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Donnerstag, 1. Mai 2008

Am 2. Mai aufstehen für die Faulheit




Nachtrag: Aus eigener Anschauung (und Teilnahme) kann ich berichten, dass die Demonstration ein voller Erfolg war! Der Veranstalter konnte noch während der "machtvollen Manifestation" von demonstrierenden Millionen in Tokio und Potsdam berichten. Die engagierten Demonstranten in Berlin skandierten tolle Slogans wie: "Mein Freund ist Roboter!", "Wir sind nicht alle, es fehlen die, die arbeiten!" oder "Wir haben Zeit!". Ein erfolgreicher 4. internationaler Kampf- und Feiertag der Arbeitslosen!

P.S. Noch viel schönere Photos gibt es hier.

Freitag, 28. März 2008

Kampf dem antiislamischen Rassismus!

Der niederländische Parlamentsabgeordnete Geert Wilders hat, wie der eine oder die andere schon erfahren haben könnte, unlängst einen umstrittenen Film unter dem Titel "Fitna" veröffentlicht. Herr Wilders ist bekanntlich ein Rechtspopulist mit sehr schlechter Frisur, und sein Film firmiert als "islamkritisch". Wer daher, wie ich, tatsächlich kritisch denkt und noch nicht total verblödet ist von der allgegenwärtigen antiislamischen Hetze, dem ist bereits vor dem Sehen von "Fitna" klar, dass es sich hierbei um ein rassistisches, Hass schürendes und daher die Meinungsfreiheit untergrabendes Machwerk handelt. Dies hat sehr treffend z.B. tagesschau-Korrespondent Markus Preiß festgestellt. Denn eines ist ja bekannt: dass nämlich der Islam eine, wenn nicht die Religion des Friedens ist. "Islam" heißt ja (wenn auch nicht richtig) übersetzt Frieden - der Islam hat den Frieden überhaupt erfunden! Daran ändern auch einige von Wilders sinnentstellend aus dem Zusammenhang gerissene Koranzitate nichts, die der Möchtegern-Volksverhetzer empörenderweise nicht nur im arabischen Original, sondern auch in einer niederländischen bzw. englischen Übersetzung (!!!) präsentiert. Eine extreme Provokation für alle gläubigen Muslime, die bekanntlich glauben, dass jede Zeile des Koran, als von Gott direkt offenbart, heilig ist und daher unter keinen Umständen übersetzt oder sonstwie verändert werden darf.

Wilders infamer Film geht sehr eigenwillig mit der Realität um, er setzt auf Ressentiment anstatt auf Fakten. Emotional aufgeladene Ereignisse wie die Tragödie des 11. September oder der Tod von Theo van Gogh werden assoziativ in einen Zusammenhang mit dem Islam gestellt, obwohl dieser - nüchtern betrachtet - mit den genannten Unglücksfällen gar nichts zu tun hat. Hierdurch soll Hass auf alle Moslems geschürt werden. Diese Propaganda ist extrem rassistisch: es wird suggeriert, die islamische Rasse sei genetisch zur Barbarei determiniert, und somit indirekt zu Zwangssterilisationen und Massenmord aufgerufen. Das medial konstruierte Bild des gewalttätigen Moslems ist nur vergleichbar mit dem antisemitischen Bild der "Judensau". Gewalt ist den Moslems ebenso unheilig wie den Juden das Schwein. So soll in beiden Fällen die äußerste Erniedrigung und Provokation erzielt werden, indem man einmal Moslems, das anderemal Juden mit dem identifiziert, was sie am meisten verabscheuen. Was Menschen wie Geert Wilders in ihrer dummdreisten Propaganda unterschlagen, ist die Tatsache, dass ein Mörder, der zufällig und nebenbei auch Moslem ist, den Islam nicht zu einer mörderischen Religion macht; ein Moslem dagegen, der in aller Regel niemanden umbringt, nicht einmal seine eigene Schwester, beweist sehr wohl, dass der Islam eine friedliche, moderne, ja liebenswerte und an Freunde und Bekannte weiterzuempfehlende Religion ist. Geben wir es ruhig zu: Der Islam ist sexy, Mohammed ist der Che Guevara, der James Dean, der Jesus unserer Zeit. Nicht länger dürfen wir unser Verlangen, unsere Liebe, unser pulsierendes Begehren verleugnen. Die Islamophobie wurzelt, ähnlich wie die Homophobie, in der hartnäckigen Verdrängung der eigenen islamischen Veranlagung.

Der Islam ist ein wenig wie das Megalos der ARD-Fernsehlotterie: Er will alle Menschen glücklich machen. Nur dass das Los nicht vor der Hölle schützt! (Kleiner Scherz am Rande.) Wer eine so ungewöhnlich friedliebende Religion derart grotesk beleidigt wie Wilders, muss sich über entsprechende Reaktionen nicht wundern. Zurecht zeigen sich selbst in unserer so islamophob eingestellten Medienwelt einige besonnene, aber auch scharfsinnige und durchaus humorvolle Geister zutiefst besorgt (die etwa den so naheliegenden wie dringend nötigen Hinweis einbringen, dass die Suren des Koran für die muslimische Welt einerseits und islamistische Anschläge andererseits etwa dieselbe Bedeutung haben wie "Zitate aus der feministischen Literatur oder so" für "Deutschland" bzw. die dortigen "Kindermorde der letzten Zeit"). Denn durch sein amoralisches, menschenverachtendes und vollkommen verantwortungsloses Handeln könnte Wilders die Meinungsfreiheit gefährden oder gar Gewalt auslösen. Sollte ihm dies gelingen, wäre es ein weiterer Schritt zur Stigmatisierung, Ausgrenzung, Diskriminierung und - in letzter Konsequenz - physischen Vernichtung aller Muslime. Dass sich innerhalb weniger Stunden nach der Veröffentlichung von "Fitna" im Internet vom niederländischen Ministerpräsidenten Jan Peter Balkenende bis zu UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zahlreiche politische Verantwortungsträger über den Film lautstark empört haben, macht Hoffnung. Zwar beschert es Geert Wilders, der genau wie Hitler und George W. Bush mit Hass Politik machen will, eben die Aufmerksamkeit, die er wollte; doch andererseits stehen die Reaktionen in einem angemessenen Verhältnis zum Ausmaß des Zivilisationsbruchs, den sein Film darstellt. Die friedliebende, nicht islamophob-rassistisch eingestellte Minderheit in der westlichen Welt muss jetzt Zivilcourage zeigen und die Rechte der Muslime ebenso wie die Meinungsfreiheit und das einhellige Zusammenleben der Angehörigen der drei abrahamitischen Rassen verteidigen. Es gibt Grenzen der Toleranz - gegenüber unverbesserlichen Irren und Gewaltfanatikern wie Geert Wilders ist Appeasement keine Option. Wir müssen ein Zeichen setzen. Die Muslime dürfen nicht länger zur Notwehr gezwungen werden! Daher sollten wir es diesmal besser machen als bei Theo van Gogh und, als ein Zeichen des guten Willens an die muslimische Welt, Geert Wilders selbst zur Rechenschaft ziehen, anstatt einen pazifistischen Moslem die Drecksarbeit machen zu lassen. Friedensbewegung, jetzt ist die Zeit, tätig zu werden!

