Prof. Holger Brandes von der Evangelischen Hochschule für Sozialarbeit in Dresden. Mütter spielten sanfter, Väter rauer, und zwar sowohl mit Mädchen als auch mit Jungen. Außerdem sei deutlich geworden, dass Väter häufig herausfordernder sind als Mütter.
Dass dies so ist, beweist natürlich zweifelsfrei, dass es a) auch gut so ist, b) gar nicht anders sein kann, c) auf jeden Fall so bleiben sollte, sowie dass d) auch unbedingt etwas dafür getan werden muss, dass dies so bleibt, weil sonst unvermeidlich das Abendland untergeht. Man sollte z. B. Alleinerziehende in Zwangs-WGs mit Angehörigen des anderen Geschlechts stecken und homosexuelle Paare bloß keine Kinder in die Finger kriegen lassen. Frauen, die Hosen tragen, sollte man darüber aufklären, dass dies nicht nur ihre Gebärfähigkeit beeinträchtigt, sondern auch eine mangelnde Verbundenheit mit ihrer weiblichen Rolle in der Gesellschaft anzeigt. Als überzogen ist jedoch die Forderung anzusehen, behoste Frauen aus dem öffentlichen Dienst auszuschließen, da sie ein gegen den Bestand der Gesellschaft an und für sich gerichtetes Symbol gebrauchen.
Es erscheint mir nur recht und billig, das zuerst angeführte Zitat von Prof. Hartmut Kasten zum Zitat der Woche zu erklären. Herzlichen Glückwunsch, Herr Kasten! Bitte erklären Sie mir meine männliche Rolle in der Gesellschaft! Keinerlei Sinn hat, wie ich dank Ihnen erkenne, die kantische Frage: "Was soll ich tun?", wenn nicht zuvor das Geschlecht des oder der Fragenden geklärt ist!
Sonntag, 1. Juli 2007
Das muss aufhören!
Wenn es schon um die deutsche Sprache geht, wollte ich mal noch ein weiteres wichtiges Thema ansprechen, das ich aus gegebenem Anlass schon einmal erwähnte.
Für die Überleitung hole ich ein bisschen aus:
"Die Lust am Übersetzen ist den Deutschen treu geblieben: Nach der Statistik der Unesco wird in keine andere Sprache so viel übersetzt wie in die deutsche – mehr als ins Spanische und Französische, mehr als doppelt so viel wie ins Englische."
Das schreiben die im letzten Beitrag genannten Sprachschützer von der Stiftung Deutscher Sprache ebenfalls auf ihrer Homepage, und GENAU DAS ist das Schlimme an den Deutschen: ihre Übersetzungsmanie! Ich schmeiß hier jetzt mal bewusst undifferenziert alles in den selben Topf, was zusammengehört, und sage: das Schlimmste am Deutschen ist diese zwanghafte Neurose, alles übersetzen und synchronisieren zu müssen. Wobei ich am mich hauptsächlich interessierenden Punkt angekommen wäre: Dem SYNCHRONISIEREN VON FILMMATERIAL ALLER ART.
(Fast) kein vernünftiges Land dieser Welt hat es nötig, restlos alles - Filme, Serien, Sitcoms, Werbespots - synchronisiert auszustrahlen. (Die Wikipedia bestätigt mich in dieser Vermutung. Außer in Deutschland scheint es nur in Italien noch ganz schlimm zu sein.) Aber im deutschen Fernsehen und sogar Kino kriegt man alles immer nur auf deutsch! Ein Kulturbanausentum sondergleichen! Und sowas schimpft sich Geistes- und Kulturnation oder so ähnlich!
Zum Beispiel in einem kultur- und geschichtslosen Land wie Australien gibt es im Kino französische Werbespots OHNE Untertitel, im Fernsehen läuft "Komissar Rex" im Originalton (obwohl dort wahrscheinlich weitaus weniger Menschen deutsch verstehen als hierzulande englisch). Sogar im Schweizer Fernsehen und Kino wird weniger synchronisiert - obwohl man es dort andererseits fertigbringt, deutsche Werbung mit diesem komischen Dialekt, den man nicht Dialekt nennen darf, nämlich Schwyzerdütsch, nachzuvertonen! (Das ist wirklich schlimm und das will ich keinesfalls gutheißen, aber das gehört jetzt nicht hierher.)
Abb.: Ein seltenes Exemplar einer nicht übersetzten Essanleitung. Ob das auch verstanden wird?
Hiermit plaidiere ich für ein boycott des deutschen Übersetzungs- und Synchronisierungswahns! Wie auch immer das zu bewerkstelligen wäre! Aber NOTWENDIG wäre es jedenfalls!
