Und weiter geht's mit meinem Monolog...
Kaum habe ich mir Osttimor als das Land erfuellter monogamer Liebe zurechtgelegt, schon treffe ich in einer Bar auf einen aelteren schwulen Neuseelaender, der mir nach dem fuenften Bier verraet, Osttimor sei ein einziger Puff. Die Timoresen seien alle bisexuell. Und sehr naughty. Ueberall, in jedem Dorf, finde man jemanden, einen Jungen, ein Maedchen. Fuer die Timoresen sei Sex so natuerlich wie Essen und Trinken. Sie machen sich keine Sorgen. Und haben immer Kondome dabei. Und stehlen nicht. Denn hier gilt ein Ehrencode, anders als bei den Indonesiern, die sich morgens mit dem Portemonnaie davonmachen. Und die Vaeter finden alles in Ordnung, die Familie behandelt einen wie einen Koenig. Wenn der Junge frech ist, gib ihm ein paar Ohrfeigen, empfiehlt der Vater. Ja, natuerlich hilft es, wenn man weiss ist und Dollars hat. Aber die Timoresen sind auch sonst naughty. Sie haben etwas, was wir verloren haben. Was sie brauchen, ist eine Vaterfigur. Jemand, der ihnen Disziplin beibringt, der sie davon abhaelt sich gegenseitig umzubringen. Die Indonesier haben das gekonnt. Anders als die Australier, die hier nur rumlaufen, zukucken und Kaffee trinken. Ja, 200.000 Menschen umzubringen, das haetten sie nicht tun sollen. Aber es geht halt auch um einen schwierigen Balanceakt.
So ging das dann weiter, ganz im Houellebecqschen Stil. Der ausbeuterische Aspekt wurde in einem Manoeuver, fuer das es im psychoanalytischen Jargon garantiert einen Fachausdruck gibt, auf die portugiesischen GNR uebertragen. Weiss du, was die GNR hier machen? Die scheren sich doch einen Dreck um Osttimor. Ja, wenn es Probleme gibt greifen sie ein. Aber dann heisst es, jetzt beugt euch alle vornueber. So viele Timoresen wurden von denen vergewaltigt. Oh yeah, they love the young boys.
Die meisten Bars hier, wenn man von den Strandcafes absieht, sind uebrigens auch Karaokebars und Puffs. Die meisten Prostituierten kommen allerdings aus China.
Das Treffen mit Reinado ist noch nicht zustande gekommen, und die Zeit wird knapp. Ich freue mich bereits auf Melbourne. So langsam fuehle ich mich exzentrisch, im wortwoertlichen Sinn. Vom Zentrum abgerutscht. Ich brauche ein wenig Ruhe, um mein Weltbild neu zu kallibrieren. Eine Sisyphusarbeit, die unendliche Reise zum Mittelpunkt der Welt. Ich denke, wenn ich etwas hier gelernt habe (ja, ich bin noch immer so naiv, dass ich reise, um zu lernen, so wie die junge Englaenderin in Forsters Passage to India), dann wie natuerlich es sich anfuehlen kann, fremde Leute anzusprechen. Meine Zeit als autistischer Jugendlicher ist zwar schon laenger vorbei, aber trotzdem stehen viele kleine Barrieren im Weg, hoch genug damit ich mich frage, was soll es schon bringen?, und dann bleibe ich doch lieber bei mir. In Melbourne wird mir kein interessanter Mensch mehr entkommen. Aber jetzt unterschaetze ich meine innere Traegheit.
Ich sollte noch ein paar Fotos machen, aber es faellt mir sehr schwer, Menschen zu fotographieren, es sei denn ich kenne sie ein wenig und frage sie um Erlaubnis. Leider kriege ich auf diese Weise nicht die Bilder, die ich gerne haette.
Ein paar Treffen und Gespraeche stehen noch an. Und das war's dann.
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Montag, 29. Januar 2007
Samstag, 27. Januar 2007
Mister goes to Elmera?
Gestern habe ich rein gar nichts gemacht. Muede und verwirrt. Und verdammt unprofessionnell. Am Abend sollte ich Natalino vom Student Solidarity Council treffen. Wir hatten ein paar Mal telephoniert und uns staendig missverstanden, was Zeitpunkt und Ort unseres Treffens anging. Schliesslich wartete ich vor dem Parlament, er wartete auf dem Unicampus, dann wollte er mich abholen. Ich wartete zehn Minuten, dann schaltete ich mein Handy aus und ging nach Hause. Ich hatte einfach genug. Genug von meinem malae Dasein und meinem Verstehenwollen. Meinen Versuchen, ein Land in eine Handvoll Saetze zu fassen. In einem Artikel zu erklaeren. Burnout schon nach zwei Wochen. Peinlich.
Vielleicht sollte ich auch keine Romane lesen. Vor allem nicht zwei parallel. Mit zwei Parallelwelten. Und mein Vertrauen in meine Faehigkeiten schwand dahin.
Heute habe ich Yohann getroffen, zufaellig, in einem indischen Restaurant, was erneut zeigt, wie klein Dili ist. Denn Yohann ist niemand Geringeres als Crazy Goat, Leiter einer Theatergruppe timoresischer Jugendliche, und ich hatte vor ihn zu sprechen, dachte jedoch, er waere nicht mehr in Dili. Crazy Goat zufolge ist uebrigens ein malae mit einem Pfeil in den Ruecken geschossen worden, als er auf Tetun Timoresen beschimpfte, die sein Auto mit Steinen beworfen hatten. Seit Jahresbeginn haeufen sich solche Zwischenfaelle.
Nach einer Partie Pool mit Cormac habe ich dann meine Kontakte getroffen, die ein Treffen mit Alfredo Reinado arrangieren wollen. Wie gesagt, alles sehr geheim. Wir haben uns auf dem Campus getroffen und habe mehrmals den Ort gewechselt, um keinen Verdacht zu erregen. Um nicht von Ostosttimoresen bespitzelt zu werden. Wir haben Kekse gegessen, Orangenbrause getrunken und ueber die Vorzuege von timoresischen und indonesischen Frauen geplaudert.
Einer von ihnen ist mit einem von Alfredos Bodyguards verwandt und will ueber seinen Cousin eine Verbindung zu Alfredo herstellen. Vielleicht kann ich schon morgen nach Elmera fahren, zwei Stunden von Dili entfernt, wo der Rebellenfuehrer sich mit seinen Maennern aufhaelt. Vielleicht. Denn moeglicherweise, falls der Bodyguard heute abend nicht nach Dili kommen sollte und falls die Rebellen ihre Handys nicht einschalten, dauert es laenger. Und ich habe nicht mehr viel Zeit. Am Mittwoch um 17 Uhr geht mein Flug und bringt mich zurueck in meine Wattewelt.
Vielleicht sollte ich auch keine Romane lesen. Vor allem nicht zwei parallel. Mit zwei Parallelwelten. Und mein Vertrauen in meine Faehigkeiten schwand dahin.
Heute habe ich Yohann getroffen, zufaellig, in einem indischen Restaurant, was erneut zeigt, wie klein Dili ist. Denn Yohann ist niemand Geringeres als Crazy Goat, Leiter einer Theatergruppe timoresischer Jugendliche, und ich hatte vor ihn zu sprechen, dachte jedoch, er waere nicht mehr in Dili. Crazy Goat zufolge ist uebrigens ein malae mit einem Pfeil in den Ruecken geschossen worden, als er auf Tetun Timoresen beschimpfte, die sein Auto mit Steinen beworfen hatten. Seit Jahresbeginn haeufen sich solche Zwischenfaelle.
Nach einer Partie Pool mit Cormac habe ich dann meine Kontakte getroffen, die ein Treffen mit Alfredo Reinado arrangieren wollen. Wie gesagt, alles sehr geheim. Wir haben uns auf dem Campus getroffen und habe mehrmals den Ort gewechselt, um keinen Verdacht zu erregen. Um nicht von Ostosttimoresen bespitzelt zu werden. Wir haben Kekse gegessen, Orangenbrause getrunken und ueber die Vorzuege von timoresischen und indonesischen Frauen geplaudert.
Einer von ihnen ist mit einem von Alfredos Bodyguards verwandt und will ueber seinen Cousin eine Verbindung zu Alfredo herstellen. Vielleicht kann ich schon morgen nach Elmera fahren, zwei Stunden von Dili entfernt, wo der Rebellenfuehrer sich mit seinen Maennern aufhaelt. Vielleicht. Denn moeglicherweise, falls der Bodyguard heute abend nicht nach Dili kommen sollte und falls die Rebellen ihre Handys nicht einschalten, dauert es laenger. Und ich habe nicht mehr viel Zeit. Am Mittwoch um 17 Uhr geht mein Flug und bringt mich zurueck in meine Wattewelt.
Donnerstag, 25. Januar 2007
Dili im Fluss
In meiner Kindheit war Zebrastreifen eines der wichtigsten Woerter. Jetzt wirkt es wie ein Exot. In dem Wort steckt so viel Kindheit wie ansonsten nur in dem rosafarbenen Erdbeereis, das man mit einem roten Stiel in einer Plastiktube hochdruecken musste, um es oben wegzulecken. Dachte ich, als ich heute nacht in Roys The God of Small Things las. Zebra crossings. Ich konnte nicht schlafen.
Gestern hat es endlich wieder anstaendig geregnet. Ich liebe diese Stadt, wenn die Luft sich mit Feuchtigkeit fuellt, und sich dieses Gefuehl von Geborgenheit herstellt. Und der Himmel faerbt sich lila. In diesen Momenten ist es egal, wohin man sieht oder die Kamera richtet. Es ist unmoeglich, etwas zu sehen, was nicht wunderschoen waere.
Habe ich ihn schon erwaehnt, den Flow in Dili? Gestern abend ging ich am Strand spazieren. Alle fuenf Meter trifft man auf jemanden, der einen anlacht (wenn man selbst den Augenkontakt sucht und freundlich ist) und gruesst, der einen fragt ba nebe? wohin?, und man kann einfach stehen bleiben und ein wenig plaudern. Der Strom aus Freundlichkeit reisst nicht ab. Ganz anders als in westlichen Laendern, wo man sich von Insel zu Insel hangelt, von den Mitbewohnern ueber die Nachbarin zu den Arbeitskollegen. Der Unterschied war frappierend, als ich an meinem Ziel, einem von malae besuchten Strandcafe, ankam. Kein Blickkontakt, kein Laecheln. Die meisten Osttimoresen reichen einem die Hand auf eine sehr sanfte Art. Die Haende laesst man oft noch waehrend des Gespraechs ineinander ruhen. Und wenn man die Hand zurueckzieht, dann laesst man die Haende aneinander entlang gleiten, wie ein Streicheln.
Der Flow ist etwas Wichtiges, etwas sehr Zentrales. Denn dieses Blog ist Teil des Planes, den geistigen Flow am fliessen zu halten. Der Flow, der einen staendig umgibt, aus dem man nie rauskommt, der nie abreisst, ist die Utopie der Postmoderne. Am Anfang kann es unangenehm wirken, es wird einem der Boden unter den Fuessen weg gezogen, der Boden, der nicht nur Text sein soll. Aber das Bild hat einen sehr positiven Aspekt, Geborgenheit im Text, Dichte, Waerme. Wie in einem Film von Alomodovar. Ironischerweise kann ich mein Umfeld ja nur sehr wenig beeinflussen, und mit vielem will man nichts zu tun haben, also laufen meine Plaene (die vielen anderen hier noch nicht vorgestellten) darauf hinaus, doch wieder Inseln zu schaffen, wenn auch Inseln des Flows.
Ich habe mit zwei poolspielenden Un-Polizisten aus dem Yemen geplaudert. Schande ueber Yemen. Waere ihr Land, diese Terroristenbrutstaette, nicht schon ein Sandhaufen, sollten Gott oder die Amerikaner es zu einem machen. Die ersten Yemeniten, die ich hier getroffen habe und die ich um Auskunft gefragt haben, konnten gerade mal genug English um Dono zu grummeln. Die beiden anderen beklagten sich jetzt ueber den Mangel an Prostituierten, und sowieso sei das nicht rein, nein, ordentliche Timoresinnen muesste man vernaschen koennen, ja, sie haetten Familie in Yemen, aber die sei ja weit weg. Wenn die UN in dein Land kommt, verstecke deine Toechter! Ein T-shirt kursiert unter der Hand in UN-Kreisen, mit einer Bulldogge drauf und dem Schriftzug: Be safe tonight. Sleep with a peacekeeper. Kein Wunder, dass der UN-Chefvertreter mir ungefragt irgendetwas von Null Toleranz erzaehlt hat.
Da muss ich natuerlich ein wenig erklaeren. Osttimor ist kein islamischer Polygamistenstaat und kein westliches Land, mit anything goes als oberstem sexualmoralischem Prinzip. Die Sitten sind katholisch, man heiratet frueh und hat viele Kinder, im Durchschnitt acht pro Frau. Man vernascht hier keine Frau. Und die Frauen sind so schoen, dass man alle fuenf Meter auf eine Frau trifft, mit der man nur allzu gerne acht oder wenigstens vier Kinder haben wuerde.
Das Mitgiftsystem ist wie es scheint doch leicht anders. Ich habe eine deutsche Anthropologin, Judith, getroffen, die in einem entlegenen Dorf (10 Stunden auf dem Lastwagen) Feldarbeit betreibt. Sie ist von einer timoresischen Familie als malae Kind adoptiert worden. Judith zufolge sind stehen Haeuser in frauengebenden und frauennehmenden Beziehungen zu einander. Hinzu kommen andere Beziehungen, die den Handel von Schweinen und Bueffeln usw. betreffen. Dadurch entstehe leicht der Eindruck, dass Frauen gegen Bueffel getauscht werden, was allerdings so nicht stimmt. Beide Bewegungen sind Teile eines groesseren Beziehungskomplexes. Und in der Praxis bestimmen die Frauen sehr wohl, wen sie heiraten. Auch wenn Beziehungen mit Maennern aus den falschen Haeusern mit viel Angst eingegangen werden. Wenn keine Kinder dabei rauskommen, dann weiss man jo, wieso.