Montag, 21. Januar 2008

Notwehr gegen Nokia: Atombewaffnung jetzt!

Liebe Bürgerinnen und Bürger Deutschlands! Ich als Mitglied der capverdischen Exilregierung kann eure Sorgen gut nachvollziehen. Auch ich bin, in gewissem Sinne, Opfer der Verlagerung meines Arbeitsplatzes ins Ausland, nur dass ich eben gleich mitverlagert wurde, als die imperialistischen Nationen in meiner geliebten Heimat ein menschenverachtendes Marionettenregime einsetzten. Und daher sage ich euch: Wehret den Anfängen, denn auch in Deutschland kann es so weit kommen! Es braucht Mut, um die Wahrheit zu sagen, gerade auch in diesem Land, aber sehen wir den Tatsachen ins Auge: Die Nationen dieser Welt werden sich nicht ewig von der finnoungarischen Lobby knechten lassen! Widerstand regt sich, nun auch in Deutschland. Denn es kann nicht sein, dass ein Unternehmen sich verhält, als wäre sein einziger Zweck Profitmaximierung! Man bedenke doch: Auch der Aufstieg Hitlers begann wegen der Verlagerung von deutschen Arbeitsplätzen ins Ausland!

Wenn ein Unternehmen meint, rücksichtslos deutsche Subventionen abgreifen zu können, in der Manier blutsaugerischer Heuschrecken, und darüber hinaus meint, mit der formaljuristischen Einhaltung der damit verbundenen vertraglichen Pflichten sei seine Schuld am deutschen Volke abgegolten, dann kann ich diese ungeheure Verblendung nur dem von maßloser Gier getriebenen Amoralismus zuschreiben, der die finnoungarische "Kultur" seit jeher unrühmlich auszeichnet. Es gibt in diesem Land auch so etwas wie soziale Faantwotong! Wir werden nicht zulassen, dass die Finnen, gemeinsam mit ihren schwedischen Bütteln, die, es ist ein offenes Geheimnis, mit halbseidenen Methoden die Kontrolle über deutsche Atommeiler ergaunert haben, um das deutsche Volk durch einen fahrlässig herbeigeführten Supergau zu dezimieren und zu demoralisieren - wir werden, sage ich, nicht zulassen, dass unter finnoungarischer Regie agierende skandinavische Möbelmogule dem Kern der Volksseele, der deutschen Gemütlichkeit, durch rücksichtlosen Wohnkulturimperialismus den Todesstoß versetzen!

Es ist die Zeit gekommen, in der Deutschland der objektiven Notwendigkeit von Selbstverteidigungsmaßnahmen ins Gesicht blicken muss! Wie einst schon der amerikanische Präsident Woodrow Wilson erkannte, ist bewaffnete Neutralität nicht mehr wirkungsvoll genug. Vielmehr bedarf es nun ATOMbewaffneter Notwehrpolitik! Hier meine Vorschläge:

(1) Eine DDR-sozialisierte Physikerin an der Spitze der Regierung kann Deutschland sich nicht länger leisten. Sie ist die Fremdbestimmung durch einen ausländischen Hegemon gewohnt und erkennt daher nicht, was die Stunde geschlagen hat. Sie muss durch einen verantwortungsbewussten Mann der Tat ersetzt werden! Wie wäre es zur Abwechslung mal mit einem Hessen?

(2) Dringend notwendig für die deutsche Selbstbehauptung im globalen Wettbewerb ist, wie gesagt, die umfassende und zeitnah in Angriff zu nehmende Atombewaffnung der Bundeswehr, wenn nötig auch der Bundespolizei, der Geheimdienste und des Zolls. Dies gebietet auch die internationale Verantwortung, die Deutschland nun einmal trägt und die es wahrzunehmen hat. Anders wird das Land der Dichter und Denker, diese große mitteleuropäische Nation, in der Achse Paris-Berlin-Moskau nicht Augenhöhe wahren können! Allerdings kontrolliert die finnoungarische Lobby die NATO, weshalb den Deutschen nichts anderes übrigbleiben wird, als in enger Zusammenarbeit mit Russland und dem Iran eine eigene Bombe zu bauen.

(3) Auf unbotmäßige osteuropäische Staaten, die sich von finnoungarischen Hehlern aus Deutschland entwendete Arbeitsplätze erschachern, sollte, wenn alle diplomatischen Mittel ausgeschöpft sind, auch zurückgeschossen werden. Außerdem erweist es sich zunehmend als strategischer Fehler, die Besetzung von Dänemark und Norwegen vorzeitig beendet zu haben.

(4) Falls sie fortfährt, die Völker Europas zu knechten, muss die finnoungarische Rasse eben aus Europa entfernt werden. Man könnte sie umsiedeln, zum Beispiel nach Madagaskar oder auf den Mars.

"Willkommen im Club Nokia"? Sicher, aber nur um den Preis einer umfassenden Verfinnoungarüdelung der Seele. Mit viertelnackten, horizontalen und farblich nicht auf ihre Unterlage abgestimmten Frauen versucht Nokia irgendetwas Hinterhältiges. Wir werden uns davon nicht einwickeln lassen!
"Nokia - Connecting People", unter diesem Slogan verbirgt sich nur schlecht eine kolonialistische Doktrin: das deutsche Wirtsvolk wird als zu verbindende Masse angesehen, die bis zur Ankunft der finnoungarischen "Zivilisation" über eigene Formen der Kommunikation angeblich nicht verfügte. Dabei beruht das Ideologem der tabula rasa, wie stets, auf der Unfähigkeit, die autochthone Kultur in ihrer Eigentümlichkeit anzuerkennen. Daher sind Selbstmordanschläge gegen finnoungarische Einrichtungen und Zivilisten nur zu verständlich.

Sonntag, 9. Dezember 2007

Wahlempfehlung für die Hansestadt Hamburg

Im inoffiziellen Auftrag der von Nordzypern nicht anerkannten Exilregierung der Volksrepublik Kap Verde unterstützt das Spitzboubenkollektiv im laufenden Hamburger Wahlkampf "Die Partei". Diese Entscheidung fällte der Sonderbeauftragte des Politbüros für internationale Beziehungen zu kapitalistischen Feindstaaten einstimmig, nachdem er sich von Spitzenkandidat Heinz Strunk durch dessen Wahlkampf-Auftaktrede vom 04. 12. 2007 hat restlos überzeugen lassen. Ganz offensichtlich ist "Die Partei" derzeit die einzige politische Kraft in Hamburg, wenn nicht in Deutschland, die es schafft, Persönlichkeiten von intellektuellem und politischem Format für leitende Ämter zu nominieren.



