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Sonntag, 1. Juni 2008

Der Fluch der Nähmaschine

Die Firma Microsoft hat bekanntlich viel in das ehrgeizige Vorhaben investiert, den PC auf der Rangliste der meistbefluchten Haushaltsgeräte ganz weit nach oben zu bringen. Und zugegebenermaßen hat sie auf diesem Gebiet beeindruckende Erfolge erzielt. Da ist einiges geleistet worden, muss die Konkurrenz der Videorecorderproduzenten, Stereoanlagenbauer und Waschmaschinenhersteller neidvoll zugeben. Dabei wird gern vergessen, das Microsoft es nicht geschafft hat, ein simples und traditionsreiches Gerät vom ersten Platz zu verdrängen: die Nähmaschine. Generationen von (meistens) Frauen brachten ihre Zeit fluchend und vor Wut heulend vor Nähmaschinen zu. Sie förderten aus der Maschine gigantische, komplexe Faden- und Stoffverknäuelungen zu Tage, die sie dann von Hand in stundenlangen Prozeduren dicht unter Lampenschirmen klebend auftrennten. Dann wurde der lädierte Stoff erneut unter die Nähmaschine gelegt, und nach einigen stotternden und seltsam klappernden Geräuschen der Stoff komplett in die Maschine eingezogen, so dass diese aufgeschraubt werden musste und der Stoff in neuerlich stundenlanger Fitzelarbeit vorsichtig daraus entfernt werden. Und so weiter. Soweit ich erkennen kann, hat sich an diesem Sachverhalt in den letzten hundert Jahren nicht viel geändert. Die schwierigen Auftrenntechniken wurden von Generation zu Generation weitergegeben, weil sie für den Umgang mit der Nähmaschine essentiell waren und sind. Vor diesem Hintergrund ist es wirklich ein Wunder, dass tatsächlich Kleidungsstücke überhaupt existieren! Man muss sich einmal den Aufwand vorstellen, der in einem jeden von ihnen liegt!
Neuerdings haben Nähmaschinen eingebaute Computer mit Nähprogrammen, damit ist wahrscheinlich erneut ein für die PC-Branche unerreichbarer Vorsprung erzielt worden. Wenn Microsoft jetzt allerdings anfangen würde, Betriebssysteme für Nähmaschinen herzustellen, hätte zusammengefunden, was historisch eigentlich zwangsläufig zusammengehört.

Donnerstag, 1. Mai 2008

Am 2. Mai aufstehen für die Faulheit




Nachtrag: Aus eigener Anschauung (und Teilnahme) kann ich berichten, dass die Demonstration ein voller Erfolg war! Der Veranstalter konnte noch während der "machtvollen Manifestation" von demonstrierenden Millionen in Tokio und Potsdam berichten. Die engagierten Demonstranten in Berlin skandierten tolle Slogans wie: "Mein Freund ist Roboter!", "Wir sind nicht alle, es fehlen die, die arbeiten!" oder "Wir haben Zeit!". Ein erfolgreicher 4. internationaler Kampf- und Feiertag der Arbeitslosen!

P.S. Noch viel schönere Photos gibt es hier.

Freitag, 14. März 2008

Analfissur und Hämorrhoiden (- mit neuem Nachtrag!!!)

Natürlich wissen jetzt schon wieder alle, worum es geht. Denn ich bin ja immer ein wenig hinterher und erlange meine Erkenntnisse aus zweiter oder dritter Hand, wenn es eh schon alle wissen.
Aber egal. Ich fahre jedenfalls für eine Woche in Urlaub zu meiner heiß geschätzten und hoch geliebten Verwandschaft, und nehme ihr wisst schon welches Buch mit als Reiselektüre (neben dem allgegenwärtigen Hegel, versteht sich) - genau: "Feuchtgebiete" von Charlotte Roche. Und das verspricht unterhaltsam zu werden, schließlich geht es um eine junge Frau mit blumenkohlförmigen Hämorrhoiden, die sich bei der Porasur in die Rosette schneidet, deswegen ins Krankenhaus kommt sich dort "mit ihrem Körper untenrum vorne und untenrum hinten beschäftigen" muss - weil Charlotte Roche es so will. Das ganze soll so eine Art Anti-Hygienefimmel-Porno sein und ich bin schon sehr gespannt.
Genauere Erläuterungen dazu gibt's hier und hier und eine rührende Analsex-Story von Roger Willemsen hier. Aber was sag ich, kennt ihr ja alles schon.