Heute habe ich mit Leuten gesprochen, die Reinado fragen wollen, ob er mir ein Interview gestattet. Die Sache ist absolut streng geheim, und die Popularitaet dieses Blogs verbietet mir, hier weitere Informationen preiszugeben. Die Namen der Zeitungen, fuer die ich als Korrespondent regelmaessig schreibe, werden ihn wohl kaum beeindrucken, kennt ja auch niemand. Ich muss mich umhoeren, wo ich ein Auto mieten kann.
Wenn ich noch ein paar Wochen hierblieben wuerde (meine letzte Woche hat begonnen), wuerde ich meinen Anteil Gewalt sicher abbekommen. Mittlerweile habe ich kein Problem mehr damit, am spaeten Abend spazieren zu gehen. Obwohl ich gestern ein mulmiges Gefuehl hatte, als ich vom Cafe im Westen ins Zentrum zurueckging. Ich hoerte Schreie, es schien mir, als hoerte ich ein paar Schuesse. Ich horchte nach Rotorengeraeuschen. Aber hier klingen viele Autos wie kleine Hubschrauber. Auf meinem Weg gab's keine Probleme. Ich habe noch ein wenig mit Strassenverkaeufern geplaudert, mit Simi und Costa. Und doch habe ich in meinem Kopf tagtraumartig Situationen durchgespielt, Duckmanoeuver, Machete-aus-der-Hand-Ringen.
In der vergangenen Woche sind fuenf Menschen getoetet worden, 24 landeten verletzt im Krankenhaus. Eine ruhige Nacht in Rio.
Gestern hat es endlich wieder anstaendig geregnet. Ich liebe diese Stadt, wenn die Luft sich mit Feuchtigkeit fuellt, und sich dieses Gefuehl von Geborgenheit herstellt. Und der Himmel faerbt sich lila. In diesen Momenten ist es egal, wohin man sieht oder die Kamera richtet. Es ist unmoeglich, etwas zu sehen, was nicht wunderschoen waere.
Habe ich ihn schon erwaehnt, den Flow in Dili? Gestern abend ging ich am Strand spazieren. Alle fuenf Meter trifft man auf jemanden, der einen anlacht (wenn man selbst den Augenkontakt sucht und freundlich ist) und gruesst, der einen fragt ba nebe? wohin?, und man kann einfach stehen bleiben und ein wenig plaudern. Der Strom aus Freundlichkeit reisst nicht ab. Ganz anders als in westlichen Laendern, wo man sich von Insel zu Insel hangelt, von den Mitbewohnern ueber die Nachbarin zu den Arbeitskollegen. Der Unterschied war frappierend, als ich an meinem Ziel, einem von malae besuchten Strandcafe, ankam. Kein Blickkontakt, kein Laecheln. Die meisten Osttimoresen reichen einem die Hand auf eine sehr sanfte Art. Die Haende laesst man oft noch waehrend des Gespraechs ineinander ruhen. Und wenn man die Hand zurueckzieht, dann laesst man die Haende aneinander entlang gleiten, wie ein Streicheln.
Der Flow ist etwas Wichtiges, etwas sehr Zentrales. Denn dieses Blog ist Teil des Planes, den geistigen Flow am fliessen zu halten. Der Flow, der einen staendig umgibt, aus dem man nie rauskommt, der nie abreisst, ist die Utopie der Postmoderne. Am Anfang kann es unangenehm wirken, es wird einem der Boden unter den Fuessen weg gezogen, der Boden, der nicht nur Text sein soll. Aber das Bild hat einen sehr positiven Aspekt, Geborgenheit im Text, Dichte, Waerme. Wie in einem Film von Alomodovar. Ironischerweise kann ich mein Umfeld ja nur sehr wenig beeinflussen, und mit vielem will man nichts zu tun haben, also laufen meine Plaene (die vielen anderen hier noch nicht vorgestellten) darauf hinaus, doch wieder Inseln zu schaffen, wenn auch Inseln des Flows.
Ich habe mit zwei poolspielenden Un-Polizisten aus dem Yemen geplaudert. Schande ueber Yemen. Waere ihr Land, diese Terroristenbrutstaette, nicht schon ein Sandhaufen, sollten Gott oder die Amerikaner es zu einem machen. Die ersten Yemeniten, die ich hier getroffen habe und die ich um Auskunft gefragt haben, konnten gerade mal genug English um Dono zu grummeln. Die beiden anderen beklagten sich jetzt ueber den Mangel an Prostituierten, und sowieso sei das nicht rein, nein, ordentliche Timoresinnen muesste man vernaschen koennen, ja, sie haetten Familie in Yemen, aber die sei ja weit weg. Wenn die UN in dein Land kommt, verstecke deine Toechter! Ein T-shirt kursiert unter der Hand in UN-Kreisen, mit einer Bulldogge drauf und dem Schriftzug: Be safe tonight. Sleep with a peacekeeper. Kein Wunder, dass der UN-Chefvertreter mir ungefragt irgendetwas von Null Toleranz erzaehlt hat.
Da muss ich natuerlich ein wenig erklaeren. Osttimor ist kein islamischer Polygamistenstaat und kein westliches Land, mit anything goes als oberstem sexualmoralischem Prinzip. Die Sitten sind katholisch, man heiratet frueh und hat viele Kinder, im Durchschnitt acht pro Frau. Man vernascht hier keine Frau. Und die Frauen sind so schoen, dass man alle fuenf Meter auf eine Frau trifft, mit der man nur allzu gerne acht oder wenigstens vier Kinder haben wuerde.
Das Mitgiftsystem ist wie es scheint doch leicht anders. Ich habe eine deutsche Anthropologin, Judith, getroffen, die in einem entlegenen Dorf (10 Stunden auf dem Lastwagen) Feldarbeit betreibt. Sie ist von einer timoresischen Familie als malae Kind adoptiert worden. Judith zufolge sind stehen Haeuser in frauengebenden und frauennehmenden Beziehungen zu einander. Hinzu kommen andere Beziehungen, die den Handel von Schweinen und Bueffeln usw. betreffen. Dadurch entstehe leicht der Eindruck, dass Frauen gegen Bueffel getauscht werden, was allerdings so nicht stimmt. Beide Bewegungen sind Teile eines groesseren Beziehungskomplexes. Und in der Praxis bestimmen die Frauen sehr wohl, wen sie heiraten. Auch wenn Beziehungen mit Maennern aus den falschen Haeusern mit viel Angst eingegangen werden. Wenn keine Kinder dabei rauskommen, dann weiss man jo, wieso.
Heute habe ich mit Leuten gesprochen, die Reinado fragen wollen, ob er mir ein Interview gestattet. Die Sache ist absolut streng geheim, und die Popularitaet dieses Blogs verbietet mir, hier weitere Informationen preiszugeben. Die Namen der Zeitungen, fuer die ich als Korrespondent regelmaessig schreibe, werden ihn wohl kaum beeindrucken, kennt ja auch niemand. Ich muss mich umhoeren, wo ich ein Auto mieten kann.
Wenn ich noch ein paar Wochen hierblieben wuerde (meine letzte Woche hat begonnen), wuerde ich meinen Anteil Gewalt sicher abbekommen. Mittlerweile habe ich kein Problem mehr damit, am spaeten Abend spazieren zu gehen. Obwohl ich gestern ein mulmiges Gefuehl hatte, als ich vom Cafe im Westen ins Zentrum zurueckging. Ich hoerte Schreie, es schien mir, als hoerte ich ein paar Schuesse. Ich horchte nach Rotorengeraeuschen. Aber hier klingen viele Autos wie kleine Hubschrauber. Auf meinem Weg gab's keine Probleme. Ich habe noch ein wenig mit Strassenverkaeufern geplaudert, mit Simi und Costa. Und doch habe ich in meinem Kopf tagtraumartig Situationen durchgespielt, Duckmanoeuver, Machete-aus-der-Hand-Ringen.
In der vergangenen Woche sind fuenf Menschen getoetet worden, 24 landeten verletzt im Krankenhaus. Eine ruhige Nacht in Rio.
Mittwoch, 24. Januar 2007
Von Helden und der UN
Bevor ihr denkt, dass ein Martialartist im Kokosnussweinrausch mich mit einer Machete aufgeschitzt hat (doch, so was passiert), hier endlich wieder ein Post.
Am Sonntag, nach meinem Eintrag, bin ich auf der Suche nach einem offenen Lokal noch ein wenig herumgelaufen. Ein Jugendlicher meinte, es sei heute gefaehrlich, ein Bus sei mit Steinen beworfen worden. Wir haben uns dann zusammengetan, ich habe ihn zum Essen eingeladen. Kurz zu seiner Person: Roi wohnt nicht weit von meinem Guesthouse entfernt, schreibt eine These ueber das timoresische Mitgiftsystem. In einem Satz: Man muss den Eltern seiner Braut einen Bueffel schenken. Wie's scheint, gibt es viele Fremde (hier malae genannt, anscheinend leicht abschaetzende, aber sehr gaengige Bezeichnung), die sich hier eine Frau suchen und dann zuruecklassen, wenn sie wieder weggehen. Meine Frage, ob man denn den Bueffel zurueckkriegt, hat er nicht ernst genommen. Habe ich schon erwaehnet, dass es hier sehr viele schoene Frauen gibt? Die meisten mit sehr vielen schoenen Kindern.
Zurueck zur Gefahr. In den letzten Naechten gab es ziemlich viele Zwischenfaelle, rund vier Tote meinen Informationen nach. Ich bekomme nicht alles mit, weil es keine englische Lokalpresse mehr gibt, die UN ihre Webseite nicht schnell updaten. Am Nuetzlichsten ist timor-online.blogspot.com, das meiste jedoch auf portugiesisch. Die UN-Mitarbeiter haben ihre eigenen Informationsquellen, an die ich nicht angeschlossen bin. Nachts habe ich ein paar Schuesse gehoert, der UN-Hubschrauber ist die ganze Nacht hindurch seine Runden gedreht.
Grob gesagt kaempfen ein paar Martialartsbanden, in den vergangenen Tagen vor allem sete-sete und PSHT, gegeneinander. Ich habe Kontakt mit einem Anfuehrer von PSHT hergestellt, aber er hatte keine Lust zu reden, es sei jetzt alles kompliziert, nein, in den naechsten Tagen sei er in einem Trainingscamp ausserhalb Dilis usw.
Am Montag habe ich ein sehr interessantes Interview mit der executive director der Frauenorganisation Rede Feto gefuehrt, ueber die Krise von einer gender issues (d.h. feministischen - es gibt hier keine schwullesbitransintersex Organisationen, obwohl es viele Menschen mit uneindeutigem Geschlecht gibt) Perspektive aus betrachtet.
Auesserst fruchtbar war Dienstag. Ich habe Arte Moris besucht, eine Kunstschule, gegruendet von einem Schweizer Ehepaar, mit eigenen Mitteln finanziert. Kostenloser Unterricht, senior Studenten wohnen in der Schule (wo auch bis zu 500 Fluechtlinge untergebracht waren und verpflegt wurden) und bekommen einen Teil vom Erloes, wenn Bilder verkauft werden, vor allem an timoresischen Gemeinschaften im Ausland, da der Bevoelkerung hier die Mittel fehlen. Ein paar Bilder behaelt die Schule, um sie spaeter an ein timoresisches Nationalmuseum uebergeben zu koennen, als Anfang einer Sammlung. Sehr friedliche Atmossphaere. Positive Vibrations (auch viele Rastafaris).Ich habe an einem Workshop zu Comiczeichnen teilgenommen. Habe mit der Dozentin geplaudert, Claudia aus Chile. Sie hatte eine sehr aufregende Kindheit. Da ihr Vater in vielen Laendern fuer die UN gearbeitet hat, ist sie viel herumgereist. Sie hat mir in einem ihrer ersten Saetze gesagt, dass sie chronisch depressiv ist (sehr schoen, wenn Leute so offen sind), vor allem wenn sie in Chile ist, und deshalb will sie auch nicht zurueck, sondern nach Australien, um dort Drama zu studieren. Als Kind haette sie in der Schule immer die Hauptrollen gekriegt.
Lucca, der Gruender der Schule, hat viel auf die UN geschimpft, Inbegriff von Inkompetenz, Buerokratie und Ineffizienz. Natuerlich hat er Recht.
Ich habe mich dann mit einem jungen Kuenstler unterhalten, Savio, ein sehr ernster Typ, sehr beeindruckend. Er drueckt sich in seinen Bildern aus, scheint ihm viel Sicherheit zu geben, er versucht nicht alles, was hier vorgeht, zu erklaeren. Im Februar stellt er Bilder in Melbourne aus, dann sehe ich ihn hoffentlich wieder.
Arte Moris hat mich sehr beeindruckt. Wenn in Osttimor alles so funktionieren wuerde, gaebe es keine Probleme. Doch solche Projekte kann keine UN auf die Beine stellen. Sehr schade, dass ich selbst nicht kuenstlerisch veranlagt bin. Ein Comic, der die Geschichte Osttimors erzaehlt, im Stil von Art Spiegelmans Maus oder den Buechern einer bestimmten iranischen Comiczeichnerin, deren Namen ich vergessen habe, ist genau, was man braucht. Aber den muss ein Timorese zeichnen.
Savio hat mir die Telephonnummer von Max Stahl gegeben, mich aber gewarnt, Max sei immerzu busy.
Ganz so busy war er dann doch nicht. Wir haben uns am Abend in der Lounge des Timor Hotel getroffen - Luxushotel und Ort schlechthin fuer einen Kaffee spaet abends. Max Stahl ist ein Held. Er hat in Osttimor und in vielen anderen Krisengebieten Filme gedreht und hat dabei unzaehlige Male sein Leben riskiert. Vor allem hat er Aufnahmen vom Santa Cruz Massaker gemacht, die viele Menschen erstmals auf die Menschenrechtsverstoesse unter der indonesischen Besatzung aufmerksam machten. 1999, nach dem Referendum, als die UN das Land verliessen, nachdem die proindonesischen Milizen mit Hilfe der regulaeren indonesischen Armee ganz Dili niederbrannten (die Luftaufnahmen der Ruinen sind erschuetternd) und innerhalb einer Woche 5000 Menschen umbrachten, blieb Max hier und folgte der Bevoelkerung in die Berge. Zusammen mit John Malinkus ist er einer der Journalisten, die durch ihre Arbeit in Osttimor viel zur Unabhaengigkeit beigetragen haben.
