Dies ist ein Abschiedspost, denn ich begebe mich auf Reisen und werde vielleicht nicht lebend zurückkehren. Wir sind halt ein abenteuerlustiges Globetrotter-blog. ich persönlich verreise in eine Stadt, die in der Geschichte mehrfach negativ aufgefallen ist. Nicht nur war sie vor dem Zweiten Weltkrieg ein wichtiges intellektuelles Zentrum des europäischen Antisemitismus, sie ist auch, was weniger bekannt ist, daran schuld, dass wir noch nicht im Kommunismus leben. Und das geht so: Als die Türken 1453 Konstantinopel, eine Stadt, die zu gründen an sich schon eine der schlechtesten Ideen in der Geschichte des Römischen Imperiums darstellte, endlich eroberten, lösten sie dadurch im Abendland den Anbruch der Neuzeit aus. Und nun stelle man sich vor, was erst passiert wäre, wenn die von mir bald bereiste Stadt wenigstens ihre zweite Chance genutzt hätte und 1683 unter osmanische Herrschaft sich begeben hätte! Eben, wir würden Weltfrieden und universellem Wohlstand genießen und uns den ganzen Tag nur dem hehren Kunstgenuss und der freien Liebe hingeben. Nämlich.
Hier noch ein Zitat der Woche. Jene Freundin, die ich alsbald besuchen werde, war so liebenswert, mich auf den Bad Writing Contest des Department of Philosophy der University of Miami aufmerksam zu machen, dessen winner hier mit seinem prämierten Satz zitiert werden soll:
"Indeed dialectical critical realism may be seen under the aspect of Foucauldian strategic reversal--of the unholy trinity of Parmenidean/Platonic/Aristotelean provenance; of the Cartesian-Lockean-Humean-Kantian paradigm, of foundationalisms (in practice, fideistic foundationalisms) and irrationalisms (in practice, capricious exercises of the will-to-power or some other ideologically and/or psycho-somatically buried source) new and old alike; of the primordial failing of western philosophy, ontological monovalence, and its close ally, the epistemic fallacy with its ontic dual; of the analytic problematic laid down by Plato, which Hegel served only to replicate in his actualist monovalent analytic reinstatement in transfigurative reconciling dialectical connection, while in his hubristic claims for absolute idealism he inaugurated the Comtean, Kierkegaardian and Nietzschean eclipses of reason, replicating the fundaments of positivism through its transmutation route to the superidealism of a Baudrillard."
aus: Roy Bhaskar: Plato etc: The Problems of Philosophy and Their Resolution (Verso, 1994)
Mittwoch, 28. März 2007
Sonntag, 25. März 2007
Blümelein und Sonnenschein
Samstag, 24. März 2007
Koteletten. Betrachtungen über eine Form der Selbsterniedrigung der menschlichen Spezies (bzw. ihres männlichen Teils)
Koteletten - hässlicher Auswuchs eines reaktionären Männlichkeitswahns oder abstoßendes Teufelswerk, das mit gesetzlichen Maßnahmen unterdrückt werden muss? Es ist schwierig, in dieser Frage eindeutig Stellung zu beziehen. Fest steht, dass Koteletten wesentlich dazu dienen, die Öffentlichkeit noch ekliger aussehen zu lassen als ohnehin schon. Der einzige legitime Grund, mit einem Kotelettenträger Sex zu haben, besteht darin, ihm heimlich im Schlaf seine scheiß Koteletten abzurasieren. Alles andere wäre zutiefst unmoralisch und gender-politisch fatal. Aber das ist natürlich nur meine persönliche Meinung, und eine objektive Tatsache. Wer es trotzdem anders sehen will, kann gerne Unrecht haben. Ganz bewusst verzichte ich auf eine Abbildung von Koteletten, denn dies ist ein seriöser blog, der nicht bloß über Missstände berichtet, damit die Leute sich an widerlichen Bildern von explodierende Passanten, geköpften Geißeln, Promis ohne Unterhosen oder eben Koteletten aufgeilen können.
Freilich gibt es Schlimmeres als Koteletten, etwa Backenbärte. Oder auch Schnauzbärte. Oder überhaupt Günter Grass, dessen Schnauzbärtigkeit ein tief verankerter CHARAKTERZUG ist, den keine Rasur der Welt beseitigen könnte. Abgesehen von der sogenannten Kopf-ab-Rasur, aber das ist wieder ein anderes Thema.