Nachtrag vom 29. 03. 2008:

Ich weiß natürlich, dass ihr alle ganz furchtbar neugierig seid und unbedingt wissen wollt, wie be nun diesen ominösen "Vivamoderatorinnenroman" fand! Und das will ich euch auch auf keinen Fall vorenthalten!

Hier meine äußerst differenzierte Beurteilung:
Gesamturteil: Sehr gut (1,3)
Sprachliche Qualität: Gut (2,0)
Formaler Aufbau: Gut (2,3)
Inhalt: Sehr gut (1,3)
Konsequenz der Ausführung: Sehr gut (1,0)
Wichsfaktor (Skala von null bis fünf): 2,5
Ekelfaktor: je nach Robustheit des Lesers (ich hörte von Frauen, die das Buch schon in der Mitte angewidert zur Seite legten); in meinem Fall: 2
Ekelhöhepunkte: Kotze (von zwei Menschen) wird (von diesen zwei Menschen) aus einem Eimer getrunken, blutige Tampons werden in Fahrstühlen abgelegt, Mineralwasser wird im Mund gegurgelt und in die Flasche zurückgespuckt um es hernach Gästen anzubieten, mit einer grillgut- und rußbehafteten Grillzange wird ein Tampon aus der Vagina geholt (und die Zange danach ungewaschen zurückgelegt), auf verdreckten Bahnhofstoilettensitzen wird extra einmal mit der Muschi herumgewischt, um die Angst der Hygienefanatiker vor Krankheiten ad absurdum zu führen, es wird in der Nase gepopelt und das zu Tage geförderte sodann gegessen, ebenso werden Hautkrusten und ausgedrückte Pickel verspeist - und das alles von der Hauptfigur des Buches, der 18-jährigen Helen Memel, die das natürlich überhaupt nicht eklig findet, sondern vielmehr toll und teilweise sogar erregend.
Autoerotikfaktor: sehr hoch