Ich sass also mit Max Stahl in der Hotellounge, und wir haben uns vor allem ueber die momentane Situation unterhalten, auch er nimmt die UN nicht sehr ernst, auch wenn ich immer wieder Fragen habe einfliessen lassen, um Biographisches aus ihm herauszukitzeln. Er hat meine Ansicht bestaetigt, dass eines der Hauptprobleme ist, dass das Gefuehl nationaler Einheit, das waehrend des Unabhaengigkeitskampfes sehr stark war, nicht in die Rekonstruktionsphase hinuebergerettet wurde. Zum Teil ist die UN daran schuld. Sie sind hier angekommen mit ihren fertigen Vorstellungen, wie ein Staat zu funktionieren hat. Zu einer Regierung der nationalen Einheit, die als Uebergang zu einem Mehrparteiensystem geplant war, ist es nie gekommen. Vor allem hat die UN den Timoresen zu viel Verantwortung abgenommen, so dass viele die Institutionen nicht als IHRE Institutionen empfinden. Deshalb die Entfremdung, deshalb die Gewalt. Hinzu kommt natuerlich die Rivalitaeten zwischen verschiedenen Gruppen, Korruption und Nepotismus (viele Verwandte, viele Freunde) usw.
Fazit: Die interessantesten Menschen haben keinen Job, sondern machen, was sie fuer wichtig halten. Arbeiten fuer sich selbst und nicht fuer irgendeine Organisation. Zum Glueck werde ich jetzt fuer mein Studium bezahlt, so weiss ich wenigstens, wieso ich studiere.
Dann bin ich - mittlerweile war es dunkel - zu Fuss nach Hause gelaufen. Um die Zeit fahren keine Taxis mehr. Die Stadt war wie ausgestorben, sehr gespenstisch.
Heute habe ich mit Jose gesprochen. Er arbeitet fuer das CAVR, die Kommission fuer Frieden und Versoehnung, oder so aehnlich. Er hat auch erzaehlt von 99, als er in die Berge fluechtete. Seine schwangere Frau wurde nach Westtimor deportiert. Monate lang hoerte er nichts von ihr. Dann erzaehlt jemand ihm, er habe einen Sohn bekommen. Am gleichen Tag hoerte er, sein Sohn sei gestorben.
Die interessantesten Gespraeche habe ich nicht auf Tonband. Und wenn ich das Geraet einschalten wuerde, wuerde wahrscheinlich weniger Interessantes herauskommen. Aber es macht auch keinen Sinn, hier Gespraeche zu sammeln. Was soll ich damit machen? Ein Archiv anlegen? Eine Privatsammlung mit Fragmenten aus TL?
Bei Interviews gibt es ein bestimmtes Dilemma: Wichtige Typen lassen sich besser verkaufen, reden aber nur langweiligen Mist. Wenn jemand eine wichtige Position innehat, kann er nicht aus seiner offiziellen Rolle hinausgehen, und rattert nur Standardsprueche ab.
Heute habe ich den Chef der UN-Mission interviewt. Sehr schwierig, Inhalt reinzubringen. Man stellt eine kleine Frage, und schon rattert sie los, die Antwortmaschine, mit eingeschaltetem Autopiloten. Ich haette das Interview ein wenig anders drehen muessen. Vielleicht ein ein wenig provozierende Frage am Anfang, um den Typen auf dem falschen Fuss zu erwischen. Aber spaeter ist man immer klueger.
Am Abend werde ich versuchen, ein IDP-Lager zu besuchen. Ich habe gestern einen Timoresen getroffen, der im Jardin wohnt, einem Lager direkt vor dem Timor Hotel und bekannt als Unruheherd.
Vor allem werde ich versuchen, ein Treffen mit dem Rebellenanfuehrer Alfredo Reinado zu arrangieren. Ich weiss nicht, ob das mich klueger machen wuerde. Auf jeden Fall waere es eine gute Story und wuerde mir einen Grund geben, aus Dili rauszugehen.
Am Sonntag, nach meinem Eintrag, bin ich auf der Suche nach einem offenen Lokal noch ein wenig herumgelaufen. Ein Jugendlicher meinte, es sei heute gefaehrlich, ein Bus sei mit Steinen beworfen worden. Wir haben uns dann zusammengetan, ich habe ihn zum Essen eingeladen. Kurz zu seiner Person: Roi wohnt nicht weit von meinem Guesthouse entfernt, schreibt eine These ueber das timoresische Mitgiftsystem. In einem Satz: Man muss den Eltern seiner Braut einen Bueffel schenken. Wie's scheint, gibt es viele Fremde (hier malae genannt, anscheinend leicht abschaetzende, aber sehr gaengige Bezeichnung), die sich hier eine Frau suchen und dann zuruecklassen, wenn sie wieder weggehen. Meine Frage, ob man denn den Bueffel zurueckkriegt, hat er nicht ernst genommen. Habe ich schon erwaehnet, dass es hier sehr viele schoene Frauen gibt? Die meisten mit sehr vielen schoenen Kindern.
Zurueck zur Gefahr. In den letzten Naechten gab es ziemlich viele Zwischenfaelle, rund vier Tote meinen Informationen nach. Ich bekomme nicht alles mit, weil es keine englische Lokalpresse mehr gibt, die UN ihre Webseite nicht schnell updaten. Am Nuetzlichsten ist timor-online.blogspot.com, das meiste jedoch auf portugiesisch. Die UN-Mitarbeiter haben ihre eigenen Informationsquellen, an die ich nicht angeschlossen bin. Nachts habe ich ein paar Schuesse gehoert, der UN-Hubschrauber ist die ganze Nacht hindurch seine Runden gedreht.
Grob gesagt kaempfen ein paar Martialartsbanden, in den vergangenen Tagen vor allem sete-sete und PSHT, gegeneinander. Ich habe Kontakt mit einem Anfuehrer von PSHT hergestellt, aber er hatte keine Lust zu reden, es sei jetzt alles kompliziert, nein, in den naechsten Tagen sei er in einem Trainingscamp ausserhalb Dilis usw.
Am Montag habe ich ein sehr interessantes Interview mit der executive director der Frauenorganisation Rede Feto gefuehrt, ueber die Krise von einer gender issues (d.h. feministischen - es gibt hier keine schwullesbitransintersex Organisationen, obwohl es viele Menschen mit uneindeutigem Geschlecht gibt) Perspektive aus betrachtet.
Auesserst fruchtbar war Dienstag. Ich habe Arte Moris besucht, eine Kunstschule, gegruendet von einem Schweizer Ehepaar, mit eigenen Mitteln finanziert. Kostenloser Unterricht, senior Studenten wohnen in der Schule (wo auch bis zu 500 Fluechtlinge untergebracht waren und verpflegt wurden) und bekommen einen Teil vom Erloes, wenn Bilder verkauft werden, vor allem an timoresischen Gemeinschaften im Ausland, da der Bevoelkerung hier die Mittel fehlen. Ein paar Bilder behaelt die Schule, um sie spaeter an ein timoresisches Nationalmuseum uebergeben zu koennen, als Anfang einer Sammlung. Sehr friedliche Atmossphaere. Positive Vibrations (auch viele Rastafaris).Ich habe an einem Workshop zu Comiczeichnen teilgenommen. Habe mit der Dozentin geplaudert, Claudia aus Chile. Sie hatte eine sehr aufregende Kindheit. Da ihr Vater in vielen Laendern fuer die UN gearbeitet hat, ist sie viel herumgereist. Sie hat mir in einem ihrer ersten Saetze gesagt, dass sie chronisch depressiv ist (sehr schoen, wenn Leute so offen sind), vor allem wenn sie in Chile ist, und deshalb will sie auch nicht zurueck, sondern nach Australien, um dort Drama zu studieren. Als Kind haette sie in der Schule immer die Hauptrollen gekriegt.
Lucca, der Gruender der Schule, hat viel auf die UN geschimpft, Inbegriff von Inkompetenz, Buerokratie und Ineffizienz. Natuerlich hat er Recht.
Ich habe mich dann mit einem jungen Kuenstler unterhalten, Savio, ein sehr ernster Typ, sehr beeindruckend. Er drueckt sich in seinen Bildern aus, scheint ihm viel Sicherheit zu geben, er versucht nicht alles, was hier vorgeht, zu erklaeren. Im Februar stellt er Bilder in Melbourne aus, dann sehe ich ihn hoffentlich wieder.
Arte Moris hat mich sehr beeindruckt. Wenn in Osttimor alles so funktionieren wuerde, gaebe es keine Probleme. Doch solche Projekte kann keine UN auf die Beine stellen. Sehr schade, dass ich selbst nicht kuenstlerisch veranlagt bin. Ein Comic, der die Geschichte Osttimors erzaehlt, im Stil von Art Spiegelmans Maus oder den Buechern einer bestimmten iranischen Comiczeichnerin, deren Namen ich vergessen habe, ist genau, was man braucht. Aber den muss ein Timorese zeichnen.
Savio hat mir die Telephonnummer von Max Stahl gegeben, mich aber gewarnt, Max sei immerzu busy.
Ganz so busy war er dann doch nicht. Wir haben uns am Abend in der Lounge des Timor Hotel getroffen - Luxushotel und Ort schlechthin fuer einen Kaffee spaet abends. Max Stahl ist ein Held. Er hat in Osttimor und in vielen anderen Krisengebieten Filme gedreht und hat dabei unzaehlige Male sein Leben riskiert. Vor allem hat er Aufnahmen vom Santa Cruz Massaker gemacht, die viele Menschen erstmals auf die Menschenrechtsverstoesse unter der indonesischen Besatzung aufmerksam machten. 1999, nach dem Referendum, als die UN das Land verliessen, nachdem die proindonesischen Milizen mit Hilfe der regulaeren indonesischen Armee ganz Dili niederbrannten (die Luftaufnahmen der Ruinen sind erschuetternd) und innerhalb einer Woche 5000 Menschen umbrachten, blieb Max hier und folgte der Bevoelkerung in die Berge. Zusammen mit John Malinkus ist er einer der Journalisten, die durch ihre Arbeit in Osttimor viel zur Unabhaengigkeit beigetragen haben.
Ich sass also mit Max Stahl in der Hotellounge, und wir haben uns vor allem ueber die momentane Situation unterhalten, auch er nimmt die UN nicht sehr ernst, auch wenn ich immer wieder Fragen habe einfliessen lassen, um Biographisches aus ihm herauszukitzeln. Er hat meine Ansicht bestaetigt, dass eines der Hauptprobleme ist, dass das Gefuehl nationaler Einheit, das waehrend des Unabhaengigkeitskampfes sehr stark war, nicht in die Rekonstruktionsphase hinuebergerettet wurde. Zum Teil ist die UN daran schuld. Sie sind hier angekommen mit ihren fertigen Vorstellungen, wie ein Staat zu funktionieren hat. Zu einer Regierung der nationalen Einheit, die als Uebergang zu einem Mehrparteiensystem geplant war, ist es nie gekommen. Vor allem hat die UN den Timoresen zu viel Verantwortung abgenommen, so dass viele die Institutionen nicht als IHRE Institutionen empfinden. Deshalb die Entfremdung, deshalb die Gewalt. Hinzu kommt natuerlich die Rivalitaeten zwischen verschiedenen Gruppen, Korruption und Nepotismus (viele Verwandte, viele Freunde) usw.
Fazit: Die interessantesten Menschen haben keinen Job, sondern machen, was sie fuer wichtig halten. Arbeiten fuer sich selbst und nicht fuer irgendeine Organisation. Zum Glueck werde ich jetzt fuer mein Studium bezahlt, so weiss ich wenigstens, wieso ich studiere.
Dann bin ich - mittlerweile war es dunkel - zu Fuss nach Hause gelaufen. Um die Zeit fahren keine Taxis mehr. Die Stadt war wie ausgestorben, sehr gespenstisch.
Heute habe ich mit Jose gesprochen. Er arbeitet fuer das CAVR, die Kommission fuer Frieden und Versoehnung, oder so aehnlich. Er hat auch erzaehlt von 99, als er in die Berge fluechtete. Seine schwangere Frau wurde nach Westtimor deportiert. Monate lang hoerte er nichts von ihr. Dann erzaehlt jemand ihm, er habe einen Sohn bekommen. Am gleichen Tag hoerte er, sein Sohn sei gestorben.
Die interessantesten Gespraeche habe ich nicht auf Tonband. Und wenn ich das Geraet einschalten wuerde, wuerde wahrscheinlich weniger Interessantes herauskommen. Aber es macht auch keinen Sinn, hier Gespraeche zu sammeln. Was soll ich damit machen? Ein Archiv anlegen? Eine Privatsammlung mit Fragmenten aus TL?
Bei Interviews gibt es ein bestimmtes Dilemma: Wichtige Typen lassen sich besser verkaufen, reden aber nur langweiligen Mist. Wenn jemand eine wichtige Position innehat, kann er nicht aus seiner offiziellen Rolle hinausgehen, und rattert nur Standardsprueche ab.
Heute habe ich den Chef der UN-Mission interviewt. Sehr schwierig, Inhalt reinzubringen. Man stellt eine kleine Frage, und schon rattert sie los, die Antwortmaschine, mit eingeschaltetem Autopiloten. Ich haette das Interview ein wenig anders drehen muessen. Vielleicht ein ein wenig provozierende Frage am Anfang, um den Typen auf dem falschen Fuss zu erwischen. Aber spaeter ist man immer klueger.
Am Abend werde ich versuchen, ein IDP-Lager zu besuchen. Ich habe gestern einen Timoresen getroffen, der im Jardin wohnt, einem Lager direkt vor dem Timor Hotel und bekannt als Unruheherd.
Vor allem werde ich versuchen, ein Treffen mit dem Rebellenanfuehrer Alfredo Reinado zu arrangieren. Ich weiss nicht, ob das mich klueger machen wuerde. Auf jeden Fall waere es eine gute Story und wuerde mir einen Grund geben, aus Dili rauszugehen.