Rätselhaft bleibt, warum nicht einfach alle Leute T-Shirts tragen, auf denen steht: "Ich bin ein doofer Arsch und will auch so aussehen" - dann wäre das ein für allemal geritzt, man könnte sich dran gewöhnen und müsste nicht jede Saison an neuem Unfug verzweifeln.
Freilich gibt es Schlimmeres als Koteletten, etwa Backenbärte. Oder auch Schnauzbärte. Oder überhaupt Günter Grass, dessen Schnauzbärtigkeit ein tief verankerter CHARAKTERZUG ist, den keine Rasur der Welt beseitigen könnte. Abgesehen von der sogenannten Kopf-ab-Rasur, aber das ist wieder ein anderes Thema.
Rätselhaft bleibt, warum nicht einfach alle Leute T-Shirts tragen, auf denen steht: "Ich bin ein doofer Arsch und will auch so aussehen" - dann wäre das ein für allemal geritzt, man könnte sich dran gewöhnen und müsste nicht jede Saison an neuem Unfug verzweifeln.
Bonuszitat
"Just because you're German doesn't make you a Nazi."
Tobey Maguire (aka Tully in The Good German)
Tobey Maguire (aka Tully in The Good German)
Freitag, 23. März 2007
Zitat der vergangenen Woche
Es ist zwar niemandem aufgefallen, aber da hat doch tatsächlich letzte Woche das Zitat der Woche gefehlt. So ein Sauhaufen hier! Eine Unordnung!
Ich werde das jetzt hiermit nachholen:
Mit einem wunderschönen, zugleich humorvollen und selbstironischen Liebesgedicht. Das geht so:
"Roses are red
Violets are blue
oh my, lump in the bed, how I've missed you.
Roses are redder
Bluer am I
Seeing you kissed by that charming French guy.
The dogs and the cat,
They missed you, too
Barney's still mad you dropped him - he ate your shoe.
The distance, my dear,
has been such a barrier.
Next time you want an adventure, just land on a carrier."
Da ich befürchte, dass dieses wundervolle Gedicht weit weniger geschätzt wird, sobald der Autor bekannt ist (böse Vorurteile!), und ich dem Leser auf keinen Fall den Genuss verderben will, werde ich den Autor bis auf weiteres verschweigen und lediglich den Leser auffordern, selbst zu raten (Ja, es macht mir Spaß, die ganze Zeit Fragen zu stellen, auf die ich keine Antwort bekomme!).
Ich werde das jetzt hiermit nachholen:
Mit einem wunderschönen, zugleich humorvollen und selbstironischen Liebesgedicht. Das geht so:
"Roses are red
Violets are blue
oh my, lump in the bed, how I've missed you.
Roses are redder
Bluer am I
Seeing you kissed by that charming French guy.
The dogs and the cat,
They missed you, too
Barney's still mad you dropped him - he ate your shoe.
The distance, my dear,
has been such a barrier.
Next time you want an adventure, just land on a carrier."
Da ich befürchte, dass dieses wundervolle Gedicht weit weniger geschätzt wird, sobald der Autor bekannt ist (böse Vorurteile!), und ich dem Leser auf keinen Fall den Genuss verderben will, werde ich den Autor bis auf weiteres verschweigen und lediglich den Leser auffordern, selbst zu raten (Ja, es macht mir Spaß, die ganze Zeit Fragen zu stellen, auf die ich keine Antwort bekomme!).
Namen sind Schall und Rauch, aber Rauchen ist hier verboten (bald).
Mit diesem Post möchte ich auf Gegenstände aufmerksam machen, die beinahe unbemerkt in unserem alltäglichen Leben auftauchen. Dinge, die äußerst wichtige Funktionen erfüllen, unsere Welt zusammenhalten, Verbindungsstücke, ohne die alles buchstäblich aus den Fugen geraten würde. Dinge, die aber dennoch keinen Namen haben, kein Wort, das sie bezeichnete. Über die deshalb niemals gesprochen wird, die nicht beachtet werden (über die es allerdings auch nicht nötig ist, zu sprechen).
(Aber vielleicht sind die Dinge ja depressiv deswegen. - Eine mögliche Erklärung für die Melancholie der Moderne: es gibt zu viele Gegenstände, die namenlos dahinvegetieren, die Welt ist zu voll um jeden / jedes noch persönlich anzusprechen - Anonymität, Identitätsverlust, Ichvergessenheit, Sprachlosigkeit.)
