Manchmal muss man sich schon sehr wundern, mit was für Leuten man ahnungslos in der U-Bahn sitzt. Man hielte es ja nicht für möglich, welch Abgründe sich in den Menschen verbergen, mit denen man tagtäglich die Verkehrsmittel teilt.
Der unscheinbare Mann neben mit hält einen e-mail-Ausdruck in den Händen und sucht etwas auf seinem Stadtplan. Auf dem Ausdruck ist zu lesen (ich weiß, das ist eigentlich unhöflich, fremder Leute Privatkorrespondenz mitzulesen, aber dann sollen sie mit der eben nicht neben mir in der U-Bahn rumwedeln):
"Hallo ihr Lieben,
wir haben gestern beschlossen, die Kundgebung des Dalai Lama mit unserer positiven Lach-Energie zu unterstützen ..."
Der etwas zerknautscht und ziemlich dröge aussehende Mann neben mir, er mag Ende 30 sein - ein fanatischer Lacher? Einer, der sich irgendwo hinstellt und dann einfach so lauthals zu lachen beginnt, womöglich minuten- oder gar stundenlang, wer weiß, um seine Umgebung mit "positiver Lach-Energie" zu überschütten?? Einer der in seiner Freizeit Lach-Workshops besucht? Oder jeden Morgen vor dem Spiegel Lach-Übungen macht, zur Entspannung der Gesichtsmuskulatur und für einen "positiven Start in den Tag"? Er sieht gar nicht fröhlich aus, eher ein bisschen apathisch und - man muss es sagen - dämlich. Aber womöglich muss man gar nicht fröhlich sein, um ein professioneller Lacher zu sein, vielleicht hat diese Lachenergie mit Fröhlichkeit überhaupt nichts zu tun? Gespenstisch. Da hatte man geglaubt, solche Leute müsste man an ihren hennagefärbten Haaren oder ihrer legeren Leinenkleidung erkennen, aber dieser Mann da, den man für einen Klempner oder Berufsbekleidungsfachgeschäftsverkäufer hätte halten können... - hoffentlich fängt er nicht jetzt hier in der U-Bahn an zu lachen, ich steig lieber mal schnell aus...
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Dienstag, 20. Mai 2008
Donnerstag, 22. November 2007
Dialog der Kulturen (diese Überschrift ist geklaut)
Ein Gespräch:
Junger Mann: "Ich war gestern bei Onkel Toms Hütte*" [*ein U-Bahnhof im äußersten Südwesten Berlins]
Junge Frau: "Was hast du denn da gemacht?"
Junger Mann: "Ich wollte mal sehen, wie's da ist."
Junge Frau (irritiert): "Du fährst wo hin, nur um zu sehen, wie es da ist??"
Junger Mann: "Ja. Wozu fährst du denn in Urlaub?"
Junge Frau (in übertriebenem und belustigtem Tonfall, als sei das von ihr Gesagte das Selbstverständlichste von der Welt und als verstünde sie nicht, wie man überhaupt diese Frage stellen könnte): "Äh, um zu entspannen!!?"
Junger Mann: "Ja, klar, aber ich meine, wozu fährst du in andere Länder?"
Junge Frau (im gleichen Tonfall): "Um zu entspannen!!? - Jedenfalls fahr ich bestimmt nicht wohin, nur um zu wissen, wie es dort ist. Wie soll es da schon sein - Sonne, Strand, Meer." Pause "Und wie ist es da so, bei Onkel Toms Hütte?"
Junger Mann (erzählt begeistert wie es da so ist): "Also die haben da echt so... [usw.]"
Junger Mann: "Ich war gestern bei Onkel Toms Hütte*" [*ein U-Bahnhof im äußersten Südwesten Berlins]
Junge Frau: "Was hast du denn da gemacht?"
Junger Mann: "Ich wollte mal sehen, wie's da ist."
Junge Frau (irritiert): "Du fährst wo hin, nur um zu sehen, wie es da ist??"
Junger Mann: "Ja. Wozu fährst du denn in Urlaub?"