Urteilsbegründung:
Auch wenn das Buch literarische Schwächen haben mag (die so groß allerdings auch nicht sind, finde ich), ist die Hauptfigur Helen Memel einfach klasse erfunden. Sie ist nämlich äußerst konsequent. Konsequent in ihrer Abneigung gegen Hygienevorschriften, die ihr von verklemmten Leuten (besonders ihrer Mutter) gemacht werden, die ständig betonen, dass Hygiene ungemein wichtig ist und dass man krank wird, wenn man nicht peinlich genau darauf achtet. Und dass überhaupt alles ganz furchtbar peinlich und eklig ist, was von den Hygienevorstellungen abweicht, die vor allem darin bestehen, dass sämtliche Körperausscheidungen, -gerüche und -flüssigkeiten bäh sind und dashalb ständig weggeputzt und überdeckt und versteckt werden müssen, wenn sie denn schon vorhanden sein müssen. Das Schöne an dem Buch ist, dass Helen Memel ungemein konsequent gegen diese Auffassungen angeht und mit wissenschaftlichem Eifer die Hygienemythen zu widerlegen trachtet. Deswegen reicht es nicht, dass sie sich auf die Klobrillen öffentlicher Toiletten draufsetzt, nein sie wischt noch einmal extra mit der Muschi die Brille entlang, um endgültig zu beweisen, dass man davon nicht krank wird. Der andere schöne Zug an Helen Memel (und Charlotte Roches Roman) ist der, dass sie in Bezug auf Sex überhaupt kein bisschen ein "versautes Stück" ist (im Gegensatz zu dem, was Jessica Zeller in der Jungle World schreibt - die aber überhaupt sehr viel Halbgares und Blödes schreibt, so dass ich mich sehr geärgert habe - zum Beispiel die Story sei "dünn" und das Buch funktioniere nur als Provokation). Helen Memel ist vielmehr geradezu unschuldig in ihrer zugleich außerst tabulosen Ausübung der Sexualität. Unbefangen und ohne Verklemmungen erforscht sie jeden Winkel ihres eigenen Körpers und fremder Körper (unter anderem zu diesem Zweck besucht sie zum Beispiel Bordelle) und probiert aus, was man damit alles machen kann. Aber dabei spielt kein einziges Mal ein irgendwie geartetes Tabu, das gebrochen würde, der Ruch des Verbotenen, die Aufregung des Unmoralischen oder Ähnliches eine Rolle, was ja sonst gerade in der erotischen und pornographischen Literatur gerne aufgegriffen wird, um dadurch erst die gewünschte Erregung beim verklemmten Publikum zu erzielen. Hier dagegen geht es vor allem um die Neugier und äußerst ausgeprägte Phantasie von Helen Memel, der immer neue Dinge einfallen, die man mit all den schönen Körperteilen und -funktionen so anstellen kann - und die auch keine Hemmungen hat, all das auszuprobieren, was ihr so einfällt - auch (oder gerade), wenn es mit Schmerzen und Verletzungen verbunden ist. Und emanzipatorisch oder vielleicht auch feministisch ist das Buch genau deswegen, weil Helen sich in keiner Hinsicht etwas sagen lässt, sondern alles selbst ausprobieren will und sich dabei von keinerlei vorgegebenen Grenzen aufhalten lässt, ob Hygienenormen oder "gesunder Menschenverstand" (oder von fast keinen: das Nasepopeln hat sie in die Einsamkeit der abgeschlossenen Toilette verlegt, weil das ihre Freunde zu irritieren schien). Jedenfalls schämt sie sich nicht im geringsten dafür, dass sie Dinge erregend findet, die andere (oder gar die meisten) total eklig und abstoßend finden. Auch schön ist, dass Helens Sexualität in hohem Maße autoerotisch ist, sie masturbiert viel und mit Freude und experimentiert dabei - nicht nur mit Avokadokernen. Dieses ziemlich idiosynkratische Element von Helen Memels Sexualität, das ungehemmt ausgelebt wird, verbunden mit ihrer wissenschaftlichen Neugier, finde ich, ist das eigentlich Tolle und auch Emanzipatorische an dem Buch.
Alles in allem: von Helen Memel kann man viel lernen.

Mittwoch, 16. Januar 2008

Wir begrüßen ausdrücklich...

... diese Initiative für mehr Ehrlichkeit im Bäckereigewerbe des "Wiener Feinbäckers". Konsequenterweise sollte er sich dann aber vielleicht auch in "Berliner Pappbäcker" umbenennen und seinen "Kaffee" in Plörre. Dann wäre ich sehr zufrieden und würde auch sehr gerne regelmäßig "Einmal Fettgebäck mit Plörre bitte" kaufen. Echt.

Samstag, 1. Dezember 2007

Samstag, 01.12.2007

Um mal wieder das Tagebuchartige an diesem Blog stärker zu betonen, heute ein ganz privater Eintrag:
Be ist nämlich heute zum aller aller aller ersten Mal alleine Auto gefahren, was zugleich das erste Mal ist, seitdem sie ihre (in Berlin zugegebenermaßen völlig überflüssige, aber dafür zu Klimaerwärmungszwecken potentiell nützliche) Erlaubnis zum Führen eines zweispurigen Kraftfahrzeuges bis zu einer Obergrenze von 3,5t besitzt! Und sie hat keinen Unfall gebaut (ist das der korrekte hochdeutsche Ausdruck? - Oder was sagt man sonst: Unfall gemacht? Unfall erzeugt? Unfall herbeigeführt?).
Nur beim Tanken hat sie sich ein klein wenig blamiert, indem sie sich von einem etwa 11jährigen türkischen Jungen erklären lassen musste, dass der Tankdeckel nur dann aufgeht, wenn man das Auto nicht abgeschlossen hat. Aber immerhin war der dann ebenso außerstande wie sie, den inneren Schraubdeckel des Tanks zu lösen - was sie dann aber schlussendlich doch noch hingekriegt hat und somit das alles sich zu einem glücklichen Ende fügte...
Jetzt sucht Be nach Anlässen, zu denen sie ein Auto benutzen könnte (denn wie schon erwähnt, braucht sie eigentlich keins), um ihre driving skills zu verbessern...