Ich möchte deshalb hiermit auf diese vernachlässigten Gegenstände aufmerksam machen und den geneigten Leser oder die aufrechte Leserin dazu auffordern, sich Namen für diese Dinge einfallen zu lassen (aber gute Namen, bitte!). Die Leserin oder der Leser sei ebenfalls aufgefordert, weitere Dinge vorzuschlagen, für die es ebenfalls keine Bezeichnung gibt, sofern ihr oder ihm welche einfallen. Es soll dabei nicht ausschließlich um materielle Gegenstände gehen, auch namenlose Zustände, Prozesse, Abstrakta, Gefühle, Stimmungen sind unbedingt der Würdigung würdig!
Als ersten Gegenstand in dieser Rubrik möchte ich heute folgendes vorschlagen:

Genau. Nämlich diese kleinen, meistens transparenten, Plastikverbindungsstäbchen, mit denen die Preis- und Markenschilder an neuen Kleidungsstücken befestigt sind. Was wäre die Welt ohne diese Dinger! Kein Preis würde am Kleidungsstück halten, man wüsste nicht mehr, was wieviel kostet - der Kapitalismus würde zusammenbrechen!
Die Welt würde nicht funktionieren ohne sie, und dennoch haben diese essentiellen Plastikteile keinen Namen! Unglaublich!
(Oder irre ich mich da? Falls ein Leser oder eine Leserin einen Namen dafür kennt, sei es in einer anderen Sprache, so sei er oder sie "more than welcome" diesen mitzuteilen!)
(Aber vielleicht sind die Dinge ja depressiv deswegen. - Eine mögliche Erklärung für die Melancholie der Moderne: es gibt zu viele Gegenstände, die namenlos dahinvegetieren, die Welt ist zu voll um jeden / jedes noch persönlich anzusprechen - Anonymität, Identitätsverlust, Ichvergessenheit, Sprachlosigkeit.)
Ich möchte deshalb hiermit auf diese vernachlässigten Gegenstände aufmerksam machen und den geneigten Leser oder die aufrechte Leserin dazu auffordern, sich Namen für diese Dinge einfallen zu lassen (aber gute Namen, bitte!). Die Leserin oder der Leser sei ebenfalls aufgefordert, weitere Dinge vorzuschlagen, für die es ebenfalls keine Bezeichnung gibt, sofern ihr oder ihm welche einfallen. Es soll dabei nicht ausschließlich um materielle Gegenstände gehen, auch namenlose Zustände, Prozesse, Abstrakta, Gefühle, Stimmungen sind unbedingt der Würdigung würdig!
Als ersten Gegenstand in dieser Rubrik möchte ich heute folgendes vorschlagen:

Genau. Nämlich diese kleinen, meistens transparenten, Plastikverbindungsstäbchen, mit denen die Preis- und Markenschilder an neuen Kleidungsstücken befestigt sind. Was wäre die Welt ohne diese Dinger! Kein Preis würde am Kleidungsstück halten, man wüsste nicht mehr, was wieviel kostet - der Kapitalismus würde zusammenbrechen!
Die Welt würde nicht funktionieren ohne sie, und dennoch haben diese essentiellen Plastikteile keinen Namen! Unglaublich!
(Oder irre ich mich da? Falls ein Leser oder eine Leserin einen Namen dafür kennt, sei es in einer anderen Sprache, so sei er oder sie "more than welcome" diesen mitzuteilen!)
Donnerstag, 22. März 2007
Heute ist ein ganz verrückter Tag. Man bietet mir einen für meine Verhältnisse hervorragend bezahlten Job an (der Typ besteht darauf, mir mehr Geld zu geben, als ich verlangt habe), ich bekomme eine Nachricht, dass ich bald noch einen besseren Job haben werde, eine Exfreundin, die ich lange nicht gesehen habe, und ein Freund, von dem ich noch viel länger nichts gehört haben, melden sich auf einmal, ich fülle meinen Messenger mit den Emailadressen von Leuten, die ich völlig aus den Augen verloren habe, es ist mitten in der Nacht, noch immer 30 Grad, ich liege halbnackt und mit Zigarre auf der Couch vor meiner Wohnung und frage mich, was ich machen muss, um je wieder runterzukommen von dieser Wolke.