Für die Überleitung hole ich ein bisschen aus:
"Die Lust am Übersetzen ist den Deutschen treu geblieben: Nach der Statistik der Unesco wird in keine andere Sprache so viel übersetzt wie in die deutsche – mehr als ins Spanische und Französische, mehr als doppelt so viel wie ins Englische."
Das schreiben die im letzten Beitrag genannten Sprachschützer von der Stiftung Deutscher Sprache ebenfalls auf ihrer Homepage, und GENAU DAS ist das Schlimme an den Deutschen: ihre Übersetzungsmanie! Ich schmeiß hier jetzt mal bewusst undifferenziert alles in den selben Topf, was zusammengehört, und sage: das Schlimmste am Deutschen ist diese zwanghafte Neurose, alles übersetzen und synchronisieren zu müssen. Wobei ich am mich hauptsächlich interessierenden Punkt angekommen wäre: Dem SYNCHRONISIEREN VON FILMMATERIAL ALLER ART.
(Fast) kein vernünftiges Land dieser Welt hat es nötig, restlos alles - Filme, Serien, Sitcoms, Werbespots - synchronisiert auszustrahlen. (Die Wikipedia bestätigt mich in dieser Vermutung. Außer in Deutschland scheint es nur in Italien noch ganz schlimm zu sein.) Aber im deutschen Fernsehen und sogar Kino kriegt man alles immer nur auf deutsch! Ein Kulturbanausentum sondergleichen! Und sowas schimpft sich Geistes- und Kulturnation oder so ähnlich!
Zum Beispiel in einem kultur- und geschichtslosen Land wie Australien gibt es im Kino französische Werbespots OHNE Untertitel, im Fernsehen läuft "Komissar Rex" im Originalton (obwohl dort wahrscheinlich weitaus weniger Menschen deutsch verstehen als hierzulande englisch). Sogar im Schweizer Fernsehen und Kino wird weniger synchronisiert - obwohl man es dort andererseits fertigbringt, deutsche Werbung mit diesem komischen Dialekt, den man nicht Dialekt nennen darf, nämlich Schwyzerdütsch, nachzuvertonen! (Das ist wirklich schlimm und das will ich keinesfalls gutheißen, aber das gehört jetzt nicht hierher.)
Abb.: Ein seltenes Exemplar einer nicht übersetzten Essanleitung. Ob das auch verstanden wird?Hiermit plaidiere ich für ein boycott des deutschen Übersetzungs- und Synchronisierungswahns! Wie auch immer das zu bewerkstelligen wäre! Aber NOTWENDIG wäre es jedenfalls!
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Denglish!
Ich weise hiermit nur mal auf die großartige, tolle, ganz supertolle Idee des "Internationalen Day des Denglish" hin, eine Initiative, die, soweit ich das verstanden habe, maßgeblich von dem Blog Greasepaint Mustache ausgeht - ein sehr schöner Name anyway.
Dieser Tag, er findet am 4. Juli statt - zum allerersten Mal in der Geschichte der Denglishen Sprache! Hups, das ist ja schon in drei Tagen, also schnell noch ein bisschen Denglish lernen. Anti-Denglish-Seiten gibt es übrigens wie Sand am Meer, der kuriose Verein für deutsche Sprache und die Stiftung deutsche Sprache (gehören die zusammen? letzterer "Startseite" bzw. "Netzauftritt" ist jedenfalls weniger hässlich designt) sind bei weitem nicht allein in ihrem Kampf für den "Erhalt" der deutschen Kultur-Geist-Orgelsprache.
Die sind natürlich ein dankbares Opfer mit ihrem Wettbewerb, für englische Wörter deutsche Entsprechungen zu finden. - Soeben, in diesen Minuten, hat die Jury eine Entsprechung für "Happy Hour" ausgewählt - ähhh - "Blaue Stunde". Ich nehme an, das war Absicht, die Assoziation mit blau...? - Hmm, fast lustig, diese Explizitheit.
Weitere schöne Beispiele finden sich hier, eine Fundgrube des unfreiwilligen Humors. Ach, welch dankbares Opfer!
Ein schönes, fast poetisches Beispiel: "Prallkissen". Sehr vielsagend: "Denkrunde" für "brainstorming". Sie wollen zu "flatrate" "Pauschale" sagen, bitte, wenn sie wollen, dass sie niemand versteht... Auch sehr gut: "Meidezone". Jemand 'ne Idee, was damit gemeint sein könnte?
Bild: Gute Gelegenheit, mal mein Lieblings-T-Shirt zu verwenden (backside says: "Horizont Elektrozaun").
Dieser Tag, er findet am 4. Juli statt - zum allerersten Mal in der Geschichte der Denglishen Sprache! Hups, das ist ja schon in drei Tagen, also schnell noch ein bisschen Denglish lernen. Anti-Denglish-Seiten gibt es übrigens wie Sand am Meer, der kuriose Verein für deutsche Sprache und die Stiftung deutsche Sprache (gehören die zusammen? letzterer "Startseite" bzw. "Netzauftritt" ist jedenfalls weniger hässlich designt) sind bei weitem nicht allein in ihrem Kampf für den "Erhalt" der deutschen Kultur-Geist-Orgelsprache.