Montag, 19. November 2007

Amoklauf!

Durch diesen Blogeintrag (auf den mich ein Freund aufmerksam machte) bin ich wieder auf eine Band gestoßen, die ich vor ungefähr fünf Jahren mal auf einem kleinen Festival in meiner süddeutschen Heimat hörte: MONO FÜR ALLE. Das hinterließ einen bleibenden Eindruck: Ein schlaksiger Berseker hinter einer Art Stehpult stehend, in ein weißes Gewand gehüllt, zwischen Jesus-Hemd und Irrenanstalt, zottelige, veschwitzte Haare, brüllte sich mit seiner zarten, hohen Fistelstimme die Seele aus dem Leib - und das auch noch mit so schön-bizarren Texten ("Honecker, bitte, komm zurück, ich brauch keine Bananen!") - siehe unten. Damals kaufte ich ihre selbstgebastelte CD, die aber leider einen Kratzer hatte und deswegen nicht funktionierte. Aber, natürlich, bei YouTube gibt es all die tollen Lieder ja auch. Nur für euch, weil es so schön ist:





Man möge in dem verlinkten Blogeintrag gerne lesen, wie absurd sich der deutsche /bayrische Staatsschutz mal wieder aufführt, von wegen "extrem konspiratives Vorgehen". - Ich finde, unser Blog ist auch "extrem konspirativ", weil im Grunde niemand weiß, wer sich hinter be, bou und spit_Z eigentlich so richtig in Wirklichkeit verbirgt. In diesem Sinne rufen wir alle zum Amoklauf auf und dazu, "Mono für Alle" im Geiste beizustehen.

Montag, 12. November 2007

Unkritische Jubelarie auf haltlosen Konsum von überflüssigen Produkten

Die ZIA (Zentrale Intelligenz Agentur), die wir alle verehren und lieben, hat ein neues Spielzeug hervorgebracht. Nachdem wir ihr schon die Riesenmaschine, die Lesemaschine, Bachmannpreisunterwanderungen und -börsenspekulationen, Unwissensbücher sowie allerhand anderen Unsinn verdanken (ich glaube auch, das großartige, superschlaue Supatopcheckerbunny und das dazugehörige ein bisschen weniger schlaue Hilfscheckerbunny sind irgendwie auf deren Mist gewachsen oder zumindest desselben Geistes Kind, wie man so oder so ähnlich sagt...)... ähm... Jedenfalls, die ZIA, die wir alle verehren und lieben, hat also wiedermal die Welt bereichert. Und zwar diesmal mit einem ganz und gar dem heutigen individuell-konsumistischen Selbstverständnis der urbanen Bohème (die haben sie auch erfunden, hieß dann digitale Bohème und war irgendwas mit Arbeit...) entsprechenden Dingens: dem SHOPOSKOP - ein Persönlichkeitstypentest, der die idealen Konsumprodukte für den jeweiligen willigen Popkultursklaven herausfindet und sofort zum Internet-Kauf anbietet.