Samstag, 20. Oktober 2007

Adorno im Mixer, ach was, erst dilettantisch abgemalt, dann schwarz-weiß-kopiert, zerschnipselt, umgestülpt, angespuckt und ausgelacht

Adorno scheint ja zurzeit mal wieder schwer im Kommen. Das jedenfalls ist mein subjektiver Eindruck. Auch die Kritiker fühlen sich offenbar aufgefordert, darauf zu reagieren - doch anscheinend verläuft eine solche Rezeption in absteigenden Wellen und insbesondere die Kritik wird jedesmal dümmer. Ein hervorragendes Beispiel dafür habe ich auf der Achse des Guten entdeckt, ein Artikel mit dem Titel "Zur Kritik der kritischen Theorie" von einem gewissen Michael Holmes, einen Namen, den man sich gewiss nur merken muss, um ja nie wieder etwas aus Versehen von ihm zu lesen. Der Artikel ist wirklich so schlecht, dass es völlig albern ist, sich darüber auszulassen, aber die Achse des Guten ist ja auch nicht das hinterletzte Provinzblatt. Außerdem habe ich ja durchaus manchmal eine cholerische Ader und die muss ja auch zu ihrem Recht kommen...

Der Tenor des Textes ist ungefähr (oder sogar ziemlich genau) dieser: Die kritische Theorie ist ein höchst ideologisches Gebilde, das alle Übel der Welt in einer Art verschwörungstheoretischen Konstruktion völlig simplifizierend auf eine einzige Ursache zurückführt: das Ganze, die Totalität (in der Tat ziemlich simplifizierend!), der Kapitalismus. Das ist in seiner bestechenden Einfachheit natürlich total attraktiv, besonders für junge Leute, die irgendwie diffus unzufrieden sind mit der Welt, wie es junge Leute halt so sind, deswegen ist die Kritische Theorie von Adorno und Horkheimer nicht nur einfach falsch, sondern äußerst gefährlich. (Ich glaube der Kritischen Theorie ist noch selten vorgeworfen worden, sie würden zu stark vereinfachen oder simplizistisch denken. Auch dass ihre Texte sich offenbar als einfache Erklärung für desorientierte Jungspunde anbieten, ist doch ein einigermaßen kreativer Vorwurf, wenn man sich einen solchen Text mal ansieht.) Noch dazu ist das aber auch total falsch, was sie schreiben, weil besonders Adorno in seinen Texten jegliche empirischen Daten einfach ignoriert (mit der simplen Ausrede, diese seien "positivistisch"), die nämlich allesamt sagen, dass der Kapitalismus, genauer gesagt die Marktwirtschaft, ein Segen für die Menschheit ist, der Wohlstand für alle und qualitativ äußerst hochwertige Produkte (wegen Angebot und Nachfrage) und noch mehr tolle Sachen hervorbringt! Das hat Adorno einfach nicht wahrhaben wollen, dass ja der Verkäufer NATÜRLICH gar nicht anders KANN, als hochwertige Produkte herstellen, weil es sie ja sonst nicht VERKAUFEN könnte! Mensch, dass der DAS nicht gemerkt hat, der Adorno, da ist ja das ganze Kulturindustriekapitel praktisch hinfällig!
Immerhin fällt dem Autor am Ende auf, dass man Adorno und Horkheimer persönlich allerdings nichts vorwerfen könne, sie hätten immer alles richtig gemacht und sämtliche Spinnereien der Linken kritisiert. Diese These mutet in dem Kontext doch seltsam an, es scheint ja fast, als täte sich hier ein riesiger Widerspruch zwischen Theorie und Praxis auf! Wie nur konnten sie es schaffen, alles richtig zu machen, wo sie doch offenbar alles falsch gedacht haben? ZUm Glück haben sie also offenbar ihre eigene Theorie nicht geglaubt. Wahrscheinlich hatten sie sogar Toaster daheim!

Der ganze Artikel ist kaum gehaltvoller als diese Zusammenfassung. Er ist grauenvoll geschrieben und strotzt nur so vor Einfältigkeit. Vom ursprünglichen Erscheinungsort, der sowas ähnliches wie philosophischen Halbjahresschrift "Aufklärung und Kritik" hat man ja nicht unbedingt was anderes erwartet, schließlich war sie schon immer eine scheißliberale Versammlung von (zum überwiegenden Teil) Akademikern der dritten und vierten Reihe, - aber dass die Achse der Guten, bisher (mir jedenfalls) noch nicht durch schlecht geschriebene Jubelarien auf den Kapitalismus aufgefallen, es nötig hat einen derartig dämlichen Scheiß zu veröffentlichen, wundert mich doch. Man kann es wirklich nicht anders ausdrücken, es tut mir leid, aber einen solch dummen Artikel habe ich schon lange nicht mehr gelesen. Nicht dass es an der Kritischen Theorie nichts zu kritisieren gäbe, aber wenn man offenbar nichts von dem versteht, was in ihren Texten steht, wieso fühlt man sich dann berufen, einen Artikel darüber zu schreiben?

Montag, 8. Oktober 2007

Der Philosoph hat immer Recht

"... Jeder beurteilt die Dinge gut, die er kennt, und ist darin ein guter Beurteiler. Gut über einen bestimmten Gegenstand urteilt, wer darin ausgebildet ist, und gut überhaupt, wer in allem ausgebildet ist.
Aus diesem Grund sind junge Menschen keine geeigneten Hörer der politischen Wissenschaft. Denn sie sind unerfahren in den Handlungen, in denen das Leben besteht; diese aber bilden gerade den Gegenstand und Ausgangspunkt der Untersuchung. Ferner wird für sie, die dazu neigen, ihren Affekten zu folgen, das Zuhören vergeblich und nutzlos sein; denn Ziel der politischen Untersuchung ist ja nicht das Erkennen, sondern das Handeln. Dabei ist es gleichgültig, ob sie jung an Jahren oder unreif im Charakter sind; ihre Unzulänglichkeit hängt nicht von der Zeit ab, sondern ergibt sich daraus, dass sie vom Affekt geleitet leben und auf diese Weise ihre jeweiligen Ziele verfolgen. Solchen Menschen bringt das Erkennen keinen Nutzen - ebenso wenig wie den Unbeherrschten. Hingegen wird für diejenigen, die ihre Strebungen nach der Vernunft gestalten und entsprechend handeln, das Wissen über diese Dinge von vielfältigem Nutzen sein."
(Aristoteles, Nikomachische Ethik I, 1, 1094b-1095a, Übersetzung: Ursula Wolf.)

Donnerstag, 4. Oktober 2007

Free Burma!