Sonntag, 21. Januar 2007
Ich wollte eigentlich ins Kino
Ein sehr guter Tag heute. Aber zuerst der Hypochonderpart des Posts. Meine Verdauung ist laengst wieder optimal. Einziges Gesundheitsproblem ist eine Erkaeltung, in der das Schwitzen schuld ist. Hinzu kommt sehr leichte Atemnot bedingt durch den Staub auf Dilis Strassen. Der Monsoon scheint dieser Jahr auszubleiben. Die IDPs freuen sich darueber.
Wieso ist heute denn ein guter Tag? Nun, ich habe meine Strategie geaendert, ganz unabsichtlich. Heute mittag habe ich auf dem Unicampus nach der Aula gesucht, wo eine Filmvorfuehrung stattfinden sollte. Zuerst bin ich auf eine Turnhalle gestossen, wo ein paar Timoresen Pingpong und Badminton spielten. Leider haben viele Timoresen die Gewohnheit, wenn man um Auskunft bittet, so zu tun, als ob sie Bescheid wuessten, auch wenn sie keine Ahnung haben. Ich frage also nach der Aula. Alle versichern mir, ja, das hier ist die Aula. Laeuft hier ein Film (Filem)? Ja, um fuenf. Sicher um fuenf? Nicht vielleicht um eins? Jaja, um eins.
Natuerlich kein Film weit und breit. Keine Leinwand in Sicht. Dann wurde ich auf der Suche nach der Aula in ein paar falsche Richtungen geschickt. Bis ich schliesslich auf ein Gruppe junger Maenner gestossen bin. Wir haben ein wenig auf, dann ueber Tetum geplaudert (sehr schneller Uebergang bedingt durch geringe Tetumkenntnisse meinerseits, ituan ituan), dann wurde es schnell politisch (ja, ich habe das Gespraech vorsichtig in diese Richtung gelenkt: Nun sagt mal, dieser Konflikt hier ...). Um es kurz zu machen: Das interessanteste Gespraech, das ich hier hatte. Ein Typ hat mir seine persoenliche Version der drei-Fronten-Theorie erlaeutert. Ehemalige Untergrundkaempfer (vor allem Studenten, jung, aus dem Westen), ehemalige Guerilleros (aelter, aus dem Osten) und Diplomaten (aus dem Exil, wo sie groessere Bildungschancen hatten) ringen um Macht und Einfluss. Okay, ich will jetzt nicht in Details gehen. Als Westosttimoresen (im Gegensatz zu Westtimoresen und Ostosttimoresen) sind die drei begeisterte Anhaenger von Alfredo Reinado, einem so genannten Rebellenanfuehrer, der waehrend der Krise desertiert ist und sich nun in den Bergen um Elmera verschanzt. Angeblich in Gewehrfeuerhoerweite von Dili. Wenn er Schuesse hoert, wird er nach Dili kommen, um mit den korrupten Politikern aufzuraeumen und fuer Gerechtigkeit zu sorgen, so sagt er. Der Typ ist hier eine Art Medienstar geworden, vielleicht kann ich ihn ja auch mal treffen.
Im Allgemeinen: Die Probleme in Osttimor ruehren von den vielen Egos her, die hier mitmischen. Die verschiedenen Fraktionen innerhalb der Timoresischen Gesellschaft, verschiedene Politiker und deren Familien, NGOs und UN-Agenturen, alle verfolgen eigene Interessen, die mit der Entwicklung des Landes nichts zu tun haben. Natuerlich kommen noch ein paar Sachen hinzu, ein Mangel an ausgebildeten Arbeitskraeften und an Bildung allgemein, so dass die Massen leicht manipuliert werden koennen. Und letzten Endes bedingen viele Probleme sich gegenseitig, und die Zusammenhaenge sind komplizierter. Aber wenn die Beteiligten ihre Eigeninteressen hintenan stellen wuerden, koennten alle anderen Probleme leicht geloest werden. Doch wahrscheinlich werden die Timoresen auf die naechste Generation warten muessen, die diese engen identitaeren Kategorien ueberwinden kann.
Das ganze Gespraech hat drei vier Stunden gedauert, dann habe ich die Jungs (Atino, Alito und einen schweigsamen Dritten) auf ein Bier eingeladen, und wir sind auf Motorraeder durch die Stadt gekrust.
Wieso ist heute denn ein guter Tag? Nun, ich habe meine Strategie geaendert, ganz unabsichtlich. Heute mittag habe ich auf dem Unicampus nach der Aula gesucht, wo eine Filmvorfuehrung stattfinden sollte. Zuerst bin ich auf eine Turnhalle gestossen, wo ein paar Timoresen Pingpong und Badminton spielten. Leider haben viele Timoresen die Gewohnheit, wenn man um Auskunft bittet, so zu tun, als ob sie Bescheid wuessten, auch wenn sie keine Ahnung haben. Ich frage also nach der Aula. Alle versichern mir, ja, das hier ist die Aula. Laeuft hier ein Film (Filem)? Ja, um fuenf. Sicher um fuenf? Nicht vielleicht um eins? Jaja, um eins.
Natuerlich kein Film weit und breit. Keine Leinwand in Sicht. Dann wurde ich auf der Suche nach der Aula in ein paar falsche Richtungen geschickt. Bis ich schliesslich auf ein Gruppe junger Maenner gestossen bin. Wir haben ein wenig auf, dann ueber Tetum geplaudert (sehr schneller Uebergang bedingt durch geringe Tetumkenntnisse meinerseits, ituan ituan), dann wurde es schnell politisch (ja, ich habe das Gespraech vorsichtig in diese Richtung gelenkt: Nun sagt mal, dieser Konflikt hier ...). Um es kurz zu machen: Das interessanteste Gespraech, das ich hier hatte. Ein Typ hat mir seine persoenliche Version der drei-Fronten-Theorie erlaeutert. Ehemalige Untergrundkaempfer (vor allem Studenten, jung, aus dem Westen), ehemalige Guerilleros (aelter, aus dem Osten) und Diplomaten (aus dem Exil, wo sie groessere Bildungschancen hatten) ringen um Macht und Einfluss. Okay, ich will jetzt nicht in Details gehen. Als Westosttimoresen (im Gegensatz zu Westtimoresen und Ostosttimoresen) sind die drei begeisterte Anhaenger von Alfredo Reinado, einem so genannten Rebellenanfuehrer, der waehrend der Krise desertiert ist und sich nun in den Bergen um Elmera verschanzt. Angeblich in Gewehrfeuerhoerweite von Dili. Wenn er Schuesse hoert, wird er nach Dili kommen, um mit den korrupten Politikern aufzuraeumen und fuer Gerechtigkeit zu sorgen, so sagt er. Der Typ ist hier eine Art Medienstar geworden, vielleicht kann ich ihn ja auch mal treffen.
Im Allgemeinen: Die Probleme in Osttimor ruehren von den vielen Egos her, die hier mitmischen. Die verschiedenen Fraktionen innerhalb der Timoresischen Gesellschaft, verschiedene Politiker und deren Familien, NGOs und UN-Agenturen, alle verfolgen eigene Interessen, die mit der Entwicklung des Landes nichts zu tun haben. Natuerlich kommen noch ein paar Sachen hinzu, ein Mangel an ausgebildeten Arbeitskraeften und an Bildung allgemein, so dass die Massen leicht manipuliert werden koennen. Und letzten Endes bedingen viele Probleme sich gegenseitig, und die Zusammenhaenge sind komplizierter. Aber wenn die Beteiligten ihre Eigeninteressen hintenan stellen wuerden, koennten alle anderen Probleme leicht geloest werden. Doch wahrscheinlich werden die Timoresen auf die naechste Generation warten muessen, die diese engen identitaeren Kategorien ueberwinden kann.
Das ganze Gespraech hat drei vier Stunden gedauert, dann habe ich die Jungs (Atino, Alito und einen schweigsamen Dritten) auf ein Bier eingeladen, und wir sind auf Motorraeder durch die Stadt gekrust.
Samstag, 20. Januar 2007
Schwitzen im Internet Cafe
Heute nur kurz, weil diese scheissteure und schrecklich langsame Internetverbindung mich in den Wahnsinn treibt. Wochenenden sind furchtbar. Wochenenden sind Tage ohne Timor Telekom.
Meinen gestrigen Plan, der unter dem Arbeitstitel "Kekse, Bier und Eiscreme" stand, habe ich zufriedenstellend umgesetzt. Zeit, ueber meine naechsten Vorhaben nachzudenken: Sonntag ist Kinotag. In der Aula der Universitaet wird irgendein Film gezeigt werden. Sicherheit ist, laut Flyer, garantiert. Montag und Dienstag dann hoffentlich zwei Interviews. Dann brauche ich noch ein Gespraech mit Regierungsleuten, vielleicht dem Wirtschaftsminister, und vor allem muss ich einen kubanischen Arzt treffen, denn das ist einer meiner Kindheitstraeume. Seit seinem Pfeilzwischenfall hat Chris sehr gute Kontakte zu kubanischen Aerzten.
Vielleicht kann ich mit einer Gruppe von Studenten aus Australien durchs Hinterland reisen. Sie wollen ueber laendliche Entwicklung recherchieren.
Ansonsten bin ich ein wenig frustriert, weil ich das Gefuehl habe, nicht genug zu tun, um unter die Oberflaeche zu kommen. Die Informationen liegen ja ueberall herum, man muss nur dran kommen. Ja, und dann ist da noch die staendige Ambivalenz des Outsiders und Voyeurs... blablabla... Und dieses verdammte Schwitzen.
Meinen gestrigen Plan, der unter dem Arbeitstitel "Kekse, Bier und Eiscreme" stand, habe ich zufriedenstellend umgesetzt. Zeit, ueber meine naechsten Vorhaben nachzudenken: Sonntag ist Kinotag. In der Aula der Universitaet wird irgendein Film gezeigt werden. Sicherheit ist, laut Flyer, garantiert. Montag und Dienstag dann hoffentlich zwei Interviews. Dann brauche ich noch ein Gespraech mit Regierungsleuten, vielleicht dem Wirtschaftsminister, und vor allem muss ich einen kubanischen Arzt treffen, denn das ist einer meiner Kindheitstraeume. Seit seinem Pfeilzwischenfall hat Chris sehr gute Kontakte zu kubanischen Aerzten.
Vielleicht kann ich mit einer Gruppe von Studenten aus Australien durchs Hinterland reisen. Sie wollen ueber laendliche Entwicklung recherchieren.
Ansonsten bin ich ein wenig frustriert, weil ich das Gefuehl habe, nicht genug zu tun, um unter die Oberflaeche zu kommen. Die Informationen liegen ja ueberall herum, man muss nur dran kommen. Ja, und dann ist da noch die staendige Ambivalenz des Outsiders und Voyeurs... blablabla... Und dieses verdammte Schwitzen.
Freitag, 19. Januar 2007
Nazis und Spielzeuggewehre
Ein paar lustigere Sachen habe ich vergessen, in meinem Letzten Block zu erwaehnen. Vor allem: Ich bin auf die Mitglieder einer Nazi Street Gang gestossen. Und habe einen Fotobeweis. Die ideologische Schulung laesst allerdings zu wuenschen uebrig. Die Nazis sind sehr nett und freundlich und wissen nicht, dass bei Hakenkreuzen die Richtung nicht beliebig ist. Vielleicht gruendet sich ja mal eine internationale Nazi NGO zum skill transfer.
Die Lieblingsspielzeuge von Dilis Kindern sind uebrigens Plastikgewehre. Wenn's Streit gibt, rufen sie wohl ihre grossen Brueder mit den echten Guns. Macht sich bestimmt gut auf Fotos. Schlagzeile: Schwerbewaffnete Fuenfjaehrige terrorisieren Dilis Einwohner. Vielleicht fliegen die Australier dann eine Staffel Kindergaertnerinnen ein. Wuerde auch den Militaers gefallen. Thailaendische Massagen werden doch auch irgendwann langweilig.
Auch: Ich habe gestern mein erstes Blut vergossen. Ein fieser Stein. Hat mich am Fuss erwischt. Genauer gesagt, habe ich den Stein erwischt. Mit meinem Fuss. Schuld sind eher die Sandalen als die Strassenkinder. Und da ich Desinfektionsspray und Pflaster dabei hatte, kann ich leider auch nicht mit Komplikationen aufwarten. Also doch kein Scoop.
Unter massivem UN-Schutz werden zurzeit Fussgaengerstreifen aufgemalt. Jetzt muss man Autofahrern nur noch beibringen, davor stehenzubleiben. Verkehr ist allgemein chaotisch. Unfaelle werden vermieden, indem Verkehrsteilnehmer andauernd hupen, wenn sie aneinander oder an Fussgaengern vorbeifahren. Auch sind die meisten Strassen zu Einbahnstrassen erklaert worden. Gestern dachte ich, als ein Jeep mit viel zu hoher Geschwindigkeit an mir vorbeibrauste, dass es eigentlich ein Wunder ist, dass ich noch keinen Unfall miterlebt habe. Fuenf Sekunden spaeter ist vor meinen Augen ein Hund unter die Raeder geraten. Ein furchtbares Heulen. Es ist ihm aber nichts passiert. Der Hund ist unversehrt hinten rausgekommend und jaulend in einen Hinterhof gefluechtet. Es klappt nicht so recht mit der Gewalt hier.
Meine Plaene fuer die naechsten Stunden betreffen Kekse, Bier und Eiscreme. Ich leide unter einem akuten Schokoladenmangel. Bier ist leider so teuer wie in Australien, und der selbstproduzierte Kokosnussfusel (siehe vorigen Eintrag) ist leider ungeniessbar, da kann man so viel Zucker reinschuetten, wie man will. Schmeckt nach Essig. Wie kann man nur so etwas Herrliches wie Kokosnusssaft in so etwas Furchtbares wie Kokosnusswein umwandeln?!
Heute hatte ich ein Gespraech mit dem Chef-Koordinator von Timor Post, einer Zeitung, die anscheinend sehr viel auf ihre Unabhaengigkeit gibt. Nach dem eigentlichen Interview hat er mich dann ausgefragt. Er wollte wissen, wie sie ihre Zeitung verbessern koennen. Also: Wie wird man ein guter Journalist? Was soll ich Hobbyjournalist ihm denn darauf antworten?! Sollte man recherchieren, wenn man weiss, dass ein Freund Probleme bekommt? In Dili ist halt jeder irgendwie mit jedem anderen verwandt oder befreundet, da kommt es schnell zu Interessenkonflikten. Ich habe mein Wissen natuerlich sehr gerne geteilt und habe mich irgendwie herausgeredet. Uebrigens: Wenn ihr jemanden kennt, der eine Druckerpresse loswerden will und der die Transportkosten nach Dili gern uebernimmt, dann meldet euch doch bitte bei Timor Post. Neben dem Formento Building (sollte als Adresse reichen).