Super, das. Haben wir alle drauf gewartet. Die Welt krankt ja eigentlich nur daran, dass die tollen bunten Produkte, die der erfindungsreiche Kapitalismus so hervorbringt, nicht individuell genug zugeschnitten sind (genau das meinten ja auch schon Adorno und Horkheimer, als sie in der Dialektik der Aufklärung schrieben: "Für alle ist etwas vorgesehen, damit keiner ausweichen kann, die Unterschiede werden eingeschliffen und propagiert. [...] Der Schematismus des Verfahrens zeigt sich daran, daß schließlich die mechanisch differenzierten Erzeugnisse als allemal das Gleiche sich erweisen." (DdA, S. 131)) und man außerdem in all dem Produktgewirr und Konsumchaos sich gar nicht zurechtfindet. Also DANKE, liebe ZIA, die wir dich alle verehren und lieben, ich denke, wir alle sind uns einig, das dies der finale Schritt zur Weltverbesserung war! Eine Konsumententypisierung, der sich endlich auch alle alternativen urbanen Media-Bohème-Linken uneingeschränkt und ohne Zögern enthusiastisch hingeben werden, und die somit endlich und endgültig die (westliche, poplinke, urbane) Menschheit unter dem Banner der Kulturindustrie vereinigt!
Jetzt kann man also mit nur ein paar kleinen lustigen Reglern und Ankreuzfeldern feststellen, was für jemand man ist - in Bezug auf zu erwerbende Gegenstände; etwa: fasst man lieber an oder betrachtet man lieber? - und schon bekommt man lauter tolle Gegenstände zum Kauf angezeigt, die man sofort haben will, weil sie genau perfekt ideal passen, also genau DAS, was man SCHON IMMER haben wollte, von dem man aber bisher noch nicht wusste, was es ist; das Produkt, das quasi wie die fehlende zweite Hälfte ist, die einen komplett macht; das ideale Spielzeug, das ewiges Glück verheißt und so - Nun ja, so stellt man sich das jedenfalls vor, als leidenschaftlicher Anhänger, aber ganz so ist es leider doch nicht. Denn irgendwie ist es ein gewisser, nicht zu übersehender Mangel, dass die Produkte, die einem nachher angedreht werden, genau dieselben langweiligen Produkte sind, die es überall gibt und die man eh schon kennt und die kein bisschen originell und persönlich sind.

Vielleicht hätte die ZIA die Produkte gleich mitentwickeln sollen, anstatt einfach die bei Shopping.com (der Kooperationspartner, für dessen Webseite die famose Apparatur entwickelt wurde) vorhandenen zu nehmen...

Vielleicht liegt dieser Eindruck, den ich gewonnen habe, aber auch nur daran, dass ich bisher bei meinen Typisierungsversuchen immer irgendein "Kitschkopf" war und dementsprechenden Tand angedient bekam, wie Kaschmirschals und Single-Kaffee-Sets und Granatarmbänder... bestimmt nur, weil ich Sport nicht mag (und also Kunst wählen musste) und nichts "mit Tieren" machen wollte... wahrscheinlich liegt es also nur daran, dass ich mich dem Testungsmechanismus noch nicht genügend angepasst habe um ihn optimal zu benutzen.

Sonntag, 1. Juli 2007

Denglish!

Ich weise hiermit nur mal auf die großartige, tolle, ganz supertolle Idee des "Internationalen Day des Denglish" hin, eine Initiative, die, soweit ich das verstanden habe, maßgeblich von dem Blog Greasepaint Mustache ausgeht - ein sehr schöner Name anyway.
Dieser Tag, er findet am 4. Juli statt - zum allerersten Mal in der Geschichte der Denglishen Sprache! Hups, das ist ja schon in drei Tagen, also schnell noch ein bisschen Denglish lernen. Anti-Denglish-Seiten gibt es übrigens wie Sand am Meer, der kuriose Verein für deutsche Sprache und die Stiftung deutsche Sprache (gehören die zusammen? letzterer "Startseite" bzw. "Netzauftritt" ist jedenfalls weniger hässlich designt) sind bei weitem nicht allein in ihrem Kampf für den "Erhalt" der deutschen Kultur-Geist-Orgelsprache.