Das ist jetzt unser Beitrag zur Aktion Free Burma!, die heute alle Blogger dazu aufruft, Solidarität mit den Protestierenden gegen die Militärdiktatur zu äußern. Das haben wir hiermit getan.
Ein schlaues Statement dazu gibt's bei Headquarters of Crocodiles.

Sonntag, 26. August 2007

Oh, jetzt hab ich die Überschrift vergessen -na, hat wahrscheinlich eh keiner gemerkt.

.
Ein Menschheitstraum geht in Erfüllung! Nie wieder das Bett verlassen müssen. Nie wieder aufstehen, nie wieder bewegen, einfach liegenbleiben. Für immer.

Sowas ähnliches müssen sich die Leute in der Werbeagentur wohl gedacht haben.

Andererseits: SOWAS denken Leute in Werbeagenturen nicht. Leute in Werbeagenturen denken:
Das moderne Individuum will seine Finanzen immer und überall im Griff haben, ganz besonders im Bett. Da will es seine Rechnungen zahlen, weil das durchkapitalisierte Individuum das braucht um sich als Mensch zu fühlen, besonders im Bett. Schon morgens vor dem Aufstehen will es wissen, was das Bankkonto sagt, und abends, bevor es das Licht ausknipst, über den Kontostand meditieren. Das Bankkonto ist sein Intimstes, mit dem es das Bett teilt.
Wenn das moderne Individuum das nicht kann, dann fühlt es sich einsam.

Oder weiß der Geier, was Leute in Werbeagenturen so denken, wahrscheinlich irgendwas anderes, wie zum Beispiel: "Klingt gut, irgendwie gemütlich, denkt ja eh keiner so genau drüber nach.", oder gar nichts, oder: "Wann ist endlich Mittagspause."

- aber ich fürchte, ICH kann nicht verbergen, dass ich soeben das neue Buch von Sibylle Berg - "Die Fahrt" - gelesen habe, das merkt man nämlich an dem Geschreibsel hier - ich jedenfalls merke das. Ich hoffe, der Leser sieht mir das nach, ich bin eben auch nur ein Mensch, leicht zu beeindrucken und formbar wie ein Stück weiche Knete. Blaue Knete. Wäre ich dann gerne, bitte. Danke.

Montag, 30. Juli 2007

"DER FEIND STEHT LINKS..."

"... Wie ihr vielleicht wißt, liebe Freunde, die ihr ja außer der LSD hier und da auch noch andere Sachen lest, gab es in Berkeley, Seattle, New York kleine Revolutionen und die in Berkeley, die im Bombenlegen, Fenstereinschmeißen, Wandbeschmieren bestand, habe ich aus nächster Nähe aus einem VW-Bus beobachtet und dabei selbst fast eine aufs Haupt bekommen. Also das genügte mir, und vor meinen zwei Klassen begann ich mit der Kritik. Erstens, indem ich auseinanderlegte, wie ein wirklicher Anarchist vorgehen würde. Auf einer Karte erklärte ich genau die Lage von Schaltwerken, gab auch an, wie man sie sprengen könnte (schließlich war ich im Krieg nicht umsonst Pionier), dann die Lage von Wasserwerken etc. etc. Zweitens taktische Bemerkungen, Ideologie etc. etc., sodaß sich ergab, wie dieses Unternehmen, von allen Gesichtspunkten aus betrachtet ungenügend, idiotisch, infantil sei. Der Feind ist links - und das nächstemal beginnt die Diskussion unter Teilnahme von SDS Bonzen."
(Paul Feyerabend, Brief an Hans Albert, Februar 1970, zitiert nach Paul Feyerabend, Hans Albert: Briefwechsel, hg. von Wilhelm Baum, Frankfurt am Main 1997, S. 164 f.)

LSD: "Logic of Scientific Discovery" von Karl Popper, deutscher Titel: "Logik der Forschung".
SDS: Students for a Democratic Society.

Dienstag, 24. Juli 2007

Wer ist der coolste Windhund seit Marx? - 2. Runde

Vor einer Weile hatte das internationale Publikum dieses Blogs die Gelegenheit, den ultimativen Fight zwischen zwei Pop-Heroen der linken Gesellschaftskritik auf basisdemokratischem Wege endgültig zu entscheiden. Damals ließ das verbindlich in alle Schulbücher aufzunehmende Ergebnis an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: Lenin ist viel cooler als, nomen est omen, Erich Fromm.

Trotz dieses großen Triumphes der historischen Wahrheit über die Propagandalügen revisionistischer Geschichtsverfälscher wurden doch auch gewisse Mängel des Verfahrens offenkundig: Die Wahlbeteiligung (nur einer von 6,7 Milliarden Wahlberechtigten nutzte sein Stimmrecht) erlaubt es leider nicht, gewisse Zweifel an der Repräsentativität des Abstimmungsergebnisses restlos auszuräumen. Daher habe ich für die zweite Runde ein Verfahren gewählt, das mehr dem pragmatischen Geiste des Demokratischen Zentralismus entspricht, dem sich unser "Blog neuen Typs" seit eh und je verpflichtet fühlt: Ich habe die Entscheidung einem Experten überlassen, und die Weltöffentlichkeit hat nunmehr die Möglichkeit, das Resultat zur Kenntnis zu nehmen und zu verinnerlichen.

Bei dem Experten handelt es sich um Hans Albert, der die Quintessenz seiner Forschungen auch im aktuellen "Zitat der Woche" bündig zum Ausdruck bringen durfte. Ich bin sicher, er würde es billigen (hab natürlich nicht gefragt), dass wir folgendes dreißig Jahre altes, aber noch immer aktuelles Statement von ihm verwenden (es stammt aus einem Brief an Paul Feyerabend vom 16. November 1968). (Zwar hat Herr Habermas seine theoretische Position seither beinahe so oft gewechselt wie seine Hemden; wieviel von der Albertschen Kritik durch diese permanente erratische Kurswechselei in immer seichtere, konformistischere Gewässer hinein überholt sein mag, ist eine ganz andere Frage!)