Die sind natürlich ein dankbares Opfer mit ihrem Wettbewerb, für englische Wörter deutsche Entsprechungen zu finden. - Soeben, in diesen Minuten, hat die Jury eine Entsprechung für "Happy Hour" ausgewählt - ähhh - "Blaue Stunde". Ich nehme an, das war Absicht, die Assoziation mit blau...? - Hmm, fast lustig, diese Explizitheit.Weitere schöne Beispiele finden sich hier, eine Fundgrube des unfreiwilligen Humors. Ach, welch dankbares Opfer!
Ein schönes, fast poetisches Beispiel: "Prallkissen". Sehr vielsagend: "Denkrunde" für "brainstorming". Sie wollen zu "flatrate" "Pauschale" sagen, bitte, wenn sie wollen, dass sie niemand versteht... Auch sehr gut: "Meidezone". Jemand 'ne Idee, was damit gemeint sein könnte?
Bild: Gute Gelegenheit, mal mein Lieblings-T-Shirt zu verwenden (backside says: "Horizont Elektrozaun").
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Donnerstag, 26. April 2007
Demokratie jetzt!
Alle verfassungstreuen Bürgerinnen und Bürger sind herzlich dazu aufgerufen, an folgendem "Voting" teilzunehmen, das netterweise von meinem e-mail-Anbieter veranstaltet wird. Stand up for your rights! Gegen die skandalöse Bohlenkratie!
Voting
Voting
Wie finden Sie Max' Rauswurf?
PS: Der 1. Mai muss wieder revolutionär werden! Um in diesem stinkenden Land endlich etwas zu verändern, rufen wir hiermit die Aktion "Ein Stein für Max" ins Leben.
Samstag, 24. März 2007
Koteletten. Betrachtungen über eine Form der Selbsterniedrigung der menschlichen Spezies (bzw. ihres männlichen Teils)
Koteletten - hässlicher Auswuchs eines reaktionären Männlichkeitswahns oder abstoßendes Teufelswerk, das mit gesetzlichen Maßnahmen unterdrückt werden muss? Es ist schwierig, in dieser Frage eindeutig Stellung zu beziehen. Fest steht, dass Koteletten wesentlich dazu dienen, die Öffentlichkeit noch ekliger aussehen zu lassen als ohnehin schon. Der einzige legitime Grund, mit einem Kotelettenträger Sex zu haben, besteht darin, ihm heimlich im Schlaf seine scheiß Koteletten abzurasieren. Alles andere wäre zutiefst unmoralisch und gender-politisch fatal. Aber das ist natürlich nur meine persönliche Meinung, und eine objektive Tatsache. Wer es trotzdem anders sehen will, kann gerne Unrecht haben. Ganz bewusst verzichte ich auf eine Abbildung von Koteletten, denn dies ist ein seriöser blog, der nicht bloß über Missstände berichtet, damit die Leute sich an widerlichen Bildern von explodierende Passanten, geköpften Geißeln, Promis ohne Unterhosen oder eben Koteletten aufgeilen können.
Freilich gibt es Schlimmeres als Koteletten, etwa Backenbärte. Oder auch Schnauzbärte. Oder überhaupt Günter Grass, dessen Schnauzbärtigkeit ein tief verankerter CHARAKTERZUG ist, den keine Rasur der Welt beseitigen könnte. Abgesehen von der sogenannten Kopf-ab-Rasur, aber das ist wieder ein anderes Thema.
Rätselhaft bleibt, warum nicht einfach alle Leute T-Shirts tragen, auf denen steht: "Ich bin ein doofer Arsch und will auch so aussehen" - dann wäre das ein für allemal geritzt, man könnte sich dran gewöhnen und müsste nicht jede Saison an neuem Unfug verzweifeln.
Freilich gibt es Schlimmeres als Koteletten, etwa Backenbärte. Oder auch Schnauzbärte. Oder überhaupt Günter Grass, dessen Schnauzbärtigkeit ein tief verankerter CHARAKTERZUG ist, den keine Rasur der Welt beseitigen könnte. Abgesehen von der sogenannten Kopf-ab-Rasur, aber das ist wieder ein anderes Thema.
Rätselhaft bleibt, warum nicht einfach alle Leute T-Shirts tragen, auf denen steht: "Ich bin ein doofer Arsch und will auch so aussehen" - dann wäre das ein für allemal geritzt, man könnte sich dran gewöhnen und müsste nicht jede Saison an neuem Unfug verzweifeln.
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