Die sind natürlich ein dankbares Opfer mit ihrem Wettbewerb, für englische Wörter deutsche Entsprechungen zu finden. - Soeben, in diesen Minuten, hat die Jury eine Entsprechung für "Happy Hour" ausgewählt - ähhh - "Blaue Stunde". Ich nehme an, das war Absicht, die Assoziation mit blau...? - Hmm, fast lustig, diese Explizitheit.
Weitere schöne Beispiele finden sich hier, eine Fundgrube des unfreiwilligen Humors. Ach, welch dankbares Opfer!
Ein schönes, fast poetisches Beispiel: "Prallkissen". Sehr vielsagend: "Denkrunde" für "brainstorming". Sie wollen zu "flatrate" "Pauschale" sagen, bitte, wenn sie wollen, dass sie niemand versteht... Auch sehr gut: "Meidezone". Jemand 'ne Idee, was damit gemeint sein könnte?

Bild: Gute Gelegenheit, mal mein Lieblings-T-Shirt zu verwenden (backside says: "Horizont Elektrozaun").

Freitag, 23. März 2007

Namen sind Schall und Rauch, aber Rauchen ist hier verboten (bald).

Mit diesem Post möchte ich auf Gegenstände aufmerksam machen, die beinahe unbemerkt in unserem alltäglichen Leben auftauchen. Dinge, die äußerst wichtige Funktionen erfüllen, unsere Welt zusammenhalten, Verbindungsstücke, ohne die alles buchstäblich aus den Fugen geraten würde. Dinge, die aber dennoch keinen Namen haben, kein Wort, das sie bezeichnete. Über die deshalb niemals gesprochen wird, die nicht beachtet werden (über die es allerdings auch nicht nötig ist, zu sprechen).
(Aber vielleicht sind die Dinge ja depressiv deswegen. - Eine mögliche Erklärung für die Melancholie der Moderne: es gibt zu viele Gegenstände, die namenlos dahinvegetieren, die Welt ist zu voll um jeden / jedes noch persönlich anzusprechen - Anonymität, Identitätsverlust, Ichvergessenheit, Sprachlosigkeit.)

Ich möchte deshalb hiermit auf diese vernachlässigten Gegenstände aufmerksam machen und den geneigten Leser oder die aufrechte Leserin dazu auffordern, sich Namen für diese Dinge einfallen zu lassen (aber gute Namen, bitte!). Die Leserin oder der Leser sei ebenfalls aufgefordert, weitere Dinge vorzuschlagen, für die es ebenfalls keine Bezeichnung gibt, sofern ihr oder ihm welche einfallen. Es soll dabei nicht ausschließlich um materielle Gegenstände gehen, auch namenlose Zustände, Prozesse, Abstrakta, Gefühle, Stimmungen sind unbedingt der Würdigung würdig!

Als ersten Gegenstand in dieser Rubrik möchte ich heute folgendes vorschlagen:





Genau. Nämlich diese kleinen, meistens transparenten, Plastikverbindungsstäbchen, mit denen die Preis- und Markenschilder an neuen Kleidungsstücken befestigt sind. Was wäre die Welt ohne diese Dinger! Kein Preis würde am Kleidungsstück halten, man wüsste nicht mehr, was wieviel kostet - der Kapitalismus würde zusammenbrechen!
Die Welt würde nicht funktionieren ohne sie, und dennoch haben diese essentiellen Plastikteile keinen Namen! Unglaublich!
(Oder irre ich mich da? Falls ein Leser oder eine Leserin einen Namen dafür kennt, sei es in einer anderen Sprache, so sei er oder sie "more than welcome" diesen mitzuteilen!)

Samstag, 3. Februar 2007

Solidarität mit dem Sarotti-Mohr!