Anfang naechster Woche treffe ich mich hoffentlich mit jemandem von Rede Feto, einer Frauenorganisation, von der ich erwarte, dass sie bestaetigt, dass die Gewalt ein Problem pubertierender maennlicher Jugendlicher ist (was stimmt), und jemandem von UNPol, der mich mit Informationen ueber die Entwicklung der Sicherheitslage nach der Krise im April/Mai fuettern kann.
Die Lieblingsspielzeuge von Dilis Kindern sind uebrigens Plastikgewehre. Wenn's Streit gibt, rufen sie wohl ihre grossen Brueder mit den echten Guns. Macht sich bestimmt gut auf Fotos. Schlagzeile: Schwerbewaffnete Fuenfjaehrige terrorisieren Dilis Einwohner. Vielleicht fliegen die Australier dann eine Staffel Kindergaertnerinnen ein. Wuerde auch den Militaers gefallen. Thailaendische Massagen werden doch auch irgendwann langweilig.
Auch: Ich habe gestern mein erstes Blut vergossen. Ein fieser Stein. Hat mich am Fuss erwischt. Genauer gesagt, habe ich den Stein erwischt. Mit meinem Fuss. Schuld sind eher die Sandalen als die Strassenkinder. Und da ich Desinfektionsspray und Pflaster dabei hatte, kann ich leider auch nicht mit Komplikationen aufwarten. Also doch kein Scoop.
Unter massivem UN-Schutz werden zurzeit Fussgaengerstreifen aufgemalt. Jetzt muss man Autofahrern nur noch beibringen, davor stehenzubleiben. Verkehr ist allgemein chaotisch. Unfaelle werden vermieden, indem Verkehrsteilnehmer andauernd hupen, wenn sie aneinander oder an Fussgaengern vorbeifahren. Auch sind die meisten Strassen zu Einbahnstrassen erklaert worden. Gestern dachte ich, als ein Jeep mit viel zu hoher Geschwindigkeit an mir vorbeibrauste, dass es eigentlich ein Wunder ist, dass ich noch keinen Unfall miterlebt habe. Fuenf Sekunden spaeter ist vor meinen Augen ein Hund unter die Raeder geraten. Ein furchtbares Heulen. Es ist ihm aber nichts passiert. Der Hund ist unversehrt hinten rausgekommend und jaulend in einen Hinterhof gefluechtet. Es klappt nicht so recht mit der Gewalt hier.
Meine Plaene fuer die naechsten Stunden betreffen Kekse, Bier und Eiscreme. Ich leide unter einem akuten Schokoladenmangel. Bier ist leider so teuer wie in Australien, und der selbstproduzierte Kokosnussfusel (siehe vorigen Eintrag) ist leider ungeniessbar, da kann man so viel Zucker reinschuetten, wie man will. Schmeckt nach Essig. Wie kann man nur so etwas Herrliches wie Kokosnusssaft in so etwas Furchtbares wie Kokosnusswein umwandeln?!
Heute hatte ich ein Gespraech mit dem Chef-Koordinator von Timor Post, einer Zeitung, die anscheinend sehr viel auf ihre Unabhaengigkeit gibt. Nach dem eigentlichen Interview hat er mich dann ausgefragt. Er wollte wissen, wie sie ihre Zeitung verbessern koennen. Also: Wie wird man ein guter Journalist? Was soll ich Hobbyjournalist ihm denn darauf antworten?! Sollte man recherchieren, wenn man weiss, dass ein Freund Probleme bekommt? In Dili ist halt jeder irgendwie mit jedem anderen verwandt oder befreundet, da kommt es schnell zu Interessenkonflikten. Ich habe mein Wissen natuerlich sehr gerne geteilt und habe mich irgendwie herausgeredet. Uebrigens: Wenn ihr jemanden kennt, der eine Druckerpresse loswerden will und der die Transportkosten nach Dili gern uebernimmt, dann meldet euch doch bitte bei Timor Post. Neben dem Formento Building (sollte als Adresse reichen).
Anfang naechster Woche treffe ich mich hoffentlich mit jemandem von Rede Feto, einer Frauenorganisation, von der ich erwarte, dass sie bestaetigt, dass die Gewalt ein Problem pubertierender maennlicher Jugendlicher ist (was stimmt), und jemandem von UNPol, der mich mit Informationen ueber die Entwicklung der Sicherheitslage nach der Krise im April/Mai fuettern kann.
Donnerstag, 18. Januar 2007
Weiter geht's mit Interviews
Vielleicht sollte ich meinen Ansatz ueberdenken. Der Interview-Ansatz hat den Vorteil, dass Interviews Gespraechen einen bekannten Rahmen geben. Jeder weiss, wie so ein Interview funktioniert, als Frage-Antwort-Spiel, jeder weiss, dass Journalisten nun mal so was machen, jeder bleibt innerhalb seiner comfort zone. Nachteil ist leider, dass die Interviewten immer in ihrer offiziellen Rolle bleiben. Meistens kommt ein Moment, in dem der Interviewte in Fahrt geraet, und man merkt, hier wird's ein wenig persoenlich, aber das war's dann auch. Vielleicht haengt's auch einfach von den Leuten ab.
Heute habe ich ein Interview mit zwei Leuten vom RTTL gefuehrt und, obwohl ich alle Fakten bekommen habe, die ich von den Leuten erwarten konnte, blieb es doch recht langweilig. Und zeigt wie ineffizient hier vieles laeuft. Die Webseite des 2002 gegruendeten RTTL steht noch immer nicht, aber drei vermutlich auslaendische Techniker werden sich darum kuemmern. Als ob man eine Webseite nicht in einer Woche hochfahren koennte.
Ich wollte auch an einer UN-Pressekonferenz teilnehmen. Am Hintereingang der Obrigadu Barracks (UN-Hauptquartier) hat ein indischer UN-Mitarbeiter mir irgendetwas erklaeren wollen - voellig vergeblich, weil ich kein einziges Wort von seinem Englisch verstehen konnte. Ich dachte nicht, dass so etwas moeglich ist. Am Haupteingang wurde mir dann mitgeteilt, die Konferenz waere in ein Hotel verlegt worden, und ich war nicht motiviert genug, um der Konferenz hinterherzujagen. Den Nachmittag habe ich dann teilweise in meinen Zimmer verbracht, mit einem nassen Tuch auf den brennenden Augen. Wahrscheinlich nur Sonnencreme in den Augen, aber so eine laecherliche Kleingigkeit hat ausgereicht, um mich zwei Stunden lang von jeder Aktivitaet fernzuhalten.
In den naechsten Tagen werde ich meinen Blick staerker auf die Sicherheitsentwicklung nach der Krise im April/Mai richten. Mit Interviews (ja doch) mit Fokupers zu Gender-Fragen, jemandem aus dem Justizsystem, jemandem von den Sicherheitskraeften (vielleicht UNPOL), einem Anfuehrer einer so genannten Martial Arts Gang (vielleicht kann mir Ismenio, ein Gangmitglied, dabei helfen), und Timor Post, letzteres ueber die Verantwortung von und den Umgang in den Medien.
Ansonsten: Ich habe mir bei einem Strassenhaendler etwas gekauft, was nach selbstfabriziertem Kokosnusswein aussieht und, mit Zucker, vielleicht sogar gut schmecken wird.
Heute habe ich ein Interview mit zwei Leuten vom RTTL gefuehrt und, obwohl ich alle Fakten bekommen habe, die ich von den Leuten erwarten konnte, blieb es doch recht langweilig. Und zeigt wie ineffizient hier vieles laeuft. Die Webseite des 2002 gegruendeten RTTL steht noch immer nicht, aber drei vermutlich auslaendische Techniker werden sich darum kuemmern. Als ob man eine Webseite nicht in einer Woche hochfahren koennte.
Ich wollte auch an einer UN-Pressekonferenz teilnehmen. Am Hintereingang der Obrigadu Barracks (UN-Hauptquartier) hat ein indischer UN-Mitarbeiter mir irgendetwas erklaeren wollen - voellig vergeblich, weil ich kein einziges Wort von seinem Englisch verstehen konnte. Ich dachte nicht, dass so etwas moeglich ist. Am Haupteingang wurde mir dann mitgeteilt, die Konferenz waere in ein Hotel verlegt worden, und ich war nicht motiviert genug, um der Konferenz hinterherzujagen. Den Nachmittag habe ich dann teilweise in meinen Zimmer verbracht, mit einem nassen Tuch auf den brennenden Augen. Wahrscheinlich nur Sonnencreme in den Augen, aber so eine laecherliche Kleingigkeit hat ausgereicht, um mich zwei Stunden lang von jeder Aktivitaet fernzuhalten.
In den naechsten Tagen werde ich meinen Blick staerker auf die Sicherheitsentwicklung nach der Krise im April/Mai richten. Mit Interviews (ja doch) mit Fokupers zu Gender-Fragen, jemandem aus dem Justizsystem, jemandem von den Sicherheitskraeften (vielleicht UNPOL), einem Anfuehrer einer so genannten Martial Arts Gang (vielleicht kann mir Ismenio, ein Gangmitglied, dabei helfen), und Timor Post, letzteres ueber die Verantwortung von und den Umgang in den Medien.
Ansonsten: Ich habe mir bei einem Strassenhaendler etwas gekauft, was nach selbstfabriziertem Kokosnusswein aussieht und, mit Zucker, vielleicht sogar gut schmecken wird.
Mittwoch, 17. Januar 2007
Sieht aus wie Urlaub
Nach den aufregenden Ereignissen der vergangenen Tage hat sich jetzt ein Antiklimax eingeschlichen. Oder ist es die Muedigkeit der Tropen? Eher eine leichte Erkaeltung in Folge steandig nass geschwitzter Kleidung. Ich werde mir auf dem Markt Ingwer und Limonen kaufen, oder was anderes mit Vitamin C.
Gestern habe ich zwei Interviews gefuehrt, sehr interessante, doch leider habe ich eins verloren, weil mein Tonbandgeraet nicht richtig funktionierte. Und da ich kein Gedaechtnis wie Capote habe, der angeblich bei der Recherche zu In Cold Blood nicht einmal einen Notizblock benutzt hat, ist bei meinem Versuch, das Interview zu rekonstruieren, nicht viel herausgekommen. Vielleicht bitte ich Lita in einer Woche nochmal um ein Gespraech und sage, das Band sei im Dschungel verloren gegangen, um weniger bloed dazustehen. Scheiss Technik.
Ansonsten habe ich morgen ein Interview mit drei Leuten vom RTTL (Radio und Fernsehen).
Neben Schlaftabletten haette ich auch Visitenkarten mitbringen sollen. Business cards. Letzteres, um einen professionelleren Eindruck zu erwecken.
Gestern abend bin ich schwimmen (sehr entspannend, wie in einem grossen warmen Bad) und kokosnussaustrinken gegangen, mit Cormac. Wir haben uns auch eine Jesusstatue angesehen, die Statue in Rio, nur kleiner, ein Geschenk von Indonesien witzigerweise. Ein Kreuzweg fuehrt zur Statue, den man die Passion des Joggers nennen koennte, da hier die Westler ihre Fitnessobsessionen ausleben. Wahrscheinlich haben die topfitten Portugiesen der Nationalgarde (GNR - ganz toughe Kerle) hier einen neuen Standard gesetzt, dem der normale NGOler vergeblich zu entsprechen versucht. Fuer mich nur schwer zu verstehen, wo man bei dieser Hitze die Motivation zum Joggen hernimmt.
Vielleicht lerne ich demnaechst eine Anthropologin aus Deutschland kennen, die hier in einem entlegenen Dorf Feldarbeit betreibt.
Gestern habe ich zwei Interviews gefuehrt, sehr interessante, doch leider habe ich eins verloren, weil mein Tonbandgeraet nicht richtig funktionierte. Und da ich kein Gedaechtnis wie Capote habe, der angeblich bei der Recherche zu In Cold Blood nicht einmal einen Notizblock benutzt hat, ist bei meinem Versuch, das Interview zu rekonstruieren, nicht viel herausgekommen. Vielleicht bitte ich Lita in einer Woche nochmal um ein Gespraech und sage, das Band sei im Dschungel verloren gegangen, um weniger bloed dazustehen. Scheiss Technik.
Ansonsten habe ich morgen ein Interview mit drei Leuten vom RTTL (Radio und Fernsehen).
Neben Schlaftabletten haette ich auch Visitenkarten mitbringen sollen. Business cards. Letzteres, um einen professionelleren Eindruck zu erwecken.
Gestern abend bin ich schwimmen (sehr entspannend, wie in einem grossen warmen Bad) und kokosnussaustrinken gegangen, mit Cormac. Wir haben uns auch eine Jesusstatue angesehen, die Statue in Rio, nur kleiner, ein Geschenk von Indonesien witzigerweise. Ein Kreuzweg fuehrt zur Statue, den man die Passion des Joggers nennen koennte, da hier die Westler ihre Fitnessobsessionen ausleben. Wahrscheinlich haben die topfitten Portugiesen der Nationalgarde (GNR - ganz toughe Kerle) hier einen neuen Standard gesetzt, dem der normale NGOler vergeblich zu entsprechen versucht. Fuer mich nur schwer zu verstehen, wo man bei dieser Hitze die Motivation zum Joggen hernimmt.
Vielleicht lerne ich demnaechst eine Anthropologin aus Deutschland kennen, die hier in einem entlegenen Dorf Feldarbeit betreibt.
Montag, 15. Januar 2007
Bereits Routine
Jetzt wieder zum Ernst des Lebens.
Meine beiden Interviews gestern waren prima. Heute stehen zwei weitere an mit Lita vom Forum of NGOs (FONGTIL) und einem Dozenten, von dem ich leider nicht recht weiss, was er macht.