"Was Habermas angeht [...] ist sein neues Buch über Erkenntnis und Interesse eine ziemliche Zumutung. Er läßt einen da an seinem ganzen Verdauungsprozeß teilnehmen, kommentiert in einem fort irgendwelche Philosophen in sehr weitschweifiger Weise, ohne daß viel Neues dabei herauskommt, wird sofort in höchstem Maße unklar, wenn er mal etwas Eigenes zu den Problemen beizutragen versucht. Eine seiner wesentlichsten Strategien hat er beibehalten: Unterscheidungen ohne Unterschied einzuführen, damit er seine Positition auf jeden Fall durchhalten kann. Bei solchem Wortschwindel kann man ihn in einem fort ertapppen. Fast immer macht er eine referierte Auffassung durch seine Umdeutungen schlechter. [...] Etwas wesentlich Neues habe ich in diemem wortreichen, weitschweifigen, unklaren und prätentiösen Buch nicht entdecken können. [...] Ein schönes Angriffsziel an sich, wenn es nicht so mühsam wäre, den Kern des Gedankenmusters herauszuschälen. - Im übrigen finde ich tatsächlich Lenins 'Materialismus und Empiriokritizismus' - was ich auch gerade gelesen habe - besser (und zwar dem Inhalt nach und als Lektüre!). Während Lenin den Idealismus (auch den positivistischen) aufs Korn nimmt und sehr schön zersäbelt, versuchten Apel, Habermas und ihre Anhänger ihn wieder - und zwar indem sie sich in der Maske des Anti-Positivismus präsentieren, wobei das Angriffsziel de facto der Realismus ist - zu installieren: hermeneutischer Idealismus als Fortsetzung der Theologie, um den Bereich des Geistes gegen die Konsequenzen der Darwinschen und anderer Entdeckungen abzuschirmen... [...] Also komm mir nicht mit der Habermas-Produktion; dann schon lieber Lenin und Marx..."
(Zitiert nach: Paul Feyerabend, Hans Albert: Briefwechsel, hg. von Wilhelm Baum, Frankfurt am Main 1997, S. 89 f.)












Bilden Sie sich Ihre eigene Meinung: Welcher Guru ist auf stylischere Weise verherrlicht worden?

Mittwoch, 4. Juli 2007

Männlichkeit authentisch leben lernen

Eigentlich ist heute ja der 1. Internationale Day des Denglish, ein Anlass, der mit einem thematisch passenden post zu würdigen wäre. Ich muss jetzt aber über etwas ganz anderes schreiben - etwas ausgesprochen Beunruhigendes. Es wird immer offensichtlicher, dass das Raumzeitkontinuum gestört ist und immer mehr Löcher aufweist. Die Gegenwart des beginnenden 21. Jahrhunderts wird in stets zunehmendem Maße infiltriert von hässlichen und übelriechenden Teilen der Vergangenheit.

Schon seit einigen Jahrzehnten bemerken wir dieses bedrohliche Phänomen in der Ökonomie. Unter dem euphemistischen Namen "Neoklassik" feiern gewisse Theorien ein zombieskes revival, über die schon Karl Marx Hohn und Spott ausschüttete, weil sie die Realität gar zu plump zugunsten einer offensichtlich von materiellen und politischen Interessen bestimmten Ideologie verdrehten.

In anderen Bereichen scheint ein immer größer werdendes Zeitloch in die fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts zu führen, eine Periode, die schon in ihrer ersten Auflage eine an die damalige Gegenwart nur geringfügig angepasste Kreuzung aus Biedermeier und Viktorianismus darstellte. Vor kurzem ist ein besonder frappierendes Dokument aus dem Zeitloch geplumpst. Der geneigte Leser und die geneigte Leserin schaue sich doch bitte einmal diese Meldung über die immense Wichtigkeit des "Vaters" an und lese sie aufmerksam und gründlich durch. Die folgenden Zitate stammen von dort.

"Männer sind für Jungs wichtig, damit sie lernen, ihre männliche Rolle in der Gesellschaft authentisch zu leben", erklärt Prof. Hartmut Kasten vom Staatsinstitut für Frühpädagogik in München.

Muss man dazu noch etwas sagen? Kann man dazu überhaupt noch etwas sagen? "Männliche Rolle in der Gesellschaft"??? Nehmen wir einmal zur Kenntnis, dass es sowas überhaupt noch gibt. Wie in drei Teufelsnamen käme aber ein vernünftiger Mensch auf die Idee, dass ein wichtiges Ziel der Kindererziehung darin bestehen könnte, Jungen in die Lage zu versetzen, diese "männliche Rolle" "authentisch zu leben"? Und wieso fühlt sich ein "Staatsinstitut für Frühpädagogik" berufen, so etwas zu propagieren, obwohl derartige sexistische Ideologien mit der im Grundgesetz festgeschriebenen Staatsdoktrin der Gleichberechtigung der Geschlechter offensichtlich unvereinbar sind? Wegen derartiger Äußerungen können heutzutage Anträge auf Einbürgerung abgelehnt werden!

Der nächste Absatz beginnt mit den Worten: "Schon Studien aus den dreißiger Jahren hätten gezeigt..." Hier stellte ich mir erstmals ernsthaft die Frage, ob ich vielleicht einer Persiflage auf den Leim gegangen sein könnte. Würde als nächstes auf Studien aus den frühen vierziger Jahren verwiesen werden, die eindeutig beweisen, dass die jüdische Rasse ein charakteristisches Nebeneinander von effeminierten Männern einerseits und Mannsweibern andererseits hervorzubringen prädisponiert ist, weswegen ihre Angehörigen als Erzieherinnen und Erzieher in Kindergärten und Schulen gänzlich ungeeignet seien?

Vaterlose Söhne zeigten mehr Gewalt. Erlebten die Jungs hingegen, dass der Vater auf die von ihnen gezeigten Aggressionen nicht in gleicher Weise, sondern liebevoll reagiert, sind sie gerührt, so Heinsohn. Sie sehen die beschützende Stärke. "Damit ist ein Hauptstück der männlichen Sozialisation geschafft."

Es war eben von Anfang an ein Fehler, uneheliche Kinder mit ehelichen rechtlich gleichzustellen! Jetzt haben wir den Salat: Die Gesellschaft versinkt in Jugendkriminalität, und schuld sind natürlich die 68er und ihre antimoralische Liberalisierung des Scheidungsrechts unter der sozialliberalen Koalition! Die damaligen Warner und Mahner haben Recht behalten mit ihrer Einschätzung, dass diese Kulturrevolution gegen die Grundfesten der Zivilisation gerichtet war! - Friedliche und wohlintegrierte junge Männer erzeugt man nur mit Hilfe eines Vaters, der seinen Sohn liebevoll tätscheln kann, nachdem dieser ein anderes Kind verprügelt hat. Denn dann erwerben die gerührten Jungen ein Verständnis von "beschützender Stärke", im Gegensatz zur beschützenden Schwäche, die sie bei der Mutter erfahren. Das versetzt sie späterhin auch in die Lage einzusehen, warum der Innenminister unbedingt Recht hat, wenn er die Befugnisse des Staates und seiner Sicherheitsorgane auf Kosten demokratischer Grundrechte ausweiten will. Denn nichts geht über ein mehr an beschützender Stärke! Damit wäre dann ein Hauptstück der Sozialisation, die es ja als solche eigentlich gar nicht geben sollte, sondern nur als "männliche" oder "weibliche" Sozialisation, geschafft.