Mein Freund, der Sarotti-Mohr, hat mir neulich einen Brief geschrieben. Das ist sehr nett von ihm, denn ich liebe es, Post von ihm zu bekommen. Mit dem Sarotti-Mohr verbindet mich eine innige Freundschaft, wir essen oft zusammen Schokolade oder schreiben uns kleine Gedichte. Manchmal serviert er mir auch Kaffee oder putzt mir die Schuhe.
Es ist schön, dass ich einen so guten Freund habe.
Mein letztes Gedicht hat ihm besonders gefallen, aber er konnte mir keine kleine Überraschung schicken, wie wir es sonst immer machen, weil er Ärger mit seinem Ausbeuter deswegen bekommen hat. Die von Sarotti lesen nämlich immer seine Briefe. Und streichen die Passagen, die ihnen nicht gefallen - oder schreiben sie neu, in seinem Namen und schlechtem Deutsch:

Ihm geht es nicht so gut zur Zeit. Er klagt immer, dass die bei Sarotti ihn schlecht behandeln. Immer muss er in albernen Kostümen mit Schnabelschuhen silberne Tabletts (die zwanzig Kilo wiegen, damit er so komisch schwankt beim Laufen, das finden die dort besonders sexy) mit Schokolade durch die Firma tragen und sich die Lippen karminrot anmalen und mit Silikon aufspritzen lassen (die haben dort ziemlich perverse Vorlieben).
Und dafür wird er nur mit Sarotti-Schokolade bezahlt - zehn Tafeln pro Tag. Dabei mag er die gar nicht, weil sie scheiße schmeckt und ihm immer schlecht wird davon. Und eintauschen kann er die auch nicht, weil niemand sie haben will - weil sie scheiße schmeckt.
Und sie sperren ihn immer in einen viel zu kleinen Käfig ein, damit er nicht wächst. Die stehen dort auf Kleinwüchsige. Das sind nämlich alles Pädophile bei Sarotti.
Er würde gerne woanders arbeiten, aber er kann ja nichts anderes, als Werbefigur sein, er hat ja nichts gelernt sonst, der Arme. Ich sage ihm immer, er soll es doch mal bei einer anderen Firma versuchen. Aber vor der Milka-Kuh zum Beispiel hat er Angst. Sie hat einmal zu ihm gesagt, kleine Neger verspeise sie am liebsten zum Frühstück. Und der Lindt-Weihnachtsmann ist beim KuKluxKlan. Den Knecht Ruprecht hat er auch schon erledigt. Und sowieso sind Mohren als Werbefiguren heute nicht mehr so gefragt. Außerdem würde ihn Sarotti verklagen, weil sie einen ganz gemeinen Knebelvertrag mit ihm haben. Er müsste dann Copyright-Zahlungen an die entrichten - für seinen eigenen Körper!
Und wenn er seinen Job verliert, wird er abgeschoben.

Wenn euch diese Geschichte von meinem Freund, dem Sarotti-Mohr, auch so anrührt wie mich, dann helft ihm! Boycottiert Sarotti-Schokolade! Die schmeckt eh scheiße und hat Negerblut an den Riegeln! Boycottiert am besten die ganze rassistische Schokoladenindustrie! Kauft stattdessen lieber Gummibärchen, die werden gut behandelt!Spendet für den Sarotti-Mohr, startet Solidaritätskampagnen! Macht Soli-Konzerte! Plant Anschläge auf Sarotti und organisiert Demonstrationen! Schreibt Petitionen an die UN und die Unicef! Ich plädiere für einen internationalen Tag für geknechtete Werbefiguren am 12. Februar (da hat er nämlich Geburtstag). Esst an diesem Tag keine Schokolade und kauft kein Produkt, das eine Werbefigur hat!

Helft dem armen (gezwungenermaßen) kleinen Sarotti-Mohr!

Dienstag, 23. Januar 2007

Frisch und frei

In meiner neuen Rubrik "Helden des Alltags" möchte ich heute einen bemerkenswert gut gelaunten, Optimismus und Frische ausstrahlenden Herrn vorstellen, der für uns von den Machern des Penny-Markt-Prospektes erfunden wurde. Nehmt euch einfach alle ein Beispiel an ihm, dann wird die Welt gleich viel frischer, fröhlicher, freier - und gesund werden!