Junge Frau (in übertriebenem und belustigtem Tonfall, als sei das von ihr Gesagte das Selbstverständlichste von der Welt und als verstünde sie nicht, wie man überhaupt diese Frage stellen könnte): "Äh, um zu entspannen!!?"
Junger Mann: "Ja, klar, aber ich meine, wozu fährst du in andere Länder?"
Junge Frau (im gleichen Tonfall): "Um zu entspannen!!? - Jedenfalls fahr ich bestimmt nicht wohin, nur um zu wissen, wie es dort ist. Wie soll es da schon sein - Sonne, Strand, Meer." Pause "Und wie ist es da so, bei Onkel Toms Hütte?"
Junger Mann (erzählt begeistert wie es da so ist): "Also die haben da echt so... [usw.]"
Mittwoch, 7. November 2007
Nanu, wunderte ich mich, ein Rätsel
Um die hungrigen Lesermassen ein wenig zu beruhigen und zu beschäftigen, hier ein neues Rätsel. Natürlich habe ich versucht, es schwieriger zu machen als beim letzten Mal, aber da es sich ja hier nur um echte Rätsel handelt, also um Textstellen, die ich tatsächlich in der U-Bahn bei Sitznachbarn mitgelesen habe, ist mein Einfluss auf den Schwierigkeitsgrad natürlich gering. Jedenfalls lautet der aktuelle zuzuordnende Satz so:
"'Nanu?' wunderte sich Vitus, 'Was hat euer Lidmuskel mit dem Schwarzen Tod zu tun?'"
Der grobe Kontext ist natürlich relativ leicht zu erraten, offenbar handelt es sich um eines von diesen pseudomittelalterlichen Fantasy-Büchern oder einen sogenannten Historienroman. Aber davon gibt es ja unzählige.
Das Wort "nanu" ist nicht unbedingt eines, das in der Hochliteratur so gebräuchlich ist, die Volltextsuche im Digitale Bibliothek-Band "Meisterwerke deutscher Dichter und Denker" ergibt nur zwei Fundstellen, eine in Fontanes "Stechlin" und eine im "Hungerpastor" von Wilhelm Raabe.
Nach diesen wertvollen Informationenen wird die Lösung hoffentlich bald gelingen, ich weiß ja um die Raffinesse unserer Leser.
Allerdings schien mir da neulich eine gewisse Anspruchshaltung bezüglich der ausgelobten Preise Einzug zu halten. Als würde die Unterhaltung, die wir hier durch derartige Rätsel bieten nicht genügen! Als hätten wir es nötig, unsere Leser mit materiellen Gütern zu bestechen, damit sie unsere Rätsel lösen! Folgender Preis wird dennoch großzügigerweise zur Verfügung gestellt:
Der Gewinner darf einmal **!GRATIS!*!EXCLUSIV!** von mir schlecht träumen! Gestaltet den Traum, ganz wie es euch einfällt! Eurer Phantasie sind keine Grenzen gesetzt - ob Be euch als heimtückische Mörderin heimsucht oder als grünes, sabberndes, pickeliges Monster - erlebt, wie sie euch im Schlaf am Kragen packt!
Ein Privileg, das kaum jemand jemals haben durfte! Also ich hoffe, das ist euch ein Ansporn!
"'Nanu?' wunderte sich Vitus, 'Was hat euer Lidmuskel mit dem Schwarzen Tod zu tun?'"
Der grobe Kontext ist natürlich relativ leicht zu erraten, offenbar handelt es sich um eines von diesen pseudomittelalterlichen Fantasy-Büchern oder einen sogenannten Historienroman. Aber davon gibt es ja unzählige.
Das Wort "nanu" ist nicht unbedingt eines, das in der Hochliteratur so gebräuchlich ist, die Volltextsuche im Digitale Bibliothek-Band "Meisterwerke deutscher Dichter und Denker" ergibt nur zwei Fundstellen, eine in Fontanes "Stechlin" und eine im "Hungerpastor" von Wilhelm Raabe.