Vielleicht bekomme ich ein Interview mit dem portugiesischen Botschafter, aber ich bin da skeptisch. Die Portugiesen bauen uebrigens gerade eine neue Botschaft. Bereits der Umfang der Baustelle reizt einen dazu, Ausdruecke zu benutzen wie postkolonialistische Nostalgie.
Miad hat noch ein paar interessante Contacts fuer mich, darunter ein Westler, der ueber Jahre hinweg bei der Entwicklung von Timors Fernseh- und Radiosendern mitgeholfen hat, und einen Typen, der vor ein paar Monaten ein Projekt zur innertimoresischen Versoehnung entwickelt hat, das dann von der Regierung bei der Ausarbeitung ihres eigenen Projekts Simu Male (Gegenseitiger Akzeptanz) benutzt wurde. Es gibt noch immer viele Kollaborateure unter den Osttimoresen, die nie zur Verantwortung gezogen wurden, was zu einem Klima der Gesetzlosigkeit und somit zur Krise im April/Mai beigetragen hat. (Dass die indonesischen Befehlshaber sich trotz Tribunal nicht fuer die Massaker von 1999 verantworten mussten, versteht sich von selbst.) Aber davon ein andermal.
Ein Nachtrag zur Pfeilgeschichte: Christopher wurde getroffen als er gegen drei Uhr nachts auf seinem Motorrad durch einen eher gefaehrlichen Vorort fuhr. Also ein Risiko, das man nicht eingehen muss. Er dachte zuerst, er waere mit einem Stein getroffen worden. Erst als er merkte, dass der Schmerz nicht nachliess, stellte er fest, dass ein 20cm langer Pfeil in seinem Oberschenkel steckte. Heute wird er vermutlich aus dem Krankenhaus entlassen. Nur eine Freundin, die (und weil sie) fuer die australische Botschaft arbeitet, durfte ihn besuchen.
Meinen Geburtstag habe ich mit einem Schokoladenkuchen gefeiert, den ich an die Leute im Guesthouse verteilt habe. Obrigadu barak. De nada. War sehr witzig. Niemand hat nach dem Anlass gefragt, und ich hab's auch niemandem erzaehlt, ausser Miad.
Die Kanadier sind heute morgen nach Kupang in Indonesien weitergefahren. Hier kommt irgendwann ein Foto hin.
Meine beiden Interviews gestern waren prima. Heute stehen zwei weitere an mit Lita vom Forum of NGOs (FONGTIL) und einem Dozenten, von dem ich leider nicht recht weiss, was er macht.
Vielleicht bekomme ich ein Interview mit dem portugiesischen Botschafter, aber ich bin da skeptisch. Die Portugiesen bauen uebrigens gerade eine neue Botschaft. Bereits der Umfang der Baustelle reizt einen dazu, Ausdruecke zu benutzen wie postkolonialistische Nostalgie.
Miad hat noch ein paar interessante Contacts fuer mich, darunter ein Westler, der ueber Jahre hinweg bei der Entwicklung von Timors Fernseh- und Radiosendern mitgeholfen hat, und einen Typen, der vor ein paar Monaten ein Projekt zur innertimoresischen Versoehnung entwickelt hat, das dann von der Regierung bei der Ausarbeitung ihres eigenen Projekts Simu Male (Gegenseitiger Akzeptanz) benutzt wurde. Es gibt noch immer viele Kollaborateure unter den Osttimoresen, die nie zur Verantwortung gezogen wurden, was zu einem Klima der Gesetzlosigkeit und somit zur Krise im April/Mai beigetragen hat. (Dass die indonesischen Befehlshaber sich trotz Tribunal nicht fuer die Massaker von 1999 verantworten mussten, versteht sich von selbst.) Aber davon ein andermal.
Ein Nachtrag zur Pfeilgeschichte: Christopher wurde getroffen als er gegen drei Uhr nachts auf seinem Motorrad durch einen eher gefaehrlichen Vorort fuhr. Also ein Risiko, das man nicht eingehen muss. Er dachte zuerst, er waere mit einem Stein getroffen worden. Erst als er merkte, dass der Schmerz nicht nachliess, stellte er fest, dass ein 20cm langer Pfeil in seinem Oberschenkel steckte. Heute wird er vermutlich aus dem Krankenhaus entlassen. Nur eine Freundin, die (und weil sie) fuer die australische Botschaft arbeitet, durfte ihn besuchen.
Meinen Geburtstag habe ich mit einem Schokoladenkuchen gefeiert, den ich an die Leute im Guesthouse verteilt habe. Obrigadu barak. De nada. War sehr witzig. Niemand hat nach dem Anlass gefragt, und ich hab's auch niemandem erzaehlt, ausser Miad.
Die Kanadier sind heute morgen nach Kupang in Indonesien weitergefahren. Hier kommt irgendwann ein Foto hin.
Pfeile, Daisy und andere Ueberraschungen
Waehrend wir immer noch auf den Monsoon warten, nimmt ein anderes fuer diese Gegend typisches Naturphaenomen seinen Lauf: Durchfall seit gestern. Kommt nicht ueberraschend, und ich bin dagegen geruestet. Falls meine Tabletten nicht ausreichen, sollte es nicht schwierig sein, in einer Stadt mit der groessten Dichte weltweit an chronisch magenkranken westlichen NGOlern zusaetzliche Medikamente aufzutreiben.
Problematischer ist der Schlafmangel. Einfach zu heiss. Und ab acht sollte man besser zuhause sein, es sei denn, man hat einen Freund, der einen vor der Tuer absetzen kann. Also hocke ich rum, wie gestern, ab acht und gehe im Hof herum wie in einer Gefaengniszelle. Zu muede, um irgendetwas zu tun, ausser ein Bier zu trinken, nicht muede genug, um mich hinzulegen. Vor allem nach einem aufregenden Abend wie gestern. Um die Story loszuwerden, wartete ich auf die Kanadier, die erst spaet zurueckkamen. Zu Fuss. So lange man auf der Strasse bleibt, die geradlinig vom Stadtzentrum nach Sueden zum Guesthouse fuehrt ist man recht sicher. Suedlich und vor allem in den Seitenstrassen wird's kritisch. Vielleicht kann ich demnaechst einen Google Earth Ausschnitt reinstellen.
Ja, die Story.
Gestern abend holte Miad mich ab. Dann ging's ueber Dilis schlagloechrige Strassen, ich hinten auf dem Motorrad. Waere ich nicht in Dili, waere das bereits mein Kick des Tages. Wir fuhren zum Castaways Cafes, einem Lokal voller UN-Leute, wo etwa ein timoresischer Elitepolizist mit einem iranischen Englischlehrer gegen einen Polizisten aus Rumaenien (kleines Kontingent von 10 Mann) und einen UN-Typen aus Sri-Lanka Pool spielen. Es ist mir ein Raetsel, wie die Sicherheitsleute sich koordinieren. Muss schrecklich ineffizient sein, wie diese ganze UN-Geschichte. Aber dazu ein andermal.
Miad erzaehlt mir von einem australischen Journalisten, der einen Tag zuvor von einem Pfeil getroffen wurde, zum Glueck nur ins Bein. Seine Freunde brachten ihn ins Militaerkrankenhaus, das eigentlich den Soldaten vorbehalten ist. Weil der Pfeil einen gemeinen Widerhaken hatte, musste sein Bein aufgeschnitten werden. Miad hat mir ein paar Bilder gezeigt. Der Pfeil wurde sehr schoen mit Papierbaendchen dekoriert. Da hat sich jemand muehe gegeben.
Wie's scheint, hat niemand auf den Journalisten gezielt. Wie's scheint, kann man mit diesen Pfeilen gar nicht zielen. Das beruhigt einerseits (naja, mich jedenfalls), weil es bedeutet, dass hier niemand auf die Idee gekommen ist, zur Abwechslung mal auf einen Weissen zu schiessen, andererseits heisst es, dass es einfach jeden treffen kann. Und nicht nur ins Bein.
Es kommt nur jedes Jahr einmal vor, dass ein Westler verwundet wird, also bin ich jetzt in Sicherheit. So kann man's auch sehen.
Wir haben dann noch ueber die ganze UN-Sache diskutiert. Damit will ich euch nicht langweilen. Hier geht's um Sensationsjournalismus. Schliesslich habe ich ihn gefragt: By the way, do you know Christopher Suttenfield? Ich sollte mich heute mit ihm treffen. Miad kuckt mich an: Das ist der Typ, der den Pfeil abbekommen hat. Verrueckt. Besuche scheinen im Militaerhospital uebrigens nicht gestattet.
Dann habe ich Chris Carrascalao kennengelernt, Tochter von Manuel Carrascalao, einer der Hauptfiguren im Unanbhaengigkeitskampf und vor allem bei den Massakern um das Referendum herum, 1999. Sehr interessantes Gespraech. Ich habe mich fuenf Minuten lang fuer meine unsensiblen Fragen entschuldigt. Sie will nicht mehr an diese Zeit erinnert werden. Sie kommt vor in Martinkus' A Dirty Little War, neben den Buechern von James Dunn und Clinton Fernandes Pflichtlektuere fuer jeden, der wissen will, was 1999 los war.
Ich habe die Geschichte von der vermeintlichen Schlepperbande erwaehnt, und alle Anwesendenheit nehmen die Sache sehr persoenlich. Dass Auslaender im Gefaengnis kein Essen kriegen, sei bullshit. Ein Nigerianer namens Dexter sitzt im Knast. Er hat in IDP-Camps nach jungen Frauen gefragt, die als Kindermaedchen in Syrien arbeiten wollen. Ein Arzt hat sich gewundert, dass die Maedchen HIV-Tests machen mussten (und auch Ganzkoerperfotos), und hat Alarm geschlagen. Zurzeit versuchen die Ermittler, eine Verbindung zwischen Dexter und dem libanesischen Businessman herzustellen, der vermutlich mit dem boyfriend meiner Zimmernachbarin identisch ist, obwohl die Leute nichts davon wussten, dass der Libanese im Knast sitzt. Die Kambodschanerin hat mich heute beim Fruehstueck ziemlich direkt gefragt, ob ich mit ihr nach Baucau fahren will, die zweitgroesste Stadt, oestlich von Dili, bevor sie nach Kambodscha zurueckfliegen muss. Keine Ahnung, was sie weiss und wie sie zu dem Typen steht.
Aber das Seltsamste. Haltet euch fest. Ich habe im Cafe mit einem Iren gesprochen, der als UN-subcontracter IT-Kram erledigt. Er hat irgendwann ein paar Tage in Luxemburg verbracht und zwei Maedchen kennengelernt. Ich meinte halbernst, vielleicht kenne ich sie ja. Und eine davon ist Daisy, meine beste Freundin in Luxemburg. Die einzige Person, die sich an Weihnachten bei meine Eltern erkundigt hat, ob ich im Land bin.
(Wenn ich wieder in Melbourne bin, kommt hier ein Foto mit Daisy hin.)
Hier sitze ich mit bunt zusammengewuerfelten Abenteurern aus allen moeglichen Laendern in dieser verrueckten Stadt, in staendigem Ausnahmezustand, und Cormac kennt Daisy. Und ich erzaehle, wie Daisy und ich an Flussufern sitzen, Gitarre spielen, Joints rauchen. Wie soll man so was verstehen?
Ok. Heute bin ich stehend KO. Aber meine ersten beiden Interviews stehen an, und ich wollte auch nur zur portugiesischen Botschaft gehen.
Ich hoffe, in ein paar Wochen kann ich was anderes schreiben. Eine vergleichende Studie zu den Frauenfiguren in Sofia Coppolas Filmen. Bemerkungen zum Rationalitaetsbegriff bei Brandom.
Problematischer ist der Schlafmangel. Einfach zu heiss. Und ab acht sollte man besser zuhause sein, es sei denn, man hat einen Freund, der einen vor der Tuer absetzen kann. Also hocke ich rum, wie gestern, ab acht und gehe im Hof herum wie in einer Gefaengniszelle. Zu muede, um irgendetwas zu tun, ausser ein Bier zu trinken, nicht muede genug, um mich hinzulegen. Vor allem nach einem aufregenden Abend wie gestern. Um die Story loszuwerden, wartete ich auf die Kanadier, die erst spaet zurueckkamen. Zu Fuss. So lange man auf der Strasse bleibt, die geradlinig vom Stadtzentrum nach Sueden zum Guesthouse fuehrt ist man recht sicher. Suedlich und vor allem in den Seitenstrassen wird's kritisch. Vielleicht kann ich demnaechst einen Google Earth Ausschnitt reinstellen.
Ja, die Story.
Gestern abend holte Miad mich ab. Dann ging's ueber Dilis schlagloechrige Strassen, ich hinten auf dem Motorrad. Waere ich nicht in Dili, waere das bereits mein Kick des Tages. Wir fuhren zum Castaways Cafes, einem Lokal voller UN-Leute, wo etwa ein timoresischer Elitepolizist mit einem iranischen Englischlehrer gegen einen Polizisten aus Rumaenien (kleines Kontingent von 10 Mann) und einen UN-Typen aus Sri-Lanka Pool spielen. Es ist mir ein Raetsel, wie die Sicherheitsleute sich koordinieren. Muss schrecklich ineffizient sein, wie diese ganze UN-Geschichte. Aber dazu ein andermal.
Miad erzaehlt mir von einem australischen Journalisten, der einen Tag zuvor von einem Pfeil getroffen wurde, zum Glueck nur ins Bein. Seine Freunde brachten ihn ins Militaerkrankenhaus, das eigentlich den Soldaten vorbehalten ist. Weil der Pfeil einen gemeinen Widerhaken hatte, musste sein Bein aufgeschnitten werden. Miad hat mir ein paar Bilder gezeigt. Der Pfeil wurde sehr schoen mit Papierbaendchen dekoriert. Da hat sich jemand muehe gegeben.
Wie's scheint, hat niemand auf den Journalisten gezielt. Wie's scheint, kann man mit diesen Pfeilen gar nicht zielen. Das beruhigt einerseits (naja, mich jedenfalls), weil es bedeutet, dass hier niemand auf die Idee gekommen ist, zur Abwechslung mal auf einen Weissen zu schiessen, andererseits heisst es, dass es einfach jeden treffen kann. Und nicht nur ins Bein.