Studien hätten gezeigt, dass Mütter stärker pflegerische, Väter hingegen spielerische Aktivitäten im Umgang mit ihren Kindern entfalten und beide sich in der Art des Spielens unterscheiden, erläutert Prof. Holger Brandes von der Evangelischen Hochschule für Sozialarbeit in Dresden. Mütter spielten sanfter, Väter rauer, und zwar sowohl mit Mädchen als auch mit Jungen. Außerdem sei deutlich geworden, dass Väter häufig herausfordernder sind als Mütter.

Dass dies so ist, beweist natürlich zweifelsfrei, dass es a) auch gut so ist, b) gar nicht anders sein kann, c) auf jeden Fall so bleiben sollte, sowie dass d) auch unbedingt etwas dafür getan werden muss, dass dies so bleibt, weil sonst unvermeidlich das Abendland untergeht. Man sollte z. B. Alleinerziehende in Zwangs-WGs mit Angehörigen des anderen Geschlechts stecken und homosexuelle Paare bloß keine Kinder in die Finger kriegen lassen. Frauen, die Hosen tragen, sollte man darüber aufklären, dass dies nicht nur ihre Gebärfähigkeit beeinträchtigt, sondern auch eine mangelnde Verbundenheit mit ihrer weiblichen Rolle in der Gesellschaft anzeigt. Als überzogen ist jedoch die Forderung anzusehen, behoste Frauen aus dem öffentlichen Dienst auszuschließen, da sie ein gegen den Bestand der Gesellschaft an und für sich gerichtetes Symbol gebrauchen.

Es erscheint mir nur recht und billig, das zuerst angeführte Zitat von Prof. Hartmut Kasten zum Zitat der Woche zu erklären. Herzlichen Glückwunsch, Herr Kasten! Bitte erklären Sie mir meine männliche Rolle in der Gesellschaft! Keinerlei Sinn hat, wie ich dank Ihnen erkenne, die kantische Frage: "Was soll ich tun?", wenn nicht zuvor das Geschlecht des oder der Fragenden geklärt ist!

Samstag, 23. Juni 2007

Der Zeit hinterher

Huuuiii, da hab ich doch in meiner wohlsortierten Photokiste ein - zwar schon etwas angestaubtes, aber dafür umso schöneres - Zeugnis deutscher Werbespruchgenialität gefunden! Zur Aufnahmezeit dieses im süddeutschen Raum entstandenen Photos war leider die technische Möglichkeit noch nicht gegeben, es in dieser Form eine breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen - freilich ein bedauernswerter Umstand, denn hätte man das früher gewusst, wäre es niemals so weit gekommen mit Klimakatastrophe, Waldsterben und Stromsparsupertrend:

Freitag, 8. Juni 2007

À propos Adorno

Auf youtube habe ich einen interessanten clip über Adorno gefunden:



Interpretation: Der Typ mit dem Tatoo und der Säge, mir bekannt als "Hefti Schlumpf", steht offensichtlich stellvertretend für die Funktionäre der Arbeiterbewegung, er repräsentiert also den Typus des Gewerkschafters oder Sozialdemokraten. Der Ast, auf dem der Adorno rezitierende Schlumpf ("Schlaubi Schlumpf") steht, stellt die revolutionär-marxistische Arbeiterbewegung dar, auch die Tradition des historischen Materialismus, auf der Adornos Werk aufbaut. Der clip veranschaulicht also, wie der Revisionismus, indem er der Theorie und Praxis des Marximus die materielle, klassenmäßige Basis entzieht, die Grundlage auch der Zugänglichkeit und Nachvollziehbarkeit des Realitätsbezugs des Adornoschen Werkes zerstört. Der bewusst aporetische Charakter von Adornos Denken bildet sich darin ab, dass Schlaubi freiwillig und absichtlich auf den bereits angesägten Ast steigt und dort auch verharrt, während Hefti sein opportunistisches Unwerk vollbringt.

Kritik: Das ist natürlich alles bullshit. Adorno hätte das nicht gutgeheißen! Auch die Schöpfer dieses clips verfallen, wie der Revisionismus, der verkürzten Kapitalismuskritik, indem sie komplexe Prozesse in übersimplifizierter Weise veranschaulichen und personalisieren. Sie sind also genauso blöd wie die globalisierungskritische Bewegung. Igitt! Die spitzbouben meinen: latenter Sozialfaschismus.

Montag, 4. Juni 2007

Revolution oder Hippietum

"Gar nicht gefallen hat mir diesmal Fromm – er hat mich in die paradoxe Situation gebracht, Freud zu verteidigen. Sentimental und falsch unmittelbar, eine Mischung von Sozialdemokratie und Anarchismus, vor allem ein empfindlicher Mangel an dialektischem Begriff. Er macht es sich mit dem Begriff der Autorität viel zu leicht, ohne den ja schließlich weder Lenins Avantgarde noch die Diktatur zu denken ist. Ich würde ihm dringend raten, Lenin zu lesen."
(Brief von Theodor W. Adorno an Max Horkheimer vom 21. März 1936. - Adorno nimmt Bezug auf Erich Fromms Aufsatz "Die gesellschaftliche Bedingtheit der psychoanalytischen Theorie", in: Zeitschrift für Sozialforschung IV, 1935, S. 365 ff.)

Entscheidet selbst, wer ist cooler? Der knuddelige Psychotherapeut, der Marx für einen verkappten Zen-Buddhisten hielt, oder der dynamische Revolutionsführer mit der sexy Stirnglatze?

Dienstag, 8. Mai 2007

Christliche Geschichtsfälschung ahoi!

Ich KÖNNTE mich schon wieder AUFregen!!! Es ist doch kaum zu fassen: Kaum wird in Israel das Grab von Herodes dem Großen (der sympathische Herr da rechts) entdeckt - jedenfalls höchstwahrscheinlich -, wird wie auf Knopfdruck ÜBERALL das Märchen vom Kindermord in Bethlehem aufgewärmt - und vorzugsweise als "historische Tatsache" serviert. Es ist zum Kotzen! Selbst die ansonsten gerne Seriosität simulierende Tagesschau ließ in ihrer 20-Uhr-Sendung heute zweimal verkünden, Herodes habe den Kindermord angeordnet (einmal in der Meldung selbst - "nach biblischer Überlieferung", so verliest immerhin die Sprecherin Susanne Daubner -, dann aber auch im Bericht von Richard C. Schneider über die Ausgrabung im Herodion, ohne jede Relativierung und im Indikativ: Herodes I. sei der König, "der den aus der Bibel bekannten Kindermord befohlen hat."). Wie blöd kann man eigentlich sein??? Müsste man nach zweitausend Jahren christlicher Geschichtsfälschung nicht langsam mal wenn schon nicht den kritischen, so wenigstens den sogenannten "gesunden Menschenverstand" in Betrieb nehmen? Herr, lass Hirn regnen! Echt wahr!