Mittwoch, 21. März 2007
Statt eines Nachrufs
Deborah Solomon: Bei uns meinen manche, dass die Geisteswissenschaften an den amerikanischen Universitäten durch den Einfluss von Dekonstruktion und anderer französischer Theorien Schaden genommen haben.
Jean Baudrillard: Das war das Geschenk der Franzosen. Sie haben den Amerikanern eine Sprache gegeben, die diese nicht brauchen. Das ist wie mit der Freiheitsstatue. Kein Mensch braucht französische Theorien.
(SZ vom 24. November 2005. Deutsch von Christopher Schmidt.)
Jean Baudrillard: Das war das Geschenk der Franzosen. Sie haben den Amerikanern eine Sprache gegeben, die diese nicht brauchen. Das ist wie mit der Freiheitsstatue. Kein Mensch braucht französische Theorien.
(SZ vom 24. November 2005. Deutsch von Christopher Schmidt.)
Freitag, 16. März 2007
Home, not very sweet home
Ja, es ist schrecklich, aber wahr, ich bin wieder in Berlin, zu Hause sozusagen.
Ich weiß, mein wieder-da-Blogeintrag kommt etwas spät, aber ankommen dauert eben manchmal ein wenig.
Und es ist schon seltsam, wieder in Deutschland zu sein - dem Land, das mich als erstes mit Zigarettenqualm, Bratwurstgeruch und Easy Listening-Klassik empfängt (verflucht sei der Hamburger Hauptbahnhof!), wo sich deutsche Urlauber über das tolle Preis-Leistung-Verhältnis und den freundlichen Service in Bankok unterhalten, und wo leider immer noch Winter ist.

Ja, Deutschland: Im Verkaufsfernsehen wird für Produkte geworben, die Bindegewebe "umverteilen" dank "Kompressionsstrickzonen", in den Nachrichten ist die Rede von "Kamingesprächen und Strandspaziergängen" und der Swingerclub um die Ecke wirbt mit "Dauertiefstpreisen".
Ach ja, seufz, - es ist so wunderschön, die deutsche Sprache zu hören!
Ich weiß, mein wieder-da-Blogeintrag kommt etwas spät, aber ankommen dauert eben manchmal ein wenig.
Und es ist schon seltsam, wieder in Deutschland zu sein - dem Land, das mich als erstes mit Zigarettenqualm, Bratwurstgeruch und Easy Listening-Klassik empfängt (verflucht sei der Hamburger Hauptbahnhof!), wo sich deutsche Urlauber über das tolle Preis-Leistung-Verhältnis und den freundlichen Service in Bankok unterhalten, und wo leider immer noch Winter ist.

Ja, Deutschland: Im Verkaufsfernsehen wird für Produkte geworben, die Bindegewebe "umverteilen" dank "Kompressionsstrickzonen", in den Nachrichten ist die Rede von "Kamingesprächen und Strandspaziergängen" und der Swingerclub um die Ecke wirbt mit "Dauertiefstpreisen".
Ach ja, seufz, - es ist so wunderschön, die deutsche Sprache zu hören!
Sonntag, 11. März 2007
We hate love, we love hate
Tja, schon spät, was, und noch gar kein Zitat der Woche! Auch sonst gar nichts, diese Woche! All das hat natürlich einen tieferen Sinn. Zum Beispiel, nicht durch hohe Produktivität zum Wirtschaftsaufschwung beizutragen, den wir nämlich ablehnen. Stattdessen betätigen wir uns als "Wühlmäuse an den Wurzeln unserer Demokratie" und sabotieren jede "geistig-moralische Wende" (beide Zitate: Helmut Kohl, Seriensieger im Kanzlercasting), die nicht bei drei auf den Bäumen ist. Als lieblos hingerotzes Dienst-nach-Vorschrift-Wochenzitat biete ich daher heute, um die Sektenbeauftragten zu ärgern, einen dummen Satz eines noch dümmeren zwielichtigen Gurus, der einst eine militante Weltuntergangssekte gründete und damit der Menschheit einen Bärendienst sondergleichen erwies - richtig, es geht um Jesus. Der Menschensohn informiert das geneigte Publikum über die Aufnahmebedingungen in seinen Club der Erlösten folgendermaßen:
"Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater und die Mutter und die Frau und die Kinder und die Brüder und die Schwestern, dazu aber auch sein eigenes Leben, so kann er nicht mein Jünger sein." (Lukas 14, 26)
Ich persönlich bin ja eher für den Satanismus, die Religion der Liebe. Da muss man niemanden hassen, kann sich den rituellen Kannibalismus sparen und darf sogar ficken.
"Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater und die Mutter und die Frau und die Kinder und die Brüder und die Schwestern, dazu aber auch sein eigenes Leben, so kann er nicht mein Jünger sein." (Lukas 14, 26)
Ich persönlich bin ja eher für den Satanismus, die Religion der Liebe. Da muss man niemanden hassen, kann sich den rituellen Kannibalismus sparen und darf sogar ficken.
Sonntag, 4. März 2007
Die Erleuchtung des Ernst Torben Saalreiter
"Ich erkannte, dass mein bisheriges Leben ein Irrtum gewesen war. Das völlige Scheitern meines Lebens war die Gnade, die mir zuteil wurde, damit daraus die völlige Bekehrung entsprieße. Ich verlor alles, um alles zu erhalten. Meine Armut war meine Reinheit, meine Reinheit war mein Reichtum. Ich hatte nichts mehr außer mir selbst, und es gab für mich keine Zukunft. So gab ich mich auf. So warf ich mich weg. So saß ich im Wald und aß nicht und trank nicht. So saß ich drei Tage lang, und ich war nackt. Dann stand ich auf und ging Tag und Nacht gen Sonnenuntergang. Jeder Schritt brachte mich 3 Zentimeter voran, dauerte drei Minuten und gebar 3 Erleuchtungen. So schritt ich drei weitere Tage und Nächte und mir wurden viele Erleuchtungen zuteil, nämlich 4320. Es waren aber 240 Erleuchtungen, denn jede Erleuchtung kam mir drei mal an jedem Tag, und in jeder Nacht wiederholten sich alle Erleuchtungen des Tages. Doch die größte Erleuchtung kam mir nach dem letzten Schritt, und ich hielt inne. Denn vor mir war ein großer Misthaufen mit vielen Fliegen, und ich erkannte in jeder Fliege eine Erleuchtung. Und wie die Fliegen um jenen Misthaufen kreisten, kreiste jede Erleuchtung um die Große Weisheit. So legte ich mich in den Misthaufen, auf dass mir die Große Weisheit zuteil werde. Und dort lag ich weitere drei Tage, in den Nächten aber stand ich auf und verfolgte die Fliegen. Denn die Fliegen erschienen am Tag, aber sie verschwanden in der Nacht. So auch erscheint uns die Weisheit des Tags, doch entschlüpft sie uns in der Nacht. In der ersten Nacht aber traf ich einen Maulwurf, und ich sah, er war blind. Für ihn gab es weder Tag noch Nacht, und so versteht er nicht, warum die Fliegen entschwinden, denn er weiß nichts von der Tageszeit. In der zweiten Nacht aber traf ich eine Eule, und für sie war der Tag die Nacht und die Nacht der Tag, und weiß war für sie schwarz. Denn wie für uns die Nacht zu dunkel ist zum Sehen, so ist für sie der Tag zu hell. Am dritten Tag aber war Neumond, und ich lief gegen einen Baum, denn es war so dunkel, ich konnte ihn nicht sehen. Und ich blieb liegen bis zum Morgen, und ich erkannte, für den Baum ist jeder Tag ein einatmen und jede Nacht ein ausatmen. Und ich kehrte am dritten Morgen zurück zu dem Misthaufen, und ich sah den Weg zur Großen Weisheit. Ich legte mich in den Misthaufen wie jeden Tag, aber diesmal sank ich ein ins Innere des Misthaufens, und der Mist umschloss mich und machte dunkel den Tag wie die Nacht. Und ich hörte auf zu atmen. Und im Misthaufen waren Tag und Nacht eins, und ich erkannte, dass der Misthaufen die Fliegen gebar wie die Große Weisheit die Erleuchtungen. Doch wie die Fliegen nur am lichten Tag aus dem Misthaufen entspringen können, so werden die Menschen erleuchtet am Tag, aber in der Nacht verlieren sie die Gnade. Und ich nahm den Misthaufen in mich auf, und er durchdrang mich. Und ebenso nahm ich die Weisheit in mich auf, und sie durchdrang mich. Und die Weisheit ergoss sich in mich. Und als ich wieder aufstand, war die Sonne versunken, doch die Nacht war hell wie der Tag, denn ich trug den Samen der Großen Weisheit in mir, und er gebar Erleuchtungen noch und noch. Und ich sage euch: Das war der Bodhi-Misthaufen."