Es kommt nur jedes Jahr einmal vor, dass ein Westler verwundet wird, also bin ich jetzt in Sicherheit. So kann man's auch sehen.
Wir haben dann noch ueber die ganze UN-Sache diskutiert. Damit will ich euch nicht langweilen. Hier geht's um Sensationsjournalismus. Schliesslich habe ich ihn gefragt: By the way, do you know Christopher Suttenfield? Ich sollte mich heute mit ihm treffen. Miad kuckt mich an: Das ist der Typ, der den Pfeil abbekommen hat. Verrueckt. Besuche scheinen im Militaerhospital uebrigens nicht gestattet.
Dann habe ich Chris Carrascalao kennengelernt, Tochter von Manuel Carrascalao, einer der Hauptfiguren im Unanbhaengigkeitskampf und vor allem bei den Massakern um das Referendum herum, 1999. Sehr interessantes Gespraech. Ich habe mich fuenf Minuten lang fuer meine unsensiblen Fragen entschuldigt. Sie will nicht mehr an diese Zeit erinnert werden. Sie kommt vor in Martinkus' A Dirty Little War, neben den Buechern von James Dunn und Clinton Fernandes Pflichtlektuere fuer jeden, der wissen will, was 1999 los war.
Ich habe die Geschichte von der vermeintlichen Schlepperbande erwaehnt, und alle Anwesendenheit nehmen die Sache sehr persoenlich. Dass Auslaender im Gefaengnis kein Essen kriegen, sei bullshit. Ein Nigerianer namens Dexter sitzt im Knast. Er hat in IDP-Camps nach jungen Frauen gefragt, die als Kindermaedchen in Syrien arbeiten wollen. Ein Arzt hat sich gewundert, dass die Maedchen HIV-Tests machen mussten (und auch Ganzkoerperfotos), und hat Alarm geschlagen. Zurzeit versuchen die Ermittler, eine Verbindung zwischen Dexter und dem libanesischen Businessman herzustellen, der vermutlich mit dem boyfriend meiner Zimmernachbarin identisch ist, obwohl die Leute nichts davon wussten, dass der Libanese im Knast sitzt. Die Kambodschanerin hat mich heute beim Fruehstueck ziemlich direkt gefragt, ob ich mit ihr nach Baucau fahren will, die zweitgroesste Stadt, oestlich von Dili, bevor sie nach Kambodscha zurueckfliegen muss. Keine Ahnung, was sie weiss und wie sie zu dem Typen steht.
Aber das Seltsamste. Haltet euch fest. Ich habe im Cafe mit einem Iren gesprochen, der als UN-subcontracter IT-Kram erledigt. Er hat irgendwann ein paar Tage in Luxemburg verbracht und zwei Maedchen kennengelernt. Ich meinte halbernst, vielleicht kenne ich sie ja. Und eine davon ist Daisy, meine beste Freundin in Luxemburg. Die einzige Person, die sich an Weihnachten bei meine Eltern erkundigt hat, ob ich im Land bin.
(Wenn ich wieder in Melbourne bin, kommt hier ein Foto mit Daisy hin.)
Hier sitze ich mit bunt zusammengewuerfelten Abenteurern aus allen moeglichen Laendern in dieser verrueckten Stadt, in staendigem Ausnahmezustand, und Cormac kennt Daisy. Und ich erzaehle, wie Daisy und ich an Flussufern sitzen, Gitarre spielen, Joints rauchen. Wie soll man so was verstehen?
Ok. Heute bin ich stehend KO. Aber meine ersten beiden Interviews stehen an, und ich wollte auch nur zur portugiesischen Botschaft gehen.
Ich hoffe, in ein paar Wochen kann ich was anderes schreiben. Eine vergleichende Studie zu den Frauenfiguren in Sofia Coppolas Filmen. Bemerkungen zum Rationalitaetsbegriff bei Brandom.
Sonntag, 14. Januar 2007
Die Traenen der kambodschanischen Freundin des libanesischen Frauenhaendlers
Wieder ein langweiliger, ereignisloser Tag in Dili. Viel habe ich nicht gemacht, ausser zwei Interviews zu planen, mit Oxfam und einem Dozenten fuer gemeinschaftliche Entwicklung an der Nationalen Universitaet.
Zwei Westler aus Kanada sind ins Guesthouse eingezogen. Nach einem gemeinsamen Streifzug durch Dili habe ich festgestellt, dass ich sehr froh bin, alleine unterwegs zu sein. In einer Gruppe stellt sich so leicht dieses sie-wir Gefuehl ein, was alles verdirbt, was einen ganz verschlossen macht. Und die Timoresen sind auch schnell eingeschuechtert und sprechen einen nicht an, wenn man in Rudeln auftritt.
Nach einem meiner Ausfluege durch Dili, habe ich mich zu einem Maedchen aus Kombadscha gesetzt, das auch im Guesthouse wohnt. Wir unterhalten uns oefters, schon allein weil wir beide Englisch sprechen. Sie weinte und ich habe sie moeglichst behutsam ausgefragt. Ihr libanesischer boyfriend sitzt im Gefaengnis, und als Auslaender muss er selbst fuer sein Essen sorgen. Seine Freundin bringt ihm das Essen ins Gefaengnis, Tag fuer Tag. Seine Familie weigert sich, nach Timor Leste zu kommen, angeblich haben sie nicht genug Geld. Sie wird womoeglich in den naechsten Wochen nach Kambodscha abgeschoben, so dass sich niemand mehr um ihn wird kuemmern koennen. Gestern ist er angeblich mit dem Kopf gegen die Wand gerannt und scheint auch ueber effektivere Selbstmordmethoden nachzudenken. Ich habe natuerlich ein wenig nachgefragt, was er denn im Timor macht usw. Schliesslich hat sie mir gesagt, dass er im Manpower-Business taetig ist. Und erst dann habe ich alles verstanden.
Vor ein paar Wochen habe ich im The Age und auf den ueblichen East Timor Webseiten gelesen, dass die Polizei gegen Organisationen vorgeht, die junge Maedchen dazu ueberreden, in Laendern im Nahen Osten als Haushaltshilfen zu arbeiten. Wie's scheint, enden sie dann als sex worker ohne irgendwelche Rechte. Und ich troeste die Zuhaelterbraut. Heute wollte ich mit ihr an den Strand Kokosnuesse austrinken gehen, aber es war ihr zu warm. Oder zu heiss.
Zwei Westler aus Kanada sind ins Guesthouse eingezogen. Nach einem gemeinsamen Streifzug durch Dili habe ich festgestellt, dass ich sehr froh bin, alleine unterwegs zu sein. In einer Gruppe stellt sich so leicht dieses sie-wir Gefuehl ein, was alles verdirbt, was einen ganz verschlossen macht. Und die Timoresen sind auch schnell eingeschuechtert und sprechen einen nicht an, wenn man in Rudeln auftritt.
Nach einem meiner Ausfluege durch Dili, habe ich mich zu einem Maedchen aus Kombadscha gesetzt, das auch im Guesthouse wohnt. Wir unterhalten uns oefters, schon allein weil wir beide Englisch sprechen. Sie weinte und ich habe sie moeglichst behutsam ausgefragt. Ihr libanesischer boyfriend sitzt im Gefaengnis, und als Auslaender muss er selbst fuer sein Essen sorgen. Seine Freundin bringt ihm das Essen ins Gefaengnis, Tag fuer Tag. Seine Familie weigert sich, nach Timor Leste zu kommen, angeblich haben sie nicht genug Geld. Sie wird womoeglich in den naechsten Wochen nach Kambodscha abgeschoben, so dass sich niemand mehr um ihn wird kuemmern koennen. Gestern ist er angeblich mit dem Kopf gegen die Wand gerannt und scheint auch ueber effektivere Selbstmordmethoden nachzudenken. Ich habe natuerlich ein wenig nachgefragt, was er denn im Timor macht usw. Schliesslich hat sie mir gesagt, dass er im Manpower-Business taetig ist. Und erst dann habe ich alles verstanden.
Vor ein paar Wochen habe ich im The Age und auf den ueblichen East Timor Webseiten gelesen, dass die Polizei gegen Organisationen vorgeht, die junge Maedchen dazu ueberreden, in Laendern im Nahen Osten als Haushaltshilfen zu arbeiten. Wie's scheint, enden sie dann als sex worker ohne irgendwelche Rechte. Und ich troeste die Zuhaelterbraut. Heute wollte ich mit ihr an den Strand Kokosnuesse austrinken gehen, aber es war ihr zu warm. Oder zu heiss.
Samstag, 13. Januar 2007
Austrairdisch
Verglichen mit den kleinen und feingliedrigen Timoresen wirken die australischen Soldaten wie Kampfmaschinen, wie Wesen von einem anderen Planeten (nein, keine Irks). In Gruppen von ca 10 Mann sichern sie die Strassen. Auf jeder Strassenseite je ein Mann, dann folgt das naechste Paar mit einem Abstand von 20 Metern usw.
Gestern abend bin ich auf eine Aussie-Patrouille gestossen. Einer der Diggers begruesste mich mit Hey. G'day, mate. What brings you to this side of the woods? Erst fuenf Minuten spaeter merkte ich, dass ich in die falsche Richtung ging. Richtung Flughafen, anstatt Stadtzentrum. Richtung Gefahrenzone, vor allem. Und es wurde schon dunkel. Die Zeitumstellung hatte mich verwirrt. Also schnell Richtung Guesthouse. Zum ersten Mal seit meiner Ankunft wurde ich ein wenig nervoes. Ausgerechnet jetzt keine Taxis. Atmossphaere wie fuenf Minuten vor der Geisterstunde. Fuenf Minuten bevor die Menschen sich in Woelfe verwandeln. Zum ersten Mal war ich froh, ein Taxi zu sehen, als dann doch eins auftauchte.
Ansonsten gestern sehr ereignislos. Ich habe ein weiteres Interview arrangiert, mit Lita vom Forum der NGOs. Hoffe, dass ich noch vor dem Interview herausfinde, was die Frau eigentlich macht. Heute soll mich ein Freund anrufen, Miad Jamali, arbeitet als IT-subcontracter fuer die UN. Mit ein paar Jugendlichen geplaudert. Auch Jugendliche aus den IDP-Camps. Die meisten hoffen, dass ich ihnen helfen kann, in Australien zu studieren. Ich kenne tatsaechlich eine Frau - Helen Hill - die Timoresen hilft, Scholarships zu bekommen, aber hoechstens 5 pro Jahr. Indonesien ist viel billiger fuer Timoresische Studenten: 100 USDollar pro Jahr oder Semester. (50 USDollar fuer indonesische Studenten.)
Heute gehe ich zum Portugiesischen Kulturzentrum. Die Woxx will womoeglich einen Artikel ueber die portugiesische Praesenz in Timor Leste, weil sich ueber die wichtige portugiesische Minderheit in Luxemburg (15 % der Bevoelkerung) anscheinend ein Bezug zu Luxemburg herstellen laesst.
Gestern abend bin ich auf eine Aussie-Patrouille gestossen. Einer der Diggers begruesste mich mit Hey. G'day, mate. What brings you to this side of the woods? Erst fuenf Minuten spaeter merkte ich, dass ich in die falsche Richtung ging. Richtung Flughafen, anstatt Stadtzentrum. Richtung Gefahrenzone, vor allem. Und es wurde schon dunkel. Die Zeitumstellung hatte mich verwirrt. Also schnell Richtung Guesthouse. Zum ersten Mal seit meiner Ankunft wurde ich ein wenig nervoes. Ausgerechnet jetzt keine Taxis. Atmossphaere wie fuenf Minuten vor der Geisterstunde. Fuenf Minuten bevor die Menschen sich in Woelfe verwandeln. Zum ersten Mal war ich froh, ein Taxi zu sehen, als dann doch eins auftauchte.
Ansonsten gestern sehr ereignislos. Ich habe ein weiteres Interview arrangiert, mit Lita vom Forum der NGOs. Hoffe, dass ich noch vor dem Interview herausfinde, was die Frau eigentlich macht. Heute soll mich ein Freund anrufen, Miad Jamali, arbeitet als IT-subcontracter fuer die UN. Mit ein paar Jugendlichen geplaudert. Auch Jugendliche aus den IDP-Camps. Die meisten hoffen, dass ich ihnen helfen kann, in Australien zu studieren. Ich kenne tatsaechlich eine Frau - Helen Hill - die Timoresen hilft, Scholarships zu bekommen, aber hoechstens 5 pro Jahr. Indonesien ist viel billiger fuer Timoresische Studenten: 100 USDollar pro Jahr oder Semester. (50 USDollar fuer indonesische Studenten.)
Heute gehe ich zum Portugiesischen Kulturzentrum. Die Woxx will womoeglich einen Artikel ueber die portugiesische Praesenz in Timor Leste, weil sich ueber die wichtige portugiesische Minderheit in Luxemburg (15 % der Bevoelkerung) anscheinend ein Bezug zu Luxemburg herstellen laesst.
Freitag, 12. Januar 2007
Karaoke und Kommunikationsprobleme
Der Abend gestern verlief dann doch nicht so ruhig wie geplant. Nachdem ich mit drei indonesischen Frauen, die ebenfalls im Dili Guesthouse wohnen, Whisky-Cola getrunken habe - dabei konnten wir nicht sehr viel reden, da sie nur sehr wenig Englisch sprechen (littlelittle) und ich kein Wort Indonesisch. You happy? You like Brian Adam?? - bin ich mit ihnen und zwei Freunden in die Karaokebar Mayflower gegangen. Indonesische Songs sind zum Glueck sehr leicht zu singen, da die Sprache sehr phonetisch ist. Und nach einer Weile merkt man, dass die gleiche Woerter immer wieder vorkommen. Bengal di Bengal. Sayaaaaaaaaaaaannnnng. Ich habe u.a. Creep gesungen, das laut Karaokeschirm beginnt mit when you we're in the floor...