Erinnert sich noch jemand an die Konstantinische Schenkung? Ist ja nur eine der berühmtesten Fälschungen der abendländischen Geschichte! Auf ihr beruhte einst der päpstliche Anspruch auf einen Kirchenstaat. (Der heutige Staat Vatikanstadt dagegen leitet sich nicht von der Konstantinischen Schenkung, sondern von Mussolini ab.) Wer das nachlesen will, ohne aufzustehen, bemühe die Wikipedia. Okay, zugegeben, die Konstantinische Schenkung steht nicht in der Bibel, im Gegensatz z. B. zur ja ebenfalls gern geglaubten Schöpfungsgeschichte. Aber in der Bibel steht ja auch nicht, dass Nero Rom angezündet habe, und das glauben die Leute ja auch immer noch, obwohl es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit falsch ist (lest z. B. hier). Aber Geschichte wird halt von Siegern geschrieben, und das sind in diesem Falle die Christen.

Und nun betrachten wir mal nüchtern die Geschichte vom Kindermord zu Bethlehem. Die so ungefähr EINZIGE Quelle, die vor dem vierten Jahrhundert von diesem Ereignis zu berichten weiß, ist das Matthäus-Evangelium (Mt 2, 13-18). Nicht einmal die anderen Evangelisten wissen etwas davon! Ein anderer und an und für sich irgendwie doch zuverlässigerer Autor, der jüdische Historiker Flavius Josephus (37 - ca. 100), selbst durchaus antiherodianisch eingestellt, erwähnt dagegen in seiner Sammlung der Untaten des Herodes keinen Kindermord. Die Story ergibt ja auch keinerlei Sinn, wenn man nicht den ganzen Quark von wegen Stern von Bethlehem und Heilige drei Könige glaubt; und wenn man DAS schluckt, kann man auch gleich an Jungfrauengeburt und Wiederauferstehung glauben!

Sonntag, 29. April 2007

Orientalische Sitten reißen ein

Moderne Ermittlungsmethoden machen es bösen Menschen immer schwerer, mit ihren Verbrechen ungestraft davonzukommen. Kombinatorische Leistungen, für die es einst noch einen Sherlock Holmes brauchte, erlernen heute bei der deutschen Polizei alle in der Grundausbildung:

"Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Wolfgang Speck, geht davon aus, 'dass es eine Tat ist, die nicht zwingend von einem Deutschen begangenen wurde'. Die Art, wie den Polizisten aus kurzer Distanz in den Kopf geschossen wurde, lege den Verdacht nahe, 'dass es kein Täter aus West- oder Mitteleuropa war'. Speck sagt, er sei schon 42 Jahre Polizist. 'Aber so einen Mord habe ich noch nicht erlebt.' Wenn es eine Bestrafung für diejenigen war, die in Deutschland für Recht und Ordnung eintreten, 'dann hätten wir eine Situation bei uns, die wir bisher nur aus anderen Ländern kennen'."
(Heilbronner Stimme, Sonntag, 29. 04. 2007)

Mit messerschaftem Verstand, kühlem Blick auf die Fakten und unbestechlicher Objektivität ermittelipittelt der deutsche Wachtmeister. Wie sicher könnten wir uns fühlen, wenn ihm nur endlich moderne Ermittlungsinstrumente wie Rasterfahndung, biometrische Daten der Gesamtbevölkerung und vollständige Überwachung der Autobahnen und Innenstädte in die verantwortungsbewussten Hände gegeben würden! Helfen würde es auch, Russen, Araber und andere Gewohnheitsverbrecher konsequenter als bislang in separaten Ghettos anzusiedeln. Dann müsste man bei der Suche nach Verdächtigen einfach nur noch von Haus zu Haus gehen. Und wenn man das ganze Gebiet umzäunen und abriegeln würde, könnten wir endlich ruhig schlafen.

Donnerstag, 26. April 2007

Demokratie jetzt!

Alle verfassungstreuen Bürgerinnen und Bürger sind herzlich dazu aufgerufen, an folgendem "Voting" teilzunehmen, das netterweise von meinem e-mail-Anbieter veranstaltet wird. Stand up for your rights! Gegen die skandalöse Bohlenkratie!

Voting

Wie finden Sie Max' Rauswurf?


PS: Der 1. Mai muss wieder revolutionär werden! Um in diesem stinkenden Land endlich etwas zu verändern, rufen wir hiermit die Aktion "Ein Stein für Max" ins Leben.

Freitag, 20. April 2007

Krieg ist super!

Ein würdiges Zitat der Woche!
Die Geschichte mit Günther Oettingers Filbinger-der-Nazigegner-Grabrede ist jetzt wohl schon allseits bekannt. Aber ich habe noch ein anderes tolles Zitat unseres schwäbischen Ministerpräsidenten gefunden. Und zwar gestern beim ARD-Magazin Kontraste:
Nachdem er vor ein paar Wochen auf einer Versammlung seiner ehemaligen Studentenverbindung (sprich: Burschenschaft) Ulmia darüber philosophierte, dass Kriege ganz toll seien, weil sie die Menschen nachher, wenn alles kaputt ist, dazu anregen, ja geradezu anstacheln, alles wieder aufzubauen, und dann bedauernd anfügte: "Aber des Blöde isch, es kommd kein Krieg mehr." - was ein großer Lacher war auf dieser famosen Versammlung -, sagte er auf einer Pressekonferenz, zu einer Erklärung genötigt, Folgendes (im Originalton natürlich noch viel schöner, dieses Schwäbisch):

"Kriege gibt es Gott sei Dank nicht mehr. Und deswegen müssen wir jetzt aus eigener Kraft mehr leisten, durch Reformen, als das früher, mit Hilfe von Streitkräften, mit Hilfe von Neuanfang, möglich gewesen war."

(Man beachte den schönen Plusquamperfekt.)
Wirklich, an dem Mann ist ein großer politischer Philosoph verloren gegangen. Auf einer Augenhöhe mit Alexis deTocqueville und Machiavelli mindestens. Kriege und Streitkräfte als treibende Kraft der Zivilisation, dass ist doch eine schöne These!
Vielleicht sollten wir Deutschen dann doch mal wieder... statt der ewigen langwierigen Reformen... dann wär auch Schluss mit dem Gejammer...

Sonntag, 25. Februar 2007

Das "Wort" hat die Frau Bundeskanzlerin

In letzter Minute hier noch mein Zitat der Woche für die nun schon quasi zuende seiende Woche. In Deutschland wäre ich schon zu spät dran, aber hier in Dings, Timor, äh Quatsch, Kap Verde oder so, bin ich noch pünktlich. Das heutige Zitat ist etwas traurig, es soll nämlich die Deutschen an ihre beschämende Geschichte erinnern. Sie haben es, ohne von ihrem Widerstandsrecht auch nur ansatzweise Gebrauch zu machen, zugelassen, dass im Jahr der Schande 2005 am 30. November eine der sagenwirmal zehn grauenvollsten Regierungserklärungen in der Geschichte der sogenannten Bundesrepublik Deutschland verlesen wurde, und zwar von einer gewissen Angela Merkel, die noch immer "Bundeskanzlerin" ist. Die Exilregierung der DDR reißt sich vor Scham darüber die Achselhaare aus, dass im Heimatland vom Marx und Engels SOWAS regieren kann. Hier einige exemplarische Zitate, ich kann aber jedem ausreichend hartgesottenen Menschen nur empfehlen, mal den ganzen Text durchzulesen, um sich in aller gebotenen Drastik - oder, wie Frau Merkel vielleicht sagen würde: Drastigkeit - vor Augen zu führen, was für politische Zustände in Deutschland herrschen.