Donnerstag, 1. März 2007
Zum Thema "Elfenbeinturm"
"Philosophie und Studium der wirklichen Welt verhalten sich zueinander wie Onanie und Geschlechtsliebe."
Karl Marx und Friedrich Engels: "Die deutsche Ideologie", in: MEW 3, S. 218.
Karl Marx und Friedrich Engels: "Die deutsche Ideologie", in: MEW 3, S. 218.
Sonntag, 25. Februar 2007
Das "Wort" hat die Frau Bundeskanzlerin
In letzter Minute hier noch mein Zitat der Woche für die nun schon quasi zuende seiende Woche. In Deutschland wäre ich schon zu spät dran, aber hier in Dings, Timor, äh Quatsch, Kap Verde oder so, bin ich noch pünktlich. Das heutige Zitat ist etwas traurig, es soll nämlich die Deutschen an ihre beschämende Geschichte erinnern. Sie haben es, ohne von ihrem Widerstandsrecht auch nur ansatzweise Gebrauch zu machen, zugelassen, dass im Jahr der Schande 2005 am 30. November eine der sagenwirmal zehn grauenvollsten Regierungserklärungen in der Geschichte der sogenannten Bundesrepublik Deutschland verlesen wurde, und zwar von einer gewissen Angela Merkel, die noch immer "Bundeskanzlerin" ist. Die Exilregierung der DDR reißt sich vor Scham darüber die Achselhaare aus, dass im Heimatland vom Marx und Engels SOWAS regieren kann. Hier einige exemplarische Zitate, ich kann aber jedem ausreichend hartgesottenen Menschen nur empfehlen, mal den ganzen Text durchzulesen, um sich in aller gebotenen Drastik - oder, wie Frau Merkel vielleicht sagen würde: Drastigkeit - vor Augen zu führen, was für politische Zustände in Deutschland herrschen.
"Ich habe die neue Koalition eine 'Koalition der neuen Möglichkeiten' genannt. Ich wünsche mir, dass sie unserem Land und allen Deutschen neue Möglichkeiten eröffnet, und ich wünsche mir, dass wir diese Chancen dann auch wirklich nutzen und wahrnehmen. Das heißt für mich konkret: Der Anspruch der neuen Bundesregierung an sich und an das Land ist nicht gering. Wir wollen die Voraussetzungen schaffen, dass Deutschland in zehn Jahren wieder zu den ersten drei in Europa gehört. Ich finde, das ist ein legitimer und wichtiger Anspruch."
"Ich habe über die vermeintlich Schwachen gesprochen. Wir wissen, dass sie in Wahrheit oft stark sind und einen unverzichtbaren Beitrag für sich selbst und unser Gemeinwesen leisten können. Dies zu erkennen und auch zu nutzen macht den Wert von Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft aus."
"Denn Arbeit heißt, wie wir alle wissen, mehr als Einkommen und Geld; Arbeit bedeutet vielmehr Würde und Selbstachtung für die betroffenen Menschen."
"Mehr Freiheit möglich machen für neue Gerechtigkeit: All diese Neuausrichtungen vom Arbeitsmarkt bis zum Aufbau Ost gehören zusammen. Sie dienen einem langfristigen Ziel: Wir wollen Deutschland stärken und wieder zum Motor in Europa machen."
"Wir haben uns viel vorgenommen, weil wir wissen, dass wir wirtschaftlich wieder stark werden können und dann auch das leben können, was die soziale Marktwirtschaft in unserem Land groß gemacht hat. Dann können wir nämlich den Widerspruch zwischen Arbeit und Kapital weiter ausgleichen und denen helfen, die sich heute noch auf der Schattenseite des Lebens befinden."