Nach diesen wertvollen Informationenen wird die Lösung hoffentlich bald gelingen, ich weiß ja um die Raffinesse unserer Leser.
Allerdings schien mir da neulich eine gewisse Anspruchshaltung bezüglich der ausgelobten Preise Einzug zu halten. Als würde die Unterhaltung, die wir hier durch derartige Rätsel bieten nicht genügen! Als hätten wir es nötig, unsere Leser mit materiellen Gütern zu bestechen, damit sie unsere Rätsel lösen! Folgender Preis wird dennoch großzügigerweise zur Verfügung gestellt:
Der Gewinner darf einmal **!GRATIS!*!EXCLUSIV!** von mir schlecht träumen! Gestaltet den Traum, ganz wie es euch einfällt! Eurer Phantasie sind keine Grenzen gesetzt - ob Be euch als heimtückische Mörderin heimsucht oder als grünes, sabberndes, pickeliges Monster - erlebt, wie sie euch im Schlaf am Kragen packt!
Ein Privileg, das kaum jemand jemals haben durfte! Also ich hoffe, das ist euch ein Ansporn!
Sonntag, 7. Oktober 2007
Literatur im seidenen Tabaksbeutel
Wenn Leute in der U-Bahn neben mir lesen, versuche ich ja immer, herauszufinden, in was für ein Buch sie da vertieft sind. Meistens gelingt mir das nicht, aber immerhin kann man ein paar Satzfetzen mitlesen, aus denen man dann beurteilen kann, ob es sich um ein gutes oder ein schlechtes Buch handelt.
Gestern konnte ich folgende Satzstücke mitlesen:
"...sie drückte an ihrem seidenen Tabakbeutel herum, als wollte sie fühlen, wieviel Tabak er noch enthielt.
Den nächsten Tag verbrachte Mutter damit, in Gion herumzulaufen."
Eindeutig lässt sich hieraus schließen, dass dies ein schlechtes Buch ist. (Wer mir anhand dieser Sätze Autor und Titel des Buches sagen kann, kriegt von mir persönlich eins in die Fresse gehauen. - Einsendeschluss ist der 31. Oktober 2007, Rechtsweg ausgeschlossen!)
Und zwar deshalb: In einem guten Buch hätte es geheißen "enthielte" und außerdem wäre der Tabakbeutel nicht "seiden" gewesen. Das klingt sehr nach Fantasy-Kitsch. Oder nach einem klischeebeladenen Frauenreiseroman. Toll, wie ein halber Satz ausreicht, um ein ganzes Buch zu ersparen! Ein Blick auf die Titelseite hätte allerdings vermutlich ebenso genügt.
Soviel zu meinem außerordentlich beeindruckenden Expertenwissen gepaart mit Urteilsvermögen in Sachen Literatur und einen schönen Tag noch!
Gestern konnte ich folgende Satzstücke mitlesen:
"...sie drückte an ihrem seidenen Tabakbeutel herum, als wollte sie fühlen, wieviel Tabak er noch enthielt.
Den nächsten Tag verbrachte Mutter damit, in Gion herumzulaufen."
Eindeutig lässt sich hieraus schließen, dass dies ein schlechtes Buch ist. (Wer mir anhand dieser Sätze Autor und Titel des Buches sagen kann, kriegt von mir persönlich eins in die Fresse gehauen. - Einsendeschluss ist der 31. Oktober 2007, Rechtsweg ausgeschlossen!)
Und zwar deshalb: In einem guten Buch hätte es geheißen "enthielte" und außerdem wäre der Tabakbeutel nicht "seiden" gewesen. Das klingt sehr nach Fantasy-Kitsch. Oder nach einem klischeebeladenen Frauenreiseroman. Toll, wie ein halber Satz ausreicht, um ein ganzes Buch zu ersparen! Ein Blick auf die Titelseite hätte allerdings vermutlich ebenso genügt.
Soviel zu meinem außerordentlich beeindruckenden Expertenwissen gepaart mit Urteilsvermögen in Sachen Literatur und einen schönen Tag noch!
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