Sehr viel getanzt. Anfassen scheint hier sehr normal zu sein, auch zwischen Maennern. Vor allem eine der Frauen hat sehr viel geflirtet, was dann anscheinend problematisch wurde, als wir wieder im Auto sassen. Der Typ, der uns nach Hause bringen sollte, hat auf einmal mit der Faust auf die Fensterscheibe eingeschlagen, hat sein Geld zum Fenster rausgeworfen, ist falsch abgebogen und hat den Motor abgestellt. Ich habe natuerlich nicht kapiert um was es geht. Eine der Frauen konnte mir nur sagen, problem boyfriend-girlfriend. Wahrscheinlich eifersuechtig, ich hoffte natuerlich, nicht auf mich. Dann wurde unser Auto von Jugendlichen umstellt. Keine Ahnung wiederum, was die wollten. Ich bin mit zwei anderen aus dem Wagen, um die Dollars aufzusammeln. Schliesslich hat der Typ mit seiner Freundin gestritten - sehr physisch - waehrend der andere Typ sehr nett mit den Jugendlichen war. Das Ganze ging dann so aus, dass ich mit den drei Frauen zu Fuss nach Hause gelaufen bin - wirklich gelaufen, sie schienen die Gegend fuer unsicher zu halten, ich konnte das nicht beurteilen, die Strassen waren leer - wobei die Flirtende meine Hand gehalten hat. Ich weiss noch immer nicht genau, was los war. Ja, Indonesisch haette ich lernen sollen.
Heute werde ich versuchen, Leute ueber Telephon zu kontaktieren. Leute, die Englisch sprechen.
Sehr viel getanzt. Anfassen scheint hier sehr normal zu sein, auch zwischen Maennern. Vor allem eine der Frauen hat sehr viel geflirtet, was dann anscheinend problematisch wurde, als wir wieder im Auto sassen. Der Typ, der uns nach Hause bringen sollte, hat auf einmal mit der Faust auf die Fensterscheibe eingeschlagen, hat sein Geld zum Fenster rausgeworfen, ist falsch abgebogen und hat den Motor abgestellt. Ich habe natuerlich nicht kapiert um was es geht. Eine der Frauen konnte mir nur sagen, problem boyfriend-girlfriend. Wahrscheinlich eifersuechtig, ich hoffte natuerlich, nicht auf mich. Dann wurde unser Auto von Jugendlichen umstellt. Keine Ahnung wiederum, was die wollten. Ich bin mit zwei anderen aus dem Wagen, um die Dollars aufzusammeln. Schliesslich hat der Typ mit seiner Freundin gestritten - sehr physisch - waehrend der andere Typ sehr nett mit den Jugendlichen war. Das Ganze ging dann so aus, dass ich mit den drei Frauen zu Fuss nach Hause gelaufen bin - wirklich gelaufen, sie schienen die Gegend fuer unsicher zu halten, ich konnte das nicht beurteilen, die Strassen waren leer - wobei die Flirtende meine Hand gehalten hat. Ich weiss noch immer nicht genau, was los war. Ja, Indonesisch haette ich lernen sollen.
Heute werde ich versuchen, Leute ueber Telephon zu kontaktieren. Leute, die Englisch sprechen.
Donnerstag, 11. Januar 2007
Verrueckt. Alles.
Darwin, 23:00, 28 Grad.
Es ist feucht und heiss, und ich denke zum erstem Mal seit langem, dass sich diese Reise lohnen wird. Ich muss laecheln, staendig, es liegt am Wetter. Ich verbringe die Nacht auf einer Bank vor dem Flughafen, begegne u.a. einem Australier, der fuer die Armee arbeitet und meint, er sei nicht sehr helle (dabei dabei tippt er an seine Stirn). Im Gespraech kommt heraus, dass er bald in den Irak geht - obwohl seine Frau schwanger ist. Wir wuenschen uns beide viel Glueck, er wird's noetiger haben.
Und alles kommt viel, viel besser. Dies ist das Verrueckteste, was ich je gemacht habe.
Irgendetwas nach 8 bin ich in Dili. Wir landen neben weissen Hubschraubern mit UNO-Aufschrift. Noch nie war ich der UN so nahe. Hat schon jetzt einen Hauch Krisengebiet. Es ist feucht, Wolken haengen dicht ueber den Baeumen. Doch noch warten die Menschen auf den Monsoon. Verspaetung wegen El Nino. Noch sind die Flussbetten trocken, Wenn der grosse Regen (udan bot) anfaengt, werden die Fluechtlingslager, die es hier an jeder Strassenecke gibt, ueberflutet. Was dann?
Im Zollamt aergere ich mich kurz ueber mich selbst. Ich habe angegeben, dass ich als Journalist hier bin, anstatt mich einfach als Tourist anzugeben. Also 20 Dollar mehr fuers Visum. Aber der Beamte gibt mir trotzdem ein Visum der Klasse eins, fuer Touris.
Vor dem Flughafen stehen schon die Taxifahrer und Zigarettenverkaeufer. Ich bin froh, als ein UN-Mitarbeiter mir anbietet, mich in die Stadt zu fahren und mich vor dem Dili Guesthouse rauszulassen. Und schon sitze ich im Jeep, mit UNO-Flagge an der meterhohen Funkantenne. Der Typ fordert uns auf, die Tueren zu verriegeln und unsere Koepfe von den Fensterscheiben fernzuhalten. The guys throw stones at us. The last days have been rather calm though.
Es ist verrueckt. Alles. Ueberall junge Menschen auf den Strassen. Uebrraschend viel Verkehr. An Benzin scheint es keinen Mangel zu geben. Alle fuenf Sekunden faehrt ein Taxi hupend an mir vorbei.
Doch wwwwwwwrrrrk. Rewind. Noch sitze ich im Jeep. Die UN-Leute setzen mich vor dem Guesthouse ab, waehrend sie mir raten, nachts in dieser Gegend vorsichtig zu sein. Ich gehe hinein in einen Hinterhof. Junge Frauen begruessen mich, ein Mann sitzt an einem weissen Plastiktisch, ziemlich ungeflegte Hunde (Dili ist voll davon) straeunen im Hof herum. Das Zimmer gibt's fuer 5 Dollar (passt in mein Budget), ist sehr schlicht und aggressiv sauber. Insektenvertilgungsmittelgestank liegt schwer in der Luft. Die Dosis killt alle Moskitos und laesst die Menschen gerade am Leben.
Ich spreche ein wenig Tetum mit dem Mann, was sehr gut ankommt. Diak ka lae? Haunia naran Gilles. Es kostet mich ein wenig Ueberwindund, nach draussen zu gehen. Ohne UN-Begleitschutz. Arm, jung, schwarz: Die Menschen wirken aggressiv auf mich Westler, doch nur auf den ersten Blick. Noch nie bin ich dermassen oft angelaechelt worden. Ich habe noch nie soviel gelaechelt. Wie gesagt, es liegt am Wetter.
Australische Soldaten in voller Montur fahren im Lastwagen an mir vorbei. Ein Typ winkt mir zu. Winken unter Westlern. Surreal.
Mit meiner selbstgebastelten Karte schlendere ich durch die Strassen. Nach Jahrzehnten der Unterernaehrung sind die Timoreser nicht sehr hochgewachsen Ich bin einen Kopf groesser und sogar muskuloeser. Ein sehr ungewohntes und sehr gutes Gefuehl.
Natuerlich ziehe ich einen Schwulen an. Wie mache ich das bloss. Er ist auf dem Weg zu einem Photostudio. Wir posieren zusammen. Dann will er mich zu IOM und Lao Hamutuk fuehren, wo ich Leute fuer Interviews gewinnen will. Seine Eltern und sieben seiner neun Geschwister sind tot. Natuerlich fragt er mich schliesslich, ob ich einen Freundin habe. Ja, aber sie ist doch nicht hier? Sehr schwul. Er erzaehlt mir von seinen drei Freundinnen, nachdem ich scherzhaft meine, er haette wohl keine Freundin. Ich habe den Eindruck er fuehrt mich im Kreis herum, nur um laenger mit mir reden zu koennen. Er hofft, ich koenne ihn mit nach Australien nehmen, wo wir dann zusammen wohnen und zusammen studieren. Wir fragen hundert Leute, darunter eine Frau mit nackter Brust (stillt ein Baby) und Soldaten aus Yemen, die von gar nichst keine Ahnung haben.
Schliesslich bei Lao Hamutuk. Interview vereinbart fuer Montag. Dann bei IOM. Ebenfalls Interview am Montag. Alles perfekt. Alles so leicht.
Dann die schoene Seiten des Lebens in Drittweltlaendern geniessen und sich fuer einen Dollar den Bauch vollschlagen. Falls ihr Emergency Sex gelesen habt (UN-Einsatz als Nonstopparty): Danach sieht es aus.
Jetzt besorge ich mir noch ein Bier und dann zurueck zum Guesthouse. I will zurueck sein, bevor es dunkel wird.
Es ist feucht und heiss, und ich denke zum erstem Mal seit langem, dass sich diese Reise lohnen wird. Ich muss laecheln, staendig, es liegt am Wetter. Ich verbringe die Nacht auf einer Bank vor dem Flughafen, begegne u.a. einem Australier, der fuer die Armee arbeitet und meint, er sei nicht sehr helle (dabei dabei tippt er an seine Stirn). Im Gespraech kommt heraus, dass er bald in den Irak geht - obwohl seine Frau schwanger ist. Wir wuenschen uns beide viel Glueck, er wird's noetiger haben.
Und alles kommt viel, viel besser. Dies ist das Verrueckteste, was ich je gemacht habe.
Irgendetwas nach 8 bin ich in Dili. Wir landen neben weissen Hubschraubern mit UNO-Aufschrift. Noch nie war ich der UN so nahe. Hat schon jetzt einen Hauch Krisengebiet. Es ist feucht, Wolken haengen dicht ueber den Baeumen. Doch noch warten die Menschen auf den Monsoon. Verspaetung wegen El Nino. Noch sind die Flussbetten trocken, Wenn der grosse Regen (udan bot) anfaengt, werden die Fluechtlingslager, die es hier an jeder Strassenecke gibt, ueberflutet. Was dann?
Im Zollamt aergere ich mich kurz ueber mich selbst. Ich habe angegeben, dass ich als Journalist hier bin, anstatt mich einfach als Tourist anzugeben. Also 20 Dollar mehr fuers Visum. Aber der Beamte gibt mir trotzdem ein Visum der Klasse eins, fuer Touris.
Vor dem Flughafen stehen schon die Taxifahrer und Zigarettenverkaeufer. Ich bin froh, als ein UN-Mitarbeiter mir anbietet, mich in die Stadt zu fahren und mich vor dem Dili Guesthouse rauszulassen. Und schon sitze ich im Jeep, mit UNO-Flagge an der meterhohen Funkantenne. Der Typ fordert uns auf, die Tueren zu verriegeln und unsere Koepfe von den Fensterscheiben fernzuhalten. The guys throw stones at us. The last days have been rather calm though.
Es ist verrueckt. Alles. Ueberall junge Menschen auf den Strassen. Uebrraschend viel Verkehr. An Benzin scheint es keinen Mangel zu geben. Alle fuenf Sekunden faehrt ein Taxi hupend an mir vorbei.
Doch wwwwwwwrrrrk. Rewind. Noch sitze ich im Jeep. Die UN-Leute setzen mich vor dem Guesthouse ab, waehrend sie mir raten, nachts in dieser Gegend vorsichtig zu sein. Ich gehe hinein in einen Hinterhof. Junge Frauen begruessen mich, ein Mann sitzt an einem weissen Plastiktisch, ziemlich ungeflegte Hunde (Dili ist voll davon) straeunen im Hof herum. Das Zimmer gibt's fuer 5 Dollar (passt in mein Budget), ist sehr schlicht und aggressiv sauber. Insektenvertilgungsmittelgestank liegt schwer in der Luft. Die Dosis killt alle Moskitos und laesst die Menschen gerade am Leben.
Ich spreche ein wenig Tetum mit dem Mann, was sehr gut ankommt. Diak ka lae? Haunia naran Gilles. Es kostet mich ein wenig Ueberwindund, nach draussen zu gehen. Ohne UN-Begleitschutz. Arm, jung, schwarz: Die Menschen wirken aggressiv auf mich Westler, doch nur auf den ersten Blick. Noch nie bin ich dermassen oft angelaechelt worden. Ich habe noch nie soviel gelaechelt. Wie gesagt, es liegt am Wetter.
Australische Soldaten in voller Montur fahren im Lastwagen an mir vorbei. Ein Typ winkt mir zu. Winken unter Westlern. Surreal.
Mit meiner selbstgebastelten Karte schlendere ich durch die Strassen. Nach Jahrzehnten der Unterernaehrung sind die Timoreser nicht sehr hochgewachsen Ich bin einen Kopf groesser und sogar muskuloeser. Ein sehr ungewohntes und sehr gutes Gefuehl.
Natuerlich ziehe ich einen Schwulen an. Wie mache ich das bloss. Er ist auf dem Weg zu einem Photostudio. Wir posieren zusammen. Dann will er mich zu IOM und Lao Hamutuk fuehren, wo ich Leute fuer Interviews gewinnen will. Seine Eltern und sieben seiner neun Geschwister sind tot. Natuerlich fragt er mich schliesslich, ob ich einen Freundin habe. Ja, aber sie ist doch nicht hier? Sehr schwul. Er erzaehlt mir von seinen drei Freundinnen, nachdem ich scherzhaft meine, er haette wohl keine Freundin. Ich habe den Eindruck er fuehrt mich im Kreis herum, nur um laenger mit mir reden zu koennen. Er hofft, ich koenne ihn mit nach Australien nehmen, wo wir dann zusammen wohnen und zusammen studieren. Wir fragen hundert Leute, darunter eine Frau mit nackter Brust (stillt ein Baby) und Soldaten aus Yemen, die von gar nichst keine Ahnung haben.
Schliesslich bei Lao Hamutuk. Interview vereinbart fuer Montag. Dann bei IOM. Ebenfalls Interview am Montag. Alles perfekt. Alles so leicht.
Dann die schoene Seiten des Lebens in Drittweltlaendern geniessen und sich fuer einen Dollar den Bauch vollschlagen. Falls ihr Emergency Sex gelesen habt (UN-Einsatz als Nonstopparty): Danach sieht es aus.
Jetzt besorge ich mir noch ein Bier und dann zurueck zum Guesthouse. I will zurueck sein, bevor es dunkel wird.
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