"Diese Koalition will Rituale überwinden und neue Wege aufzeigen. Viele werden sagen: Diese Koalition, die geht ja viele kleine Schritte und nicht den einen großen. Ich erwidere ihnen: Ja, genau so machen wir das. Denn wir glauben, dass auch das ein moderner Ansatz sein kann. Es hat sich herausgestellt, dass die Vernetzung von vielen kleinen Computern, an vielen Stellen, effektiver ist als der eine Großrechner - der Erfolg des Internets beruht auf genau dieser Philosophie. "
Jedes demokratische Land hat die Regierung, die es verdient. Sage nochmal einer was gegen Antideutsche.
"Ich habe die neue Koalition eine 'Koalition der neuen Möglichkeiten' genannt. Ich wünsche mir, dass sie unserem Land und allen Deutschen neue Möglichkeiten eröffnet, und ich wünsche mir, dass wir diese Chancen dann auch wirklich nutzen und wahrnehmen. Das heißt für mich konkret: Der Anspruch der neuen Bundesregierung an sich und an das Land ist nicht gering. Wir wollen die Voraussetzungen schaffen, dass Deutschland in zehn Jahren wieder zu den ersten drei in Europa gehört. Ich finde, das ist ein legitimer und wichtiger Anspruch."
"Ich habe über die vermeintlich Schwachen gesprochen. Wir wissen, dass sie in Wahrheit oft stark sind und einen unverzichtbaren Beitrag für sich selbst und unser Gemeinwesen leisten können. Dies zu erkennen und auch zu nutzen macht den Wert von Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft aus."
"Denn Arbeit heißt, wie wir alle wissen, mehr als Einkommen und Geld; Arbeit bedeutet vielmehr Würde und Selbstachtung für die betroffenen Menschen."
"Mehr Freiheit möglich machen für neue Gerechtigkeit: All diese Neuausrichtungen vom Arbeitsmarkt bis zum Aufbau Ost gehören zusammen. Sie dienen einem langfristigen Ziel: Wir wollen Deutschland stärken und wieder zum Motor in Europa machen."
"Wir haben uns viel vorgenommen, weil wir wissen, dass wir wirtschaftlich wieder stark werden können und dann auch das leben können, was die soziale Marktwirtschaft in unserem Land groß gemacht hat. Dann können wir nämlich den Widerspruch zwischen Arbeit und Kapital weiter ausgleichen und denen helfen, die sich heute noch auf der Schattenseite des Lebens befinden."
"Diese Koalition will Rituale überwinden und neue Wege aufzeigen. Viele werden sagen: Diese Koalition, die geht ja viele kleine Schritte und nicht den einen großen. Ich erwidere ihnen: Ja, genau so machen wir das. Denn wir glauben, dass auch das ein moderner Ansatz sein kann. Es hat sich herausgestellt, dass die Vernetzung von vielen kleinen Computern, an vielen Stellen, effektiver ist als der eine Großrechner - der Erfolg des Internets beruht auf genau dieser Philosophie. "
Jedes demokratische Land hat die Regierung, die es verdient. Sage nochmal einer was gegen Antideutsche.
Freitag, 23. Februar 2007
Nacktes Feuer und Giraffenstreifen
Hier in Australien ist übrigens alles down under, also verkehrtrum, verdreht und steht auf dem Kopf.
So gibt es beispielsweise nackte oder sich ausziehende Bäume, dafür sind die Leute hier alle angezogen. Ein seltsames Land!
Statt Zebrastreifen gibt es Giraffenstreifen.

Und das Wasser läuft linksrum ab, wie man hier eindeutig erkennen kann:

Kann mal jemand für mich nachschauen, wie das in der nördlichen Hemisphäre ist? - Danke.(Und was passiert auf dem Äquator? (Das ist jetzt posten auf dem Niveau von Kinderbüchern, aber was soll's))
Und: They drive "on the goddam wrong side of the road" (W. Allen)! Das ist gefährlich, sag ich euch!
Statt Zebrastreifen gibt es Giraffenstreifen.
Und das Wasser läuft linksrum ab, wie man hier eindeutig erkennen kann:
Kann mal jemand für mich nachschauen, wie das in der nördlichen Hemisphäre ist? - Danke.(Und was passiert auf dem Äquator? (Das ist jetzt posten auf dem Niveau von Kinderbüchern, aber was soll's))
Und: They drive "on the goddam wrong side of the road" (W. Allen)! Das ist gefährlich, sag ich euch!
Reisen bildet
Mit einiger Verzögerung hier mein erster Interkontinentaler Post.