"Ich habe die neue Koalition eine 'Koalition der neuen Möglichkeiten' genannt. Ich wünsche mir, dass sie unserem Land und allen Deutschen neue Möglichkeiten eröffnet, und ich wünsche mir, dass wir diese Chancen dann auch wirklich nutzen und wahrnehmen. Das heißt für mich konkret: Der Anspruch der neuen Bundesregierung an sich und an das Land ist nicht gering. Wir wollen die Voraussetzungen schaffen, dass Deutschland in zehn Jahren wieder zu den ersten drei in Europa gehört. Ich finde, das ist ein legitimer und wichtiger Anspruch."
"Ich habe über die vermeintlich Schwachen gesprochen. Wir wissen, dass sie in Wahrheit oft stark sind und einen unverzichtbaren Beitrag für sich selbst und unser Gemeinwesen leisten können. Dies zu erkennen und auch zu nutzen macht den Wert von Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft aus."
"Denn Arbeit heißt, wie wir alle wissen, mehr als Einkommen und Geld; Arbeit bedeutet vielmehr Würde und Selbstachtung für die betroffenen Menschen."
"Mehr Freiheit möglich machen für neue Gerechtigkeit: All diese Neuausrichtungen vom Arbeitsmarkt bis zum Aufbau Ost gehören zusammen. Sie dienen einem langfristigen Ziel: Wir wollen Deutschland stärken und wieder zum Motor in Europa machen."
"Wir haben uns viel vorgenommen, weil wir wissen, dass wir wirtschaftlich wieder stark werden können und dann auch das leben können, was die soziale Marktwirtschaft in unserem Land groß gemacht hat. Dann können wir nämlich den Widerspruch zwischen Arbeit und Kapital weiter ausgleichen und denen helfen, die sich heute noch auf der Schattenseite des Lebens befinden."
"Diese Koalition will Rituale überwinden und neue Wege aufzeigen. Viele werden sagen: Diese Koalition, die geht ja viele kleine Schritte und nicht den einen großen. Ich erwidere ihnen: Ja, genau so machen wir das. Denn wir glauben, dass auch das ein moderner Ansatz sein kann. Es hat sich herausgestellt, dass die Vernetzung von vielen kleinen Computern, an vielen Stellen, effektiver ist als der eine Großrechner - der Erfolg des Internets beruht auf genau dieser Philosophie. "

Jedes demokratische Land hat die Regierung, die es verdient. Sage nochmal einer was gegen Antideutsche.

Samstag, 17. Februar 2007

Jugendschrott

Ja aber ja aber ja aber schließlich sind sie ja selber schuld [aber]. Anders haben sie es ja nicht haben wollen. Immer nur haben haben haben, denn so ist die Jugend von heute. Ist ja [aber] auch kein Wunder, denn jede Gesellschaft produziert die Jugend, die sie verdient. Also, die sie sich nach gegebenem Stand der Produktionskräfte leisten kann. Diese Jugend wird dann früher oder später überholt, dann wird sie verschrottet und eine neue wird angeschafft. Ist auch besser so, denn was will man mit all der alten Jugend: hat ja keine street credibility mehr [aber], so graumeliert und mit langem Bart, vor allem auch die Mädels. Deshalb kann es auch nicht angehen, durch fortgesetztes Ignorieren einfach darüber hinweg sich zu setzen, hinweg, äh, über das Problem der Endlagerung des zu Würfeln gepressten Jugendschrotts. Denn so, das ist ja wohl klar [aber], setzt man sich langfristig nirgendwo hin, außer: in die Nesseln. Meine Damen und Herren, das ist die lautere Wahrheit: Wir leben in einer nesselsüchtigen Gesellschaft! Wir trauen uns nicht, den Tatsachen ins Gesicht zu sehen, denn es ist das verschrottete und in Würfel gepresste Gesicht unserer vorgestrigen Jugend! Die Würfel haben eine Kantenlänge von fast fünf Metern, erwähnte ich das schon? Es ist auch kein Wunder, ich an unserer Stelle würde das Problem auch verdrängen. Es erinnert uns an unsere - was uns nämlich sehr unangenehm daran ist, dass wir eine haben, verständlicherweise, und deshalb denken wir nicht dran, und an nichts, was uns dran erinnert - an unsere eigene Sterblichkeit. Man könnte sagen: da liegt der Hund begraben! Oder: Das ist des Pudels Kern![Ja] Aber natürlich in der umgekehrten Reihenfolge. Denn auch wir waren mal jung. Was hätten wir gemacht, wenn unsere Eltern uns einfach verschrottet hätten, damals? Diese Frage kann ich beantworten, denn sie steht in unseren Geschichtsbüchern. Wir hätten sie zuerst verschrottet! Jedenfalls hätte ich das getan, an unserer Stelle. Hätte man damals auf mich gehört, der Erfolg würde mir Recht gegeben haben! So[ja] aber zeugen nur unsere Geschichtsbücher davon. Das ist bedauerlich. Geschichtsbücher sind ja schön und gut, aber schon Lenin sagte: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Deshalb sollten wir nicht einfach blind unseren Geschichtsbüchern vertrauen, wir sollten kontrollieren, ob sie auch stimmen! Also, sozusagen, ich sage das jetzt in meinen eigenen Worten: ob die Vergangenheit sich auch daran hält. [Ja] Aber die ist ja schon [aber] vorbei, werden Sie sagen. Ja! [Aber!] Das ist richtig! Ebenso wie die Jugend der letzten Saison! So bedenken Sie doch. Wohin damit, oder, wie Lenin sagte: Was tun? Wenn der Linksradikalismus die Kinderkrankheit des Kommunismus ist, so ist die Jugendschrottentsorgung seine Pubertätsakne. Darum sollten wir, bevor wir uns um die Endlagerung des Jugendschrotts bemühen, den Kommunismus überhaupt erst einmal einführen! Auch das habe ich schon vor langem gefordert, allerdings habe ich es nicht in die Geschichtsbücher geschrieben, denn die Einführung des Kommunismus betrifft nicht die Vergangenheit, sondern die Zukunft. Die Zukunft, so möchte ich hinzufügen, die Zukunft unserer Gegenwart! Unserer aller Gegenwart seine Zukunft. Äh, ihre.