Ich fange mal mit einer Auflistung von ein paar Beobachtungen an - es ist ja so enorm
beeindruckend, was man alles für spannende Sachen lernt, wenn man reist. Da will ich euch natürlich teilhaben lassen...
1) Als erstes muss ich mal diese Tastatur hier durchtesten, was für Zeichen man hier so machen kann...§1234567890'^qwertzuiopèäsdfghjkléà$<>YXCVBNM ;:_¦@#°§¬¢´~€[]{}\ - aha, interessant, also ein scharfes s scheint nicht zur Verfügung zu stehen. Auch schon mal eine Erkenntnis.
2) Der Flughafen in Dubai ist gar nicht besonders schick, luxuriös, ästhetisch beeindruckend, kitschig und goldglänzend. Sondern fällt durch einen eklatanten Mangel an einem einheitlichen Konzept auf und ist eigentlich mehr eine gigantische Einkaufsmeile, was zugegebenermassen auch irgendwie ins Bild passt.Nach wie vor steht also auf meiner (nicht sehr umfangreichen) Liste der schönsten Flughäfen der Flughafen Zürich ganz oben.
3) Seit kurzem gibt es ALDI auch in Melbourne, und das Tolle ist, dass sie es geschafft haben, exakt die Ästhetik deutscher Supermärkte hier zu reproduzieren. Dieses trostlose Flair von Billigprodukten in einem neonbeleuchteten Raum mit braun gefliesstem Boden, der zugleich leer und vollgestopft wirkt. Faszinierend. Dass das in Deutschland funktioniert ist ja seltsam genug, aber dass man sowas auch noch exportieren kann!
4) Meine vorerst letzte Bemerkung ist diese: Das Nachtleben ist hier genauso eklig wie überall anders auch. Vielleicht ein wenig ekliger als in Berlin. (Ups, jetzt habe ich mich geoutet.) Und "Wodka Lemon" scheint keine international verständliche Bezeichnung für ein bestimmtes Getränk zu sein. "Wodka Lemonade?" sagt die Barkeeperin und schenkt mir daraufhin sowas Ähnliches wie Wodka mit Sprite ein. War auch ok.
- Kleines Update hierzu: Ich habe festgestellt, auch im Supermarkt gibt es hier zwar alle möglichen Schweppes-Produkte, aber kein Bitter Lemon. Also trinkt man hier vielleicht deshalb keinen Wodka Lemon, weil es kein Bitter Lemon gibt.
Ich fange mal mit einer Auflistung von ein paar Beobachtungen an - es ist ja so enorm
beeindruckend, was man alles für spannende Sachen lernt, wenn man reist. Da will ich euch natürlich teilhaben lassen...
1) Als erstes muss ich mal diese Tastatur hier durchtesten, was für Zeichen man hier so machen kann...§1234567890'^qwertzuiopèäsdfghjkléà$<>YXCVBNM ;:_¦@#°§¬¢´~€[]{}\ - aha, interessant, also ein scharfes s scheint nicht zur Verfügung zu stehen. Auch schon mal eine Erkenntnis.
2) Der Flughafen in Dubai ist gar nicht besonders schick, luxuriös, ästhetisch beeindruckend, kitschig und goldglänzend. Sondern fällt durch einen eklatanten Mangel an einem einheitlichen Konzept auf und ist eigentlich mehr eine gigantische Einkaufsmeile, was zugegebenermassen auch irgendwie ins Bild passt.Nach wie vor steht also auf meiner (nicht sehr umfangreichen) Liste der schönsten Flughäfen der Flughafen Zürich ganz oben.
4) Meine vorerst letzte Bemerkung ist diese: Das Nachtleben ist hier genauso eklig wie überall anders auch. Vielleicht ein wenig ekliger als in Berlin. (Ups, jetzt habe ich mich geoutet.) Und "Wodka Lemon" scheint keine international verständliche Bezeichnung für ein bestimmtes Getränk zu sein. "Wodka Lemonade?" sagt die Barkeeperin und schenkt mir daraufhin sowas Ähnliches wie Wodka mit Sprite ein. War auch ok.
- Kleines Update hierzu: Ich habe festgestellt, auch im Supermarkt gibt es hier zwar alle möglichen Schweppes-Produkte, aber kein Bitter Lemon. Also trinkt man hier vielleicht deshalb keinen Wodka Lemon, weil es kein Bitter Lemon gibt.
Abonnieren
Posts (